Mit Postern und Schuhen protestieren Eltern auch in Bad Liebenzell gegen die Maskenpflicht für Grundschüler. Foto: Lewandowski

"Keine Maßnahmen gegen unsere Kinder" steht auf einem Plakat, "Kinder brauchen ein Lächeln zur Begrüßung" und "Kinder brauchen Mimik, Verbindung, Spiel" auf zwei anderen: Diese Botschaften haben Eltern aus Bad Liebenzell zu Papier gebracht und neben Kinderschuhen bei einer Protestaktion vors Liebenzeller Rathaus gestellt.

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Bad Liebenzell - Vielerorts äußern Eltern mit solchen Aktionen inzwischen ihren Unmut vor allem darüber, dass selbst Grundschüler laut Corona-Verordnung Masken tragen müssen. Zehn bis 15 Eltern, sagt Ewa Lewandowski, haben sich vor einigen Tagen an der Liebenzeller Aktion beteiligt. Sie hätten große Sorge, dass die Kinder wegen Sauerstoffmangels Schaden davontragen, wenn sie ständig eine Maske aufhaben. Die Eltern hätten sich vors Rathaus gestellt, "um ein Zeichen zu setzen".

Dass das Thema ihrem Empfinden nach öffentlich überhaupt nicht behandelt wird, das mache sie wütend. Lewandowski, nach eigenen Angaben Mutter eines Jungen, der im September eingeschult wird, sagt, den Kindern werde in der Pandemie so viel weggenommen. Und nun auch noch die Maskenpflicht. Die Bad Liebenzellerin überlegt, ob sie ihren Sohn überhaupt in die Schule schicken soll, falls bis dahin immer noch ein Mund-Nasenschutz getragen werden muss.

Niemanden gefährden

Die Aktion in der Kurstadt hätten mehrere Eltern zusammen angeregt. Nach und nach hätten sie ihre Botschaften und Schuhe hingestellt. "Wir wollten niemanden gefährden und nichts Illegales tun", betont die Mutter.

Enttäuscht ist sie über die offenbar ausgebliebene Reaktion der Stadtverwaltung. "Niemand ist rausgekommen und hat mit uns geredet. Keiner hat sich mit uns auseinandergesetzt" – obwohl sie bemerkt worden seien. Stattdessen hätten die Eltern am anderen Tag entdeckt, dass ihre Schuhe im Mülleimer lagen.

Dass die Aktion stattgefunden hat, das hat Liebenzells Bürgermeister Dietmar Fischer mitbekommen. Allerdings habe er Termine gehabt. Und als er sich die Schuhe und Poster dann angeschaut habe, seien die Eltern schon nicht mehr vor Ort gewesen. "Ich fand die Aktion in Ordnung. Die kann man nachvollziehen." Er sehe es ja genauso, dass die Kinder gerade die Leidtragenden seien. Ihnen fehlen die sozialen Kontakte, und angesichts all der Einschränkungen die Unbeschwertheit.

Auf der einen Seite sollen die Kinder durch drastische Einschränkungen geschützt werden, auf der anderen dürften Supermarktketten alles Mögliche verkaufen, und außer dem Masketragen gelten praktisch keine Einschränkungen – während der Einzelhandel schließen muss. Da fehlt Dietmar Fischer die Logik und Linie bei all den Corona-Verordnungen. Wichtig ist dem Rathaus-Chef außerdem, dass man solche Kritik äußern darf, ohne abgestempelt und ins Lager der Querdenker gestellt zu werden.

Ihre Kritik geäußert, das haben mit der Schuh-Aktion definitiv nun auch die Liebenzeller Eltern.

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