Nach dem Landestitel in Ditzingen peilt das Albstädter Bogentalent Raphael Domani die Deutsche Meisterschaft in Berlin an.
Die immerhin olympische Disziplin Bogenschießen fliegt in der öffentlichen Wahrnehmung bundesweit meist unter dem Radar. Dabei ist die mental und physisch anspruchsvolle Sportart nicht zu unterschätzen. Ein deutsches Talent kommt mit Raphael Domani aus Albstadt.
Dieses Wochenende vertritt der 18-Jährige die Schützengesellschaft Ebingen erneut bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin. Er tritt in der Klasse „Recurve Junioren männlich“ an. Qualifiziert hat er sich über die Württembergischen Meisterschaften im Januar in Ditzingen. Dort hat er dank einer sensationellen Aufholjagd im zweiten Durchgang den Landestitel in seiner Altersklasse geholt.
Meisterschaft in der Halle
Raphael Domani ist seit dem Jahr 2021 bei den deutschen Meisterschaften aktiv. Diese finden in der Halle statt; geschossen wird auf Ziele in 18 Meter Entfernung. In der Juniorenklasse misst sich Raphael Domani in einem Teilnehmerfeld mit insgesamt 19 Nachwuchsschützen. „Die Konkurrenz in der Altersklasse ist hart. Ich hoffe, dass ich es in das Finale schaffe und dort das erste Duell gewinne“, blickt Raphael Domani im Gespräch mit unserer Redaktion auf den Wettkampf voraus.
Mit 18 Jahren ist er erstmals in der neuen Altersklasse aktiv; seine Konkurrenten sind teils drei Jahre älter. Der Wettkampfmodus: In einer Qualifikation muss jeder Sportler 60 Wertungspfeile abgeben. Anschließend wird ein Ranking entsprechend dem Wettkampfniveau für das Finale erstellt. Gemäß des Turnierbaums wird in Duellen letztlich der Sieger ermittelt.
Zu viel Druck macht sich der Albstädter vor dem Wettkampf aber nicht: „Erstmal will ich in die neue Altersklasse reinschnuppern und schauen, wie weit ich komme.“ Die Erfolge der Vergangenheit können Raphael Domani zuversichtlich machen. Sowohl bei nationalen als auch bei internationalen Turnieren zeigte er in jüngster Vergangenheit persönliche Bestleistungen. Seit der vergangenen Saison bestreitet er Wettkämpfe im Ausland wie in Nimes, Strassen oder Lausanne.
Für seine Leidenschaft nimmt das Bogentalent ein intensives Trainingsprogramm auf sich: Jeden Dienstag und Donnerstag trainiert Raphael Domani in Ebingen, dazu wenn möglich mittwochs in Villingen-Schwenningen. Dort gibt es gleichgesinnte Jugendliche, die die Passion Bogenschießen mit dem Albstädter teilen. In der kommenden Saison startet er für die Doppelstädter auch in der Bundesliga.
Ziel: Platz im Bundeskader
Über Bekannte aus dem Landeskader ist er nach Villingen-Schwenningen gekommen. Der dortige Trainer hat ihm angeboten, ihn in der Trainingsgruppe einzubinden. In Ebingen mangelt es an Nachwuchsschützen im Bogenbereich. Auch wenn der hiesige Verein im Sommer im Außenbereich mit seinem Schießplatz eine tolle Trainingsgelegenheit biete, sei das Einzeltraining mit dem in der Gruppe nicht zu vergleichen.
Perspektivisch sei es natürlich der Wunsch, einen Platz im Bundeskader zu erreichen. Raphael Domani weiß aber, dass das nicht einfach wird und spricht von einem „schweren Schritt“. Dabei betreibt er schon heute einen großen Aufwand für seinen Sport: „Ich bin an vielen Wochenenden bei Wettkämpfen.“ Und nebenher soll die Schule nicht zu kurz kommen. Von Vorteil ist, dass er auch Zuhause trainieren kann.
Denn: Einmal Training die Woche reicht für das deutsche Spitzenniveau nicht aus. „Wenn man ein oder zwei Wochen nicht trainiert hat, verliert man das Gefühl. Bogenschießen ist ein dffiziler Sport“, gibt der Albstädter Jungschütze einen Einblick. Bogenschießen ist beispielsweise sehr technisch. Jede Bewegung wirke sich auf den Schuss aus.
Dazu ist für jeden Schuss ein gewisser Kraftaufwand nötig. Raphael Domanis Bogen hat eine Zugstärke von 43 Pfund, was rund 19,5 Kilogramm entspricht. Hinzu kommt die mentale Komponente: „Ein Wettkampf dauert zwei bis drei Stunden. Während dieser Zeit muss die Konzentration durchweg hochgehalten werden.“ Bleibt abzuwarten, ob beim Albstädter Talent am Wochenende bei den deutschen Meisterschaften alle Faktoren zusammenspielen. Die Daumen in der Heimat sind jedenfalls gedrückt.