Immer wieder morgens kommt die Verärgerung: An eine zuverlässige Schülerbeförderung ist hier für manche Familien kaum mehr zu denken.
Immer mehr Eltern und Schüler im Südkreis gehen auf die Barrikaden.
Und das hat einen triftigen Grund: „Seit der Umsetzung des Nahverkehrskonzepts im Wutachtal haben wir viel Ärger und Leid mit der Schülerbeförderung zur ersten Schulstunde an Donaueschinger Schulen“, moniert die Vorsitzende des Gesamtelternbeirats von Donaueschingen und weiterer Schulen im Städtedreieck.
Doch obgleich es rund um die Donaumetropole für auf den ÖPNV angewiesene Familien offenbar derzeit besonders dick kommt, das Problem ist sogar ein kreisübergreifendes, betrifft es doch auch den gerade erst eingeführten Move-Tarif über die drei Landkreise Schwarzwald-Baar, Tuttlingen und Rottweil hinweg.
Die Liste der Betroffenen ist lang
Die Liste der betroffenen Schulen ist lang. Und alleine der Blick ans Fürstenberg-Gymnasium in Donaueschingen zeigt: Die Misere betrifft viele Schüler – aus Ewattingen, Mundelfingen, Unadingen, Titisee oder Döggingen etwa pendeln die Betroffenen mit den Öffentlichen nach Donaueschingen zur Schule. Oder besser: Sie versuchen es. Denn immer öfter funktioniert genau das nicht.
„Aus unverständlichen Gründen ist gerade der frühe Zug mit vielen Ausfällen behaftet“, sagt Ramona Vogelbacher. Sie habe bereits Kreisräte im Schwarzwald-Baar-Kreis um Unterstützung gebeten, beim Landratsamt moniert. Alles vergeblich. „Mir scheint die Bahn hier kein verlässlicher und erreichbarer Partner zu sein“, schlussfolgert die Elternvertreterin und greift zu drastischen Mitteln. „Das hier ist ein Hilfeschrei!“, schreibt sie.
Der Bus-Bahn-Bus-Verkehr
Eigentlich habe das Nahverkehrskonzept bis dato immer gut funktioniert zwischen Donaueschingen und den Wutachgemeinden mit den Ortsteilen Ewattingen, Lembach, Münchingen, aber auch Mundelfingen oder Döggingen. 2019 aber wurde umgestellt, vom reinen Busverkehr auf einen „Bus-Bahn-Bus-Verkehr“. Und damit nahm das Grauen für viele Schüler offenbar seinen Lauf: Umstiege, die nicht funktionieren. Schüler, die damit den Start der ersten Schulstunde verpassen – nicht auszudenken, wenn gerade dann auch noch Klausuren geschrieben werden.
Beinahe täglich Frust
„Seit Monaten gibt es kaum einen Morgen, an dem nicht Eltern die Kinder am Umstiegs-Bahnhof Döggingen wieder aufgabeln und in die Schule fahren müssen“, so Ramona Vogelbacher. Kinder, die ans Fürstenberg-Gymnasium müssten, kämen „meist“ nicht mit der regulären Verbindung an, wenn aufgrund der sehr häufigen Zugausfälle mal wieder ein Schienenersatzverkehr angesagt sei. „Dann sind die Kinder im Alter von zehn Jahren aufwärts damit überfordert. Oft stehen sie stundenlang am Gleis an einem Bahnhof ohne Personal und wissen nicht, wie sich richtig verhalten.“ Glück hat da, wer den Ersatzbus erwischt – dumm nur, dass die Schüler mit ihm erst um 8.20 in der Schule eintreffen, wenn das Gros der ersten, um 7.55 Uhr beginnenden Schulstunde längst gelaufen ist.
Die leidgeprüften Eltern indes zeigten sich erfinderisch. Viele legten ihren Arbeitsweg schon so, dass sie die Kinder selbst befördern könnten. Manche, so die Schilderung, fahren ihre Kinder auch nach Hausen vor Wald, „weil dort die Buslinie 910 zuverlässig und ohne Umstieg nach Donaueschingen fährt“.
Eltern legen drauf
Der Unmut ist riesig – kein Wunder: Eltern bezahlen nicht nur den Monatspreis fürs ÖPNV-Ticket, sondern damit auch noch viel Sprit – „von Zeit und Nerven nicht zu reden“.
Beinahe ungläubig registrierte Vogelbacher die Information aus dem Nahverkehrsamt des Landratsamtes, wonach bei der Beförderung von täglich 10 000 Schülern „verschwindend wenig Probleme bestehen“ würden. „Das sehe ich nicht so“, stellt sie klar, denn eine Region wie das Wutachtal sei hier klar benachteiligt. Manche Eltern schickten aus diesem Grund sogar ein gymnasiales Kind lieber auf eine besser erreichbare Realschule.
Dass der neue Zweckverband mit dem Move-Tarif über drei Landkreise ein großer Wurf sei, räumt die Elternbeiratsvorsitzende ein – Eltern aber würden darauf gerne verzichten, „wenn die Schülerbeförderung zuverlässig und reibungslos funktioniert“, gibt sie zu bedenken und kann sich einen Seitenhieb auf die dem Plan hinterher hinkende Organisationsstruktur nicht verkneifen: Die neuen Fahrkarten an die Abo-Inhaber wurden nämlich noch immer nicht ausgegeben, „ja sogar die Lastschriften konnten sei Januar nicht eingezogen werden“.
Was die Elternbeiratsvorsitzende jetzt fordert
Bereits Ende November adressierte Vogelbacher einen Beschwerdebrief ans Landratsamt mit einer Bündelung der Probleme, Ende Februar legte sie noch einmal nach und listete die Probleme detailliert auf.
„So ungern Sie es hören mögen, aber ich sehe hier keine andere Möglichkeit, als die Rückkehr zum reinen und direkten Busverkehr“, fasst sie ihre Forderung in Worte – eindrucksvoll untermauert mit Zitaten aufgebrachter Eltern und einer langen Liste der Dokumentation der Bus-Probleme. Einträge wie „Bus kam nicht“ oder „Zug kommt nicht“ sind hier in Serie gegangen.
Stimmen der Eltern
Deutliche Worte
verliert beispielsweise eine Mutter: „Es kotzt mich granatenmäßig an, ich bin Krankenschwester am Klinikum und gehe zum Schaffen, egal wie, mit Kopf unter dem Arm oder wenn jemand ausfällt, wird länger gearbeitet oder aus dem ’Frei’ geholt, wir können die verd... Kranken schließlich nicht liegen lassen – aber diese sch.... Bahn, ständige Streiks und sonstige Ausfälle, einfach nicht kommen, niemand erfährt es rechtzeitig – Kinder sind schließlich unwichtig – ich bin stinkesauer und eigentlich hätte ich gerne mein Spritgeld zurück!“
Leidgeprüft
meldet sich ein anderer Elternteil zu Wort: „Habe heute Morgen ein Auto voller Kinder geladen und eine komplette Stunde Zeit verdaddelt – das ganze ist vor ein paar Wochen schon einmal passiert, da hatte ich nur diese Liste hier noch nicht....und es hat ein anderes Elternteil zum Glück mein Kind (Klasse 5) mitgenommen....“
Regelmäßig den Busfahrer
macht dieser Vater „für frierende fremde Kinder“: „Da immer wieder Züge von Freiburg her ausfallen und die Zubringerbusse dann leer unterwegs sind, hätte ich einen Vorschlag: Wenn der Bus von Ewattingen bei Zugausfall anstelle von Döggingen nach Hausen vor Wald fahren würde, dann kämen die Schüler in die Schule.“