Butterbrezeln, Spätzle, Knödel, das Laguna und noch viel mehr lernen französische Gastschüler bei einem Austauschaufenthalt in Weil am Rhein kennen und lieben.
„Mhm, Brezeln“!“ – das typisch deutsche Gebäck findet beim Empfang der französischen Gastschüler aus der französischen Stadt Buc großen Anklang, ebenso Apfelschorle, selbst gemixt aus Sprudel und Saft.
Anders als die prächtigen, goldgelben, „deutschen“ Croissants übrigens. Die lassen die französischen Jugendlichen glatt liegen.
Ein reiches Frühstücksbüffet ist für die „Cinqième“ des Deutsch-Französischen Gymnasiums in Buc bei Versailles gerichtet. Der Blick – leider nebelverhangen – reicht über die Dächer der Stadt Weil am Rhein, in die umliegenden Reben, und Richtung Westen auch ins nahe gelegene Frankreich.
Bürgermeister Lorenz Wehrle begrüßt die Schulklasse und die drei begleitenden Lehrer und gibt launig Einblick in seine Rolle als Bürgermeister, die er seit rund zwei Jahren innehat. Es mache Spaß, bei Gelegenheiten wie dieser „die richtigen Worte zu wählen“ und die Stadt nach außen würdig zu vertreten, antwortet er einem Jungen auf die Frage, wie es denn sei, Bürgermeister zu sein.
Die Schüler revanchieren sich für die Einladung ins Rathaus mit einer Gesangsdarbietung: Feierlich erklingen Beethovens „Ode an die Freude“, dann die deutsche, zuletzt die französische Nationalhymne.
Nationalhymnen beider Länder sind den Gastschülern vertraut
Diese sind den Schülern sichtlich ganz vertraut: „Zu den Waffen, Bürger“ – mit ihrem fröhlichen Lachen entschärfen die Siebtklässler zum Glück den stellenweise recht kriegerischen Text. Ein freudiges „Ahh“ geht durch die Reihen, als Bürgermeister Wehrle sie für ihren Vortrag lobt.
Lange Zeit befand sich in Buc, südwestlich von Paris gelegen, das einzige deutsch-französische Gymnasium in Frankreich. In Deutschland gibt es solche in Saarbrücken, Freiburg und Hamburg. Mittlerweile ist auf französischer Seite in Straßburg noch ein weiteres dazugekommen.
Wurzeln des Austauschs liegen im Élysée-Vertrag
Die Gründung der ersten deutsch-französischen Gymnasien geht auf den Élysée-Vertrag zurück, in dem die beiden benachbarten Länder sich 1963, 18 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, sich ihrer gegenseitigen Freundschaft versichert haben.
Der Austausch der französischen Deutschschüler mit der 3-Länder-Stadt Weil am Rhein kann auch schon auf eine lange Tradition zurückblicken. Seit vielen Jahren sind Schüler aus Buc bei Schülern des Kant-Gymnasiums zu Gast und umgekehrt.
Aus den Schülerbegegnungen haben sich vielfach auch langjährige Freundschaften entwickelt. Denn bei den meisten Teilnehmern des Austauschs bleibt es nicht bei einer Begegnung. Die Schüler auf beiden Seiten kehren oft nochmals für einen längeren Aufenthalt in ihre Gastfamilien zurück, wie Bettina Ries-Clerc, welche die Gruppe zum zweiten Mal von französischer Seite her begleitet, anmerkt.
Jedes Jahr am 3. Oktober wird in Buc gefeiert
Die drei Lieder vom Anfang seien jedem Schüler des Deutsch-Französischen Gymnasiums in Buc bekannt, sagt die in Frankreich wohnende Deutsche. Als Tochter eines EU-Beamten ist sie unter anderem in Luxemburg und Brüssel groß geworden, die französische Sprache ist ihr von Kindesbeinen an vertraut. Immer am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, versammle sich die Schulgemeinschaft in Buc, um die drei Hymnen zu singen.
Neue Grundschule für deutsche und französische Kinder
Sie stehen symbolisch für die binational-europäische DNA dieser Schule, zu der seit Neuestem auch eine deutsch-französische Grundschule mit einem eigenen Lehrplan gehört. Für die beiden Länder mit ihren sehr verschiedenen Schulsystemen sei das eine absolute Besonderheit, unterstreicht Ries-Clerc, die eine der Initiatorinnen ist.
In den kommenden Tagen stehen bei den Schülern noch der Besuch des Dreiländermuseums in Lörrach und ein Ausflug nach Basel auf dem Programm. Ihr Aufenthalt im Dreiländereck hat gerade erst begonnen. Besonders beeindruckt seien die Schüler im vergangenen Jahr aber von der herzlichen Weiler Gastfreundschaft gewesen, berichtet die sie begleitende Lehrerin.
Gesellschaftsspiele sind ein deutsches „Highlight“
Gerichte, die sie bisher nicht kannten – Spätzle, Knödel – , Gesellschaftsspiele mit den Gastfamilien, und als Höhepunkt ein Besuch im Laguna seien vielen in bester Erinnerung geblieben.
Und: Die französischen Schüler beneideten die deutschen um ihre Freiheit. Damit ist die Freizeit an den Nachmittagen gemeint. Für die Schüler aus Buc endet jeder Schultag erst um fünf Uhr.