18 Schüler besuchen mit ihren beiden Lehrerinnen die USA, im Hintergrund die Skyline von Chicago. Foto: Schule

18 Jugendliche des Hechinger Gymnasiums nahmen an einem Schüleraustausch mit den USA teil. Darüber berichten die Schüler Linus Neumann und Felix Heine.

Der 17-tägige Austausch für die 18 Schüler der Klassen 10 und 11 begann in Chicago: „Mit Bildern aus Filmen und Büchern im Kopf erreichten wir Chicago. Der erste Eindruck traf uns sofort: Als wir nach langem Flug und sieben Stunden Jetlag die U-Bahn verließen, standen wir plötzlich zwischen hohen Wolkenkratzern, breiten Straßen, gigantischen Trucks und riesigen Supermärkten. Das Lebensgefühl, das wir nur aus Erzählungen kannten, war nun greifbar.

 

Die Stadt begeisterte uns in ihren warmen Herbstfarben, in der Mischung aus moderner Architektur, industriellen Vierteln und grünen Oasen. Ob Spaziergänge durch die Innenstadt, der Blick über den Lake Michigan, das Essen, die Museen oder die Begegnungen mit den offenen Menschen – Chicago zog uns in seinen Bann. Wir verliebten uns ein wenig in diese Windy City, in ihre Straßen, ihre Kunst und ihre Atmosphäre.

Der nächste Abschnitt unserer Reise führte uns nach Norman in Oklahoma – ein drastischer Kontrast. Anstelle urbanen Glanzes erwartete uns hier die Lebenswirklichkeit eines wirtschaftlich schwachen Südstaats. Doch gerade dort lernten wir die amerikanische Realität auf eine Weise kennen, die uns prägen sollte.

Sportanlagen für nahezu jede Disziplin

Unsere Gastfamilien nahmen uns warm auf, und aus Fremden wurde schnell so etwas wie Familie. Schon am ersten Abend und am nächsten Morgen tauchten wir in ihren Alltag ein und lernten die Norman North High School kennen – ein riesiger Komplex mit Football-Stadion, Konzertsaal und Sportanlagen für nahezu jede Disziplin.

Auch im Inneren entsprach die Schule genau dem Bild, das wir mit amerikanischen High Schools verbanden: lange Hallways voller Schülerinnen und Schüler, staatlich gestellte MacBooks, individuell dekorierte Klassenräume, ungewöhnliche Fächer wie Astronomie oder Zoologie und ein vielfältiges AG-Angebot. Besonders eindrucksvoll waren die Football-Spiele, die mit Cheerleadern, Halftime-Shows und der beeindruckenden Marching Band richtige Großereignisse waren.

Reichtum und bittere Armut

Doch lernten wir auch die Schattenseiten kennen: ein Schulsystem, das stark auf Leistung und Wettbewerb setzt, große soziale Unterschiede, überfüllte Flure und der ständige Hintergrund von Sicherheitsängsten.

Außerhalb der Schule führten uns Exkursionen in Museen und Gedenkstätten, in Nationalparks und Städte wie Tulsa oder Oklahoma City tief in die Geschichte des Staats – geprägt von der Vertreibung der Native Americans und tragischen Ereignissen der Moderne. Unsere Gastfamilien zeigten uns eine Alltagswirklichkeit, die stärker auseinanderklafft als in Deutschland: großer Reichtum neben bitterer Armut, prächtige Häuser neben winzigen Bungalows, Menschen, die kaum genug für Lebensmittel hatten, besonders während des amerikanischen Shutdowns.

Trotz dieser Gegensätze lernten wir Menschen kennen, die uns mit ihrer Herzlichkeit, Offenheit und Lebensfreude tief berührten. Abschiede von Gastfamilien, Mitschülern und Freunden fielen schwer und hinterließen das Gefühl, eine zweite Heimat gefunden zu haben.

Wir kehrten verändert zurück. Und wir sagen: Bis bald, American friends – wir sehen uns im Juni!“