Kurz vor dem Abitur die Schule schmeißen, um ein Handwerk zu erlernen? Genau das hat der Sulzer Torben Steinwand gemacht und es nicht bereut. Nun ist der Schreiner-Geselle auch noch Innungssieger geworden.
„Wenn die Pandemie nicht gewesen wäre, wäre alles vielleicht ganz anders gekommen“, sagt Torben Steinwand. So aber fand sich der 21-Jährige zu Hause im Online-Unterricht wieder, beschloss, dass das nichts für ihn ist, und verließ das Sulzer Albeck-Gymnasium nach der zwölften Klasse – ein Jahr vor seinem Abitur.
Daraufhin begann er bei der Firma „Blocher – Küchen und feiner Innenausbau“ in Sigmarswangen, die er im Rahmen eines Praktikums und eines Ferienjobs kennengelernt hatte und die einen Auszubildenden suchten, seine Schreinerlehre.
Vitrine für die Ecke
Im Juli hat er diese abgeschlossen und wurde nun sogar Innungssieger des Schreinerhandwerks im Kreis Rottweil unter rund 20 Lehrlingen. Er hatte nicht nur die beste Theorienote, sondern konnte auch eine der besten Arbeitsproben vorweisen.
Der schulische Teil der Ausbildung sei ihm recht leicht gefallen, sagt Steinwand. Im praktischen Prüfungsteil habe er derweil viel davon profitiert, dass er im ersten Lehrjahr sehr viel Zeit in der Werkstatt verbracht habe. Neben einem vorgegebenen Auftragsstück, das er innerhalb von sieben Stunden fertigen musste, punktete Steinwand auch mit seinem Gesellenstück.
Dabei handelt es sich um eine Eckvitrine, die nun im heimischen Esszimmer einen Platz gefunden hat und sich zu zwei Seiten öffnen lässt. Steinwands Idee war angesichts dessen, dass man meist Dinge in die Zimmerecke stellte, die nicht unbedingt dafür gedacht waren, ein Möbelstück zu bauen, das sich perfekt in die Ecke einfügt.
Wie geht es weiter?
Seinen Gesellenbrief erhält Steinwand am 14. Oktober. Wie geht es dann für ihn weiter? Bei „Blocher“ ist der Sulzer nicht mehr tätig, wie er berichtet. Das liege allerdings nicht am Unternehmen. Dort habe es ihm sehr gut gefallen.
„Vor allem die Abwechslung fand ich super“, so der 21-Jährige. Mal waren es Möbel fürs Bad, mal für die Küche, mal habe man sie selbst hergestellt, mal eingebaut. „Toll war es, von Anfang bis Ende dabei zu sein und zu sehen, wie mit der eigenen Arbeit aus einem leeren Raum eine fertige Küche entsteht.“ Torben Steinwands besonderes Faible: die Arbeit mit Massivholz mit Wuchsfehlern und Astlöchern beispielsweise.
Nach seiner abgeschlossenen Ausbildung war der Sulzer erst einmal auf einem längeren Urlaub in den USA. Mittlerweile studiert er Bauingenieurswesen in Stuttgart. Nicht der typische nächste Schritt nach einer Schreinerlehre, wie er zugibt. „Aber ich wollte schon immer gern etwas Technisches machen.“
40-Stunden-Woche für viele unattraktiv
Bei „Blocher“ hätte Torben Steinwand auch noch den Schreiner-Meister machen können, aber er entschied sich, das Studium zuerst in Angriff zu nehmen. Nachwuchs sei im Handwerk natürlich stark gefragt. Schließlich würden die Lehrlinge immer weniger. Vor ein paar Jahren habe es noch zwei bis drei Klassen mit 40 bis 45 Lehrlingen gegeben. Nun sei es deutlich weniger, so Steinwand.
Er vermutet, dass das unter anderem am Verdienst liegt. Außerdem sei die Arbeit körperlich sehr fordernd, denn man müsse unter anderem schwere Arbeitsplatten schleppen. Aber auch eine 40-Stunden-Woche, in der man auch am Freitag bis 16 Uhr arbeiten müsse, sei mittlerweile für viele junge Menschen unattraktiv. Torben Steinwand hat das nichts ausgemacht. Er hat seine Wahl nie bereut. „Mir hat der Schreiner-Beruf Spaß gemacht.“