Die Kursteilnehmerinnen malen an der 32 Quadratmeter großen Leinwand. Ulrich Bauknecht (von links) und Romana Glunk halten sich im Hintergrund. Foto: Rahmann

Das diesjährige Motto des Schramberger Zunftballs heißt "Der König der Löwen". Auf dem Bühnenbild für den Bärensaal werden dabei auch Sulgener und Schramberger Symbole aufgegriffen.

Schramberg - "Der Löwe kommt nach Schramberg", sagt Ulrich Bauknecht, Obernarr und langjähriger Elferrat der Narrenzunft sowie "Szene-64"-Vorsitzender, mit Blick auf die vier mal acht Meter große Leinwand, die im Atelier der "Szene 64" gerade von sechs Künstlerinnen bemalt wird. Einige von ihnen stehen auf Leitern, andere reichen Farbe, wiederum andere betrachten das Gesamtwerk mit ein paar Metern Abstand. "Das ist viel besser so", sagt eine der Betrachterinnen. "Hast du mal rot?", ist von der Seite zu hören. Das Bühnenbild für den Zunftball im Bärensaal ist im Entstehen.

So viel sei verraten: Passend zum Motto sind mitten auf der Leinwand der große Mufasa und der kleine Simba vor einer großen Sonne abgebildet. Rechts und links sind der Sulgener Wasserturm und die Hohenschramberg zu sehen. Ein lichtdurchfluteter Himmel – von zitronengelb bis feuerrot – verbindet das Gesamtbild miteinander. Die "Dramatik" einer afrikanischen Steppe "gepaart mit Sulgener und Schramberger Highlights", fasst die Anleiterin des Bühnenbildmalens Romana Glunk das angestrebte Motiv zusammen.

Tradition handgemalter Bühnenbilder

Beim Schramberger Zunftball hat es "schon immer Tradition, dass es ein handgemaltes Bühnenbild gibt", so Bauknecht. Als Georg Bücheler, der 2020 noch das Bühnenbild anfertigte und insgesamt diese Aufgabe ein gutes Jahrzehnt übernommen hatte, starb, ging Bauknecht auf die Suche nach einem Künstler. So kam er auf Romana Glunk zu, die zusammen mit Anne Hess jeden Montagabend in der "Szene 64" eine Malschule mit dem Namen "Offenes Atelier" leitet.

"Ein Bühnenbild ist mal etwas ganz anderes für die Teilnehmerinnen, die nicht alle Tage die Chance haben, so eine Riesenleinwand zu bemalen", sagt Glunk. Mit großen breiten Pinseln zu arbeiten und durch die Farbgebung eine Struktur in den Hintergrund zu bekommen, sei "auch eine Lehrstunde" für die Künstlerinnen. Zudem gehen sie über das Bemalen der Leinwand mit ihrer Kunst in die Öffentlichkeit.

Vom Kleinen ins Große übertragen

Glunk hatte die Motive mit schwarzen Linien vorgezeichnet – sonst wäre es zu viel Arbeit für einen Abend für das Team geworden. Bei der farblichen Ausgestaltung hält sich die Dozentin jedoch im Hintergrund. "Für mich ist es interessant zu beobachten", wie ihre Kursteilnehmerinnen sich an das Riesenbild heranwagen, so Glunk.

Die Amateur-Bühnenmalerinnen, die zu einem großen Teil schon drei Jahre in ihrem Kurs sind, hat sie je nach Fähigkeiten eingeteilt. Jene, die einen Blick für die Wirkung von Farben haben und diese auch abmischen können, sind für die Gestaltung des Hintergrunds zuständig. Die Künstlerinnen, die realitätsgetreues Malen beherrschen, kümmern sich um das Figürliche wie beispielsweise die beiden Löwen. Löwen, Wasserturm und Burg sind in kleiner Variante als Vorlagen auf einem Din-A-4-Papier ausgedruckt – die Künstlerinnen müssen das Motiv vom Kleinen ins Große übertragen.

Acht Kilogramm weiße Farbe

Wie stark sie sich an die Vorlagen halten, bleibt ihnen überlassen – da gibt es viel miteinander zu besprechen und auszudiskutieren. Soll die Sonne eine gerade, eine unregelmäßige oder verwischte Kante am Rand bekommen? Die Frauen einigen sich auf eine gerade Kante – das erzeugt den größten Effekt auf der Bühne.

Die Leinwand für das Bühnenbild ist so riesig, dass sie gar nicht voll ausgebreitet an der Wand in dem denkmalgeschützten Gebäude in der Geißhalde hängen kann und teilweise aufgerollt werden musste. Wenn das Zentrum der Leinwand fertig ist, breiten die Künstlerinnen diese in voller Größe auf zusammengestellten Tischen aus, um die Ränder fertigzumalen. Die 32 Quadratmeter große Leinwand musste vorab mit acht Kilogramm weißer Farbe grundiert werden, sagt Bauknecht.

Große Mengen Farbe mischen

Die Malerinnen kommen schnell voran. Das "Wissen, wie man die Farbe mischt" haben sie sich schließlich schon im Offenen Atelier angeeignet, betont eine Teilnehmerin. Schwierig sei lediglich, in so großen Mengen "genügend gleiche Farbe zu mischen" ergänzt eine andere. Für die Teilnehmerinnen, die sich mit dem großen Projekt scheinbar in die Höhle des Löwen gewagt haben, ist der Löwenanteil nun allerdings geschafft – und der Zunftball kann kommen.