André Alesi ist Gesundheitswissenschaftler, Schlafexperte und Unternehmer Foto: Alesi

Schlafmangel ist für viele Alltag – nicht nur zur Fasnet. Schlafexperte André Alesi aus Schramberg erklärt, warum Powernaps wirken, was Schlafprobleme auslöst und was wirklich hilft.

Über die Fasnet zu wenig Schlaf abzubekommen, kann’s schon mal geben. Manche Menschen hingegen plagen sich aber das ganze Jahr über mit Schlafmangel und -problemen. Wir haben mit Schrambergs Schlafexperten Andé Alesi über Powernap und Qualitätsschlaf gesprochen.

 

Warum wird Schlaf noch immer unterschätzt, obwohl er eine zentrale Säule der Gesundheit ist?

Schlaf ist lebensnotwendig, wird aber oft nicht als produktiv wahrgenommen. In einer Leistungsgesellschaft, die Aktivität, Kontrolle und Effizienz belohnt, passt Schlaf schlecht in das gängige Erfolgsverständnis. Müdigkeit wird häufig ignoriert oder als Schwäche interpretiert, obwohl sie ein biologisches Warnsignal ist. Die Schlafforschung zeigt heute sehr klar, dass Schlaf kein passiver Zustand ist, sondern ein hochaktiver Regenerationsprozess für Gehirn, Immunsystem und Stoffwechsel.

Warum sind manche Menschen nach dem Mittagsschläfchen entweder total fit oder total k.o.?

Das hängt vor allem von der Dauer des Schlafs, vom Zeitpunkt und von der individuellen Schlafbiologie ab. Kurze Nickerchen von etwa zehn bis zwanzig Minuten können erfrischend wirken. Dauert der Schlaf länger, gelangt man leichter in tiefere Schlafphasen. Das kann zu ausgeprägter Schlafträgheit führen. Auch die Qualität des Nachtschlafs spielt dabei eine wichtige Rolle.

Viele Menschen über 60 klagen über Ein- und Durchschlafprobleme.

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Schlafstruktur. Der Tiefschlaf nimmt ab, der Schlaf wird leichter und störanfälliger. Zusätzlich verändern sich Hormonhaushalt, Tagesstruktur und körperliche Aktivität. Diese Veränderungen sind zunächst normal. Problematisch wird es dann, wenn Sorgen, Grübeln oder eine zunehmende Anspannung gegenüber der Nacht entstehen und den Schlaf belasten.

Mit welchen Schlafproblemen kommen die Menschen am häufigsten zu Ihnen?

Am häufigsten sind Ein und Durchschlafstörungen, die häufig mit Stress, Grübeln oder hoher beruflicher Belastung einhergehen. Viele Menschen berichten zudem von nicht erholsamem Schlaf, obwohl sie ausreichend lange im Bett liegen. Darüber hinaus spielt auch die obstruktive Schlafapnoe eine wichtige Rolle. Sie bleibt häufig lange unentdeckt und äußert sich unter anderem durch nächtliche Atemaussetzer, lautes Schnarchen und ausgeprägte Tagesmüdigkeit.

Gibt es regionale Besonderheiten im Schlafverhalten?

In Regionen mit stark ausgeprägtem Leistungsdenken fällt auf, dass Menschen sehr lange durchhalten, bevor sie Unterstützung suchen. Schlafprobleme werden häufig bagatellisiert oder als vorübergehende Phase abgetan. Gleichzeitig ist die Offenheit für Prävention hoch, sobald Schlaf als Teil ganzheitlicher Gesundheit verstanden wird. Schlafgesundheit ist auch eine zentrale Aufgabe im betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Welchen Rat würden Sie Menschen für besseren Schlaf mitgeben?

Guter Schlaf beginnt am Morgen und folgt vier zentralen Prinzipien, die ich als QQRT zusammenfasse: Qualität, Quantität, Rhythmus und Timing. Tageslicht und Bewegung am Vormittag verbessern die Schlafqualität und stabilisieren die innere Uhr. Eine ausreichende Schlafdauer sorgt für die notwendige Quantität. Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus stärkt biologische Stabilität. Entscheidend ist zudem das Timing, das sich am individuellen Chronotyp orientiert. Gemeint ist damit, wann wir schlafen, uns bewegen, essen oder Licht ausgesetzt sind. Je besser Alltag und innere Uhr aufeinander abgestimmt sind, desto erholsamer ist der Schlaf. Gleichzeitig ist es wichtig, nachts freundlich mit sich selbst umzugehen. Schlaf lässt sich nicht erzwingen und sollte kein Leistungsziel sein.

Zur Person

André Alesi
gründete 2015 das Institut für Schlaf und Regeneration. Ziel ist es, die Bedeutung von Schlaf für Gesundheit und Leistungsfähigkeit stärker in Gesellschaft und Arbeitswelt zu verankern. Er führt gemeinsam mit seiner Frau Jessica seit 20 Jahren das Bettenhaus Alesi in der Schramberger Bahnhofstraße.