Peter Renz auf seinem "Orientexpress" im Teppichverkaufslager in der Majolika. Foto: Fritsche

Mehrfach hat er es in den vergangenen Jahren vergeblich versucht – jetzt allerdings will Peter Renz endgültig seiner Passion, dem Teppichhandel, Lebewohl sagen, mit 80 Jahren und aus gesundheitlichen Gründen.

Schramberg - 1970 hatte Peter Renz die Raumausstattungsfirma seines Vaters in der Oberndorfer Straße übernommen. Sein Großvater Peter hat das Geschäft 1859 gegründet. Im Juli diesen Jahres will Renz sein Teppich-Direktimportlager im Majolika Firmenpark schließen und mit dem Orientteppichhandel endgültig aufhören. Am Montag 14. Juni startet unter den geltenden Corona-Hygienebedingungen der bis zum 12. Juli dauernde Totalausverkauf.

Nach aufeinanderfolgenden Standorten am Rathausplatz, H.A.U. und der Hauptstraße setzt die Majolika jetzt den Schlusspunkt unter einer lange Erfolgsgeschichte. "Ein Ära endet – nach bald 130 Jahren", erklärte Renz beim Gespräch mit unserer Zeitung inmitten seiner "Teppichschätze" in den Ausstellungsräumen in der Majolika. Entsprechend der Bedeutung hat er ein regelrechtes Feuerwerk an Werbung gezündet: Ein Hochglanzkatalog, vier großformatige über die Tageszeitung oder direkt in die Briefkästen nacheinander verteilte Beilagen, sich jede Woche von der Aussage her steigernd, dazu große auffallende Werbeplakate in der Stadt und am Eingang zum Teppichlager von der Bahnhofstraße her. Schon im Dezember 2020 hatte er die Verkaufsaktion machen wollen und alles dafür organisiert: Der Lockdown machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

"Jetzt bin ich alt! Jetzt bin ich raus!"

In fast brutaler Offenheit textet er jetzt auf dem Katalog und den großformatigen Werbebeilagen: "Jetzt bin ich 80! Jetzt bin ich alt! Jetzt bin ich raus!". Und als Kleingedrucktes: "Im Zweifel fragen Sie meine Frau oder meinen Hausarzt". Ein eindringliches Versprechen, das er nicht nur den Schrambergern gibt, sondern das auch wie ein Appell an ihn selbst wirkt, den Entschluss jetzt umzusetzen. Jedenfalls an die Seite von ihm, die sich unverbrüchlich einem Leben für den Orientteppich verschrieben hat: "Eine Leidenschaft und Erfüllung für mich".

Mehrmals schon hat er aufhören wollen, um dann wieder in neuer Form zu seinen Orientteppichen zurückzukehren. Eine Erwähnung bei den Auftritten des Alternativen Elferrats am Schmotzigen Donnerstag im Gasthaus Schraivogel war ihm fast immer sicher. Manche wollten sein Arbeitsleben nach 65 nicht verstehen, doch viele honorierten seinen Arbeitswillen und sein Engagement mit Zuspruch und Lob. Er ging erfolgreich und beharrlich seinen Weg bis heute, dank seiner treuen Mitarbeiter und seiner Frau.

Doch diesmal könnte es Ernst werden: Sein Importlager in Hamburg und sein Großhandelslager in Embrach bei Zürich hat er aufgelöst: Alle Orientteppiche sind jetzt in Schramberg versammelt. "Mein Entschluss steht endgültig fest: Jetzt höre ich auf. Denn nach einem harten Arbeitsleben von über 55 Jahren spielt auch die Gesundheit nicht mehr mit", hat er an seine Stammkunden geschrieben und wiederholt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Das findet in mitten der zahllosen handgeknüpften Teppiche der weiträumigen Ausstellungsräume statt, ein Fest an Farben, bildlichen Elementen und Ornamenten, alle Orientteppiche von ihm sind direkt in den Basaren und Knüpfwerkstätten gekauft und importiert, viele davon Unikate.

Wandelgang unter Glas bringt besonderes Licht

Für Renz ist sein Geschäft eines der "größten und schönsten Orientteppich-Fachgeschäft in Deutschland", in dem traditionelle und moderne Teppiche für das junge Publikum und moderne Häuser Platz nebeneinander finden. Wo man den Teppich sogar im überglasten Wandelgang, wie in einem orientalischen Bazar, ins Tageslicht legen kann, um die Farbwirkung zu begutachten. "Teppichkollegen" aus verschiedenen Regionen Deutschlands, die von ihm gelernt haben und ihm dankbar sind, werden sich zusammen mit ihm und seiner Frau Ute um den zu erwartenden Ansturm an Interessenten und Käufern kümmern. Sicher werden diese Tage nicht einfach für die beiden.

"Teppiche tragen Trauer", deklamiert Renz. Aber es gefällt ihm, dass sein Finale in eine Phase fällt, in der "Qualitätsteppiche ein Revival haben".

Dass Peter Renz es wirklich ohne seine Orientteppiche aushält, kann man sich nach all den Jahren eigentlich nicht vorstellen. Sicher wird er einen Weg finden, sich weiter damit zu beschäftigen. Und wenn es nur seine Tätigkeit als öffentlich bestellter und von der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald- Baar-Heuberg vereidigter Sachverständiger sein wird. Auf jeden Fall will er mit seiner Frau Ute in Schramberg bleiben: "Auch wenn die gemeinsame Arbeit hier endet".

Kommentar

Er wird und wurde bewundert, beneidet, aber auch ob mehrfacher Ankündigungen "jetzt Schluss" zu machen, belächelt. Nach jedem Aufhören ging es bislang nämlich doch weiter – meist in anderer Form und Weise, aber Teppiche gab es immer wieder zu kaufen. Man kann hinter diesen Schachzügen von Peter Renz eine Marketingstrategie vermuten. Sicherlich Marketing und Eigenpräsentation waren schon immer Teil seines erfolgreichen Verkaufskonzepts, aber eines ist sicher: Antriebsfeder war, –er konnte es einfach nicht lassen, das Geschäft mit und um die Teppiche. Für die Stadt und den Einzelhandel in Schramberg war dies bislang ein Glücksfall. Jetzt einen solchen Magneten, der Kunden und bei früheren Ausstellungen zudem Besucher von weit her in die Stadt brachte, zu verlieren, ist bedauernswert. Da kommt schon etwas Wehmut auf.

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