Angela Arcadi lässt Vögeln und Insekten mit „wilden Ecken“ in ihrem Naturgarten wertvollen Lebensraum. Foto: Fritsche

Warum die Hobbygärtner den Rasenmäher im Mai noch stehen lassen sollten, erklärt die Schramberger Naturgärtnerin Angela Arcadi.

In den Gärten hat sich inzwischen eine üppige Blütenpracht entwickelt, während gleichzeitig Sträucher, Hecken und Bäume ihre Blätter voll entfalten, Gras und Rasen in die Höhe schießen. „Doch wer im Mai schon zum Rasenmäher oder zur Schere greift, schadet oft mehr, als er nützt“ , warnte die Schramberger Naturgärtnerin und Kräuterpädagogin Angela Arcadi beim Termin mit unserer Redaktion in ihrem Garten.

 

Allzu häufig würden dann Bäume, Hecken, Stauden und Gras von den Hobbygärtnern im Eifer des Frühjahrsputzes radikal geschnitten. Dabei würden nicht nur alte Blätter und abgestorbene Pflanzenteile entfernt, sondern auch wichtige Lebensräume für Wildtiere und Insekten zerstört. „Diese sind jedoch für das ökologische Gleichgewicht im Garten unverzichtbar.“

„Wilde Ecken“

Wildgehölze, Hecken und eine bewusste Pflanzenauswahl förderten die Artenvielfalt. Sie böten Rückzugsorte und Nahrung für Insekten, Vögel und Kleintiere.

Selbst sogenannte „Unkräuter“ wie Brennnesseln, Giersch oder Löwenzahn seien wertvolle Lebensgrundlagen für viele Schmetterlings- und Vogelarten. „Wilde Ecken im Naturgarten bieten Lebensraum für Vögel und Insekten“, betonte Arcadi. Gerade im Mai schlüpften viele Insekten, die auf heimische Wildblumen angewiesen seien. Bestäuber wie Hummeln, Schmetterlinge, die seltene Mai-Langhornbiene oder die große Holzbiene fänden in den blühenden Wiesen ihre Nahrung. Laufkäfer, Heuschrecken und Raupen tummelten sich im hohen Gras, fänden kleine Spinnentiere, Heuschrecken, Raupen und Larven und böten selbst wiederum Futter für Vögel und Igel.

Mähfreier Mai

„Verschwindet eine Pflanzenart, so verschwinden in einer Kettenreaktion auch Insekten und Vögel“, mahnte Arcadi. Naturschutzverbände riefen deshalb zum Aktionsmonat „mähfreier Mai“ auf. Eine Idee, die ursprünglich aus England stamme („No Mow May“) und in Deutschland von Initiativen wie „Deutschland summt“ oder „Jede Blüte zählt“ unterstützt werde. Die Botschaft sei: „Lassen Sie den Rasenmäher stehen und gönnen Sie Ihrem Garten eine Pause.“Wer weniger mähe, spare dazu auch Zeit, Energie und schone die Nerven der Nachbarn.

Ein absolutes Tabu ist für Arcadi der pausenlose Einsatz eines Mähroboters. Denn der halte den Rasen dauerhaft kurz und damit gehe naturnaher Lebensraum verloren. Besonders problematisch sei, wenn solche Mähwerkzeuge auch nachts eingesetzt würden. „Für Haus- und Wildtiere, insbesondere für den Igel, kann das tödlich enden. Denn Igel laufen bei Gefahr nicht weg, sondern rollen sich zusammen“, klagte Arcadi.

Wasser für alle

Weniger Mähen und längeres Gras schützten darüber hinaus den Boden vor Austrocknung und sorgten für ein kühleres Mikroklima, gerade in heißen Sommern. An verschiedenen Stellen in ihrem großem Garten hat Arcadi darüber hinaus kleine Wasserstellen eingerichtet oder Gefäße aufgestellt. Steine darin dienen als Landeplatz für Insekten, die Wasser aufnehmen. In Trockenperioden bedienen sich andere Wildtiere wie zum Beispiel Igel oder Eichhörnchen davon. „Ein naturnaher Garten lebt – und das vor allem dann, wenn wir ihn wachsen lassen“, fasste Arcadi am Schluss unserer Besuchs zusammen.