Die Teilnehmer des Besuchs in Wutöschingen Foto: Kasenbacher

Wie kann Schule heute modern gelingen? Diese Frage trieb am vergangenen Freitag 28 Bildungsinteressierte aus Schramberg zur Fahrt zur Alemannenschule Wutöschingen.

Mit dabei in der Runde der Bildungsinteressierten waren 15 Lehrer verschiedener Schularten. Eingeladen hatte die Initiative „Schule Neu – Zukunftslabor für Schrambergs Schulen“, die sich für innovative Bildungsansätze stark macht. Und was die Gruppe in Wutöschingen erlebte, war laut Mitteilung mehr als ein Schulbesuch – es war ein Perspektivwechsel.

 

927 Schüler, begleitet von rund 90 Lehrern, lernen hier von Klasse eins bis 13. Die staatliche Gemeinschaftsschule wurde 2012/13 unter der Leitung von Stefan Ruppaner grundlegend transformiert. Sein provokanter Leitsatz: „Unterricht ist aller Übel Anfang.“

Statt auf Stundenpläne setzt die Schule auf Haltung: gegenseitiger Respekt, Selbstverantwortung und intrinsische Motivation. In Wutöschingen wird Lernen als individueller Prozess verstanden. Lernräume, Lernzeiten und Lernbegleitung sind flexibel gestaltet. Besonders beeindruckte das frei zugängliche Materialnetzwerk – ein digitales System, das selbstorganisiertes Lernen unterstützt und bundesweit Beachtung findet.

Wahl von Bildungsniveaus

Die Alemannenschule versteht sich als „Lerndorf“ – eingebettet in die Gemeinde, mit außerschulischen Lernprojekten und wöchentlichen Feedbackgesprächen zwischen Lernbegleitern und Schülern. Statt Klassenarbeiten zeigen die Kinder ihre Fortschritte durch sogenannte Gelingensnachweise – selbstbestimmt und auf dem gewählten Bildungsniveau.

„Lernen ist wie Essen – wir können die Kinder nicht zwangsernähren. Wir stellen das Büffet bereit, essen müssen sie selbst“, bringt Ruppaner das Konzept auf den Punkt.

Auch Inklusion ist hier selbstverständlich. Besonders die Lehrkräfte der Peter-Meyer-Schule aus Schramberg zeigten sich interessiert an den Möglichkeiten der Selbststeuerung. „Lehrer sind nicht gemacht für Kontrollverlust – aber wir müssen den Mut haben, ihn zuzulassen“, fasste ein Teilnehmer treffend zusammen.

Anstehender Dialog

Zwei Neuntklässlerinnen begleiteten die Gruppe durch den Nachmittag und gaben ehrliche Einblicke in ihren Schulalltag.

Zurück in Schramberg bleibt neben Begeisterung die Frage: Was davon lässt sich in die Schulpraxis hier übertragen? Antworten darauf soll der zweite offene Dialog von „Schule Neu“ am Freitag, 14. November, um 16.30 Uhr im Marienheim liefern. Dort berichten die Teilnehmer von ihren Eindrücken und laden zum Reflektieren ein.