Menschliche Nähe bedeutet auch für den kleinen Hasen purer Stress. Foto: Rebstock/DJV

Wer querfeldein läuft oder Hunde nicht anleint, gefährdet Jungtiere – darauf macht der Schramberger Hegeringleiter aufmerksam.

Die ersten warmen Sonnenstrahlen lockt viele Menschen nach draußen – zum Spazierengehen, Radfahren oder Gassigehen. Gleichzeitig beginnt für Wildtiere die sensibelste Phase des Jahres: die Brut- und Setzzeit. Von Frühjahr bis in den Sommer hinein bringen zahlreiche Arten ihren Nachwuchs zur Welt und ziehen ihn auf. Gerade in den ersten Lebenswochen sind die Jungtiere auf Ruhe und geschützte Rückzugsräume angewiesen.

 

„Viele Jungtiere liegen gut getarnt im hohen Gras, auf Wiesen oder am Waldrand. Sie sind nicht verlassen, sondern warten darauf, dass ihre Mutter zurückkehrt“, erklärt Markus Klausmann. Wer ein Jungtier entdeckt, solle deshalb Abstand halten und sich leise zurückziehen, so der Ratschlag des Schramberger Hegeringleiters.

Markus Klausmann Foto: Zeger

Schon einfache Verhaltensregeln können entscheidend sein: auf den Wegen bleiben, Hunde anleinen und Wildtiere nicht anfassen. „Was gut gemeint ist, kann für die Tiere tödlich enden“, warnt Klausmann. Menschliche Nähe bedeute für den Nachwuchs Stress – und ziehe zudem Fressfeinde an.

Teils bereits im Februar sind die ersten Junghasen zur Welt gekommen. Während die Häsin bei Gefahr fliehen kann, bleibt den Jungtieren nur eine Strategie: Sie drücken sich regungslos und nahezu geruchslos in kleine Mulden im Boden, sogenannte Sassen. Dank ihres braunen Fells sind sie dort kaum zu entdecken. „Ein Schritt ins hohe Gras oder ein freilaufender Hund kann diese Tarnung sofort zunichtemachen“, so Klausmann.

Gefährliche Situation

Auch Wildschweine haben bereits Nachwuchs. Die Bache legt für ihre Frischlinge einen sogenannten Wurfkessel an – ein Nest aus Laub, Gras und Ästen. Dort verbringen die Jungtiere ihre ersten Wochen. Werden sie gestört, kann die Situation gefährlich werden. „Bachen verteidigen ihre Frischlinge sehr energisch. Wer zu nah kommt, bringt nicht nur die Tiere, sondern auch sich selbst in Gefahr“, betont der Jäger.

Jedes Tier zählt

Besonders bedroht ist der Kiebitz. Der Bodenbrüter kehrt im Frühjahr in seine Brutgebiete zurück und legt seine gut getarnten Eier in flache Mulden. Die Nester sind leicht zu übersehen und können schnell zerstört werden.

Nach dem Schlüpfen folgen die Küken ihrer Mutter auf der Suche nach Insekten. „Gerade bei seltenen Arten wie dem Kiebitz zählt jedes einzelne Tier“, sagt Klausmann. Die Überlebensstrategien der Wildtiere funktionieren nur, wenn sie ungestört bleiben. Vielen Menschen sei nicht bewusst, wie schnell sie den Nachwuchs in Gefahr bringen, so Klausmann. „Ein kurzer Ausflug querfeldein oder ein unangeleinter Hund reicht oft schon aus.“