Die Katzenmusik des Höflevereins im Gasthaus „Hammerhäusle“ im Jahr 1951. Foto: Kasenbacher

Alte Fotografien aus den 1950er-Jahren erzählen von ausgelassenen Fasnetsbällen und neuer Lebensfreude.

Schon lange ist das Gasthaus „Hammerhäusle“ der Familie Kohlmann im Stadtteil Höfle Geschichte. 1993 wurde es abgerissen, im Gedächtnis vieler alter Schramberger aber bis heute ein Ort sehr lebendiger Erinnerungen – insbesondere auch der Fasnetsbälle in den 1950er-Jahren, als nach den schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren eine neue Lebensfreude und -lust erwachte.

 

Größte Bürgervereinigung

Die Erinnerung an diese Blütezeit der Fasnet ist auch auf Bildern aus der damaligen Zeit von Fotografenmeister Franz Kasenbacher festgehalten. Vera Weber in Mariazell hat drei solcher Bilder aus dem Jahr 1951 von ihrer Mutter Anni Laufer aufbewahrt, die den Anstoß geben, ihre Geschichte zu erzählen.

Foto: Kasenbacher

Die Gastgeber für den damaligen Hausball des Höflevereins waren die Wirtsleute Max und Emma Kohlmann mit ihrer „Haustochter“ Theresia („Resle“) Kohlmann. Der Höfleverein war damals die größte und aktivste Bürgervereinigung in Schramberg in einem lebendigen Stadtteil, der von der Möbelfabrik Moser und dem Bahnhof geprägt war. Mit einem eigenen „Frauengesangverein“ und einem eigenen „Männergesangverein“ und einigen Einzelakteuren wie Otto Preiß („Preißerkugel“) stellten unter der Regie von Heinrich Wilhelm ein großartiges Programm auf die Beine.

Gäste waren oft als „Alte Weiber“ kostümiert

Das ganze Gasthaus war mit Girlanden und Lampions geschmückt. Sogar im Treppenhaus hingen von der Haustür bis zur Gaststube überall Plakate, die von dem Maler Otto Preiß gestaltet waren. Das Material für die Plakate bekam man aus dem Lager der Papierwarenfabrik Gustav Maier in der ehemaligen Massemühle der Steingutfabrik am Hammergraben. Die Gäste des Hausballs waren oft als „Alte Weiber“ kostümiert oder kamen im „Domino“, einem in Schramberg lange sehr populären und heute weitgehend verschwundenen Kostüm. Geworben wurde für den Hausball in mehreren Lesekästen der Bürgervereinigung im Stadtteil. Außerdem ging der Vereinsbüttel Alois Greiner mit einer Glocke umher und lud die Bürger zu den Veranstaltungen ein. Zum Essen gab es Bratwürste mit Kartoffelsalat, Tellersulzen und verschiedene Wurstsalate, von denen alte Schramberger noch lange schwärmten und von ihren Ehefrauen später zu Hause einen „Hammerhäusler“ bestellten.

„Höfle-Rolle“

Ein Zeitzeuge erinnerte sich noch viele Jahrzehnte später daran, wie brechend voll das Gasthaus bei diesen Hausbällen war – und einige zu spät Kommende trotz bereits geschlossener Tür noch versuchten, durch die Fenster einzusteigen. Und selbstverständlich sorgte eine eigene Katzenmusik unter dem Namen „Höfle-Rolle“ mit selbst gebauten Instrumenten für musikalische Unterhaltung.

In ihrer Tradition beteiligen sich einige Mitglieder der Höflevereinigung Burg Schilteck auch bis heute am Katzenmusikkonzert am Fasnetsmontag.