Gaben den Startschuss zur Ausstellung (von links): Zunftmeister Tobias Dold, Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr, Chefredakteur Stefan Link und Stadtarchivar und Museumsleiter Carsten Kohlmann. Foto: Schönfelder

„D’ Hoorig Katz“ blickt auf 150 Jahre närrische Geschichte zurück. Das Stadtmuseum zeigt aus diesem Anlass eine Ausstellung zur Entwicklung des Schramberger Narrenblättles.

„D’ Hoorig Katz“ ist ein besonderes Tier. Scharfäugig und scharfzüngig schaut sie gerade dann hin, wenn man nicht gesehen werden will, wenn einen das Pech verfolgt oder die Stadtverwaltung einen kleinen Schubser braucht. Humorvoll und hochpolitisch reicht ihr Inhalt von absurd bis peinlich. Sie hat stets Hunger nach neuen Geschichten, die die Leser dann pünktlich zu den Hochtagen der Fasnet in gedruckter Form genießen können. Und sie ist älter, als man denkt.

 

Ohne sie nicht denkbar

Die Fasnet ist ohne „D’ Hoorig Katz“ schlicht nicht denkbar. Zählt man ihre Vorgänger hinzu, blickt diese einmalige närrische Publikation auf ein einzigartiges Jubiläum zurück. Grund genug, ihr eine eigene Ausstellung unter dem Titel „150 Jahre Narrenblättle in Schramberg“ zu widmen, die am Dienstagabend im Stadtmuseum eröffnet wurde. Zahlreiche närrische Prominenz wohnte dem Ereignis bei, wie OBin Dorothee Eisenlohr nach einem Rundblick bei ihrer Begrüßung feststellte. Die Ausstellung sei eine Gelegenheit, den vielen Helfern bei der Gestaltung nicht nur der „Hoorig Katz“, sondern auch dieser Ausstellung zu danken. Besonders zu nennen seien die Familie Würz und das Stadtarchiv. Auch die Verkäufer des Narrenblatts fänden hier eine Würdigung.

Foto: Schönfelder

Zunftmeister Tobias Dold bezeichnete „D’ Hoorig Katz“ – übrigens eines der ersten Worte, die er sprechen konnte – als unverzichtbare Konstante der Schramberger Fasnet. Investigativ und direkt setze sie Impulse und entwickle mitunter nicht ganz ernst gemeinte Visionen für die Zukunft der Stadt. Wie sähe Schramberg wohl aus, wenn all dies umgesetzt worden wäre? Besser? Und: „Wer über die eigene Geschichte in der ‚D’ Hoorig Katz‘ nicht lachen kann, ist kein echter Narr“, stellte Dold fest.

Foto: Schönfelder

In einem launigen, mit Anekdoten gespickten Festvortrag blickte der aktuelle, zugleich langjährige Chefredakteur der „D’ Hoorig Katz“, Stefan Link, als Druckermeister Heinrich Eller auf die Gründerzeiten zurück.

Die Entwicklung

Aus der Taufe gehoben wurde das erste Narrenblatt unter dem Namen „Schramberger Narrenglöckle“ von Fritz Würz im Jahr 1876. Der Inhalt glich von Anfang an der „Katz“ von heute: lustige Geschichten und politische „Anregungen“, trefflich gereimt. 1924 wurde die Publikation in „Schramberger närrische Wahrheit“ umbenannt, um sich nach dem Krieg, 1949, in „D’ Hoorig Katz“ zu verwandeln. Stefan Link steht in einer langen Reihe von Chefredakteuren, die das Narrenblatt jeweils auf ihre Art prägten. Zu nennen sind Oskar Eisele, Helmut Link (Vater von Stefan Link), Franz Egenter, Edgar Reutter sowie – gemeinsam mit Link – Udo Neudeck und Fabian Riesterer. Auch die Drucktechnik entwickelte sich stetig weiter. Existenziell seien jedoch die zahllosen Schwatzbasen und stillen Beobachter, die ihre Beobachtungen an die Redaktion weiterleiteten.

Foto: Schönfelder

Stadtarchivar und Museumsleiter Carsten Kohlmann übernahm die Einführung in die Ausstellung, leistete eine historische Einordnung und würdigte das Narrenblatt als quasi fortlaufendes Dokument der jeweiligen Lebenswelt der Schramberger. Die nahezu lückenlose Sammlung der Exemplare bezeichnete er als Glücksfall.

Rahmenprogramm

Die Ausstellung
ist noch bis zum 22. Februar geöffnet. Bereits zuvor wirft Carsten Kohlmann im Rahmen eines Vortrags mit dem Titel „Närrische Wahrheit unter dem Hakenkreuz“ am Mittwoch, 4. Februar, um 19 Uhr im Stadtmuseum einen Blick auf ein bislang unbeachtetes Kapitel der örtlichen Fasnetsgeschichte.