Die Rauchsäule am Rappenfelsen war noch weit entfernt in der Schramberger Südstadt zu sehen. Foto: G. Wegner

Wald rückt der Bebauung in Schramberg zu dicht auf die Pelle. Experte plädiert für spezielle Löschfahrzeuge.

Schramberg - Vom jüngsten Waldbrand beim Rappenfelsen in Schramberg sieht sich Christophe Neff vom Institut für Geografie und Geoökologie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in seiner Einschätzung bestätigt:

"Ich halte Schramberg für eine der waldbrand-gefährdesten Städte in ganz Baden-Württemberg, und zwar aus der Tatsache heraus, dass die Talstadt sozusagen vom Wald umschlossen ist".

Wenn das mit der trockenen Witterung so weitergehe, dann werde es in der gesamten Raumschaft Schramberg, vor allem in der Talstadt, immer wieder zu Waldbränden kommen. Der Feuerökologe befürchtet:

"Annette Melvin und ihre Kameraden werden viel zu tun haben, wenn die trocken-warme Witterung so anhält"

Schuld seien "Californisationsprozesse" in Schramberg, also die intensive Verzahnung von biomassenreicher Vegetation mit Wohnbebauung. Diese gelten in der Waldbrandforschung als Schreckenszenario bei Waldbränden, weil diese in californisierten Landschaften als schwer beherrschbar gelten. Noch im 19. Jahrhundert war zum Beispiel der Schloßberg in Schramberg weitgehend waldfrei, wie in alten Stichen zu sehen ist. Die Geißhalde wurde beweidet und Wein- und Gartenbau an den Hängen betrieben. Heute reichen Bäume und Büsche überall in der Talstadt bis an die Häuser heran. Neff stellt überdies als Manko fest:

"Waldbrände an unzugänglicheren Stellen erfordern schnelle, voll geländegängige spezielle Waldbrandlöschfahrzeuge"

Laut Neff gelte bei Waldbränden die 30-Minutenregel: Von Entzündung bis zum Eingriff sollen nicht mehr als 30 Minuten vergehen, sonst werde die Eindämmung schwierig, wenn nicht unmöglich. Beim Brand am Rappenfelsen an der Bundestrasse 462 war die Feuerwehr schnell vor Ort und konnte zügig mit den Löscharbeiten beginnen.

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