Mit Spannung erwarteten viele Schramberger am Sonntagabend den Wahlausgang auf dem Rathausplatz. Umso überraschter waren vermutlich einige der Anwesenden, als das Ergebnis verkündet wurde. Foto: Wegner

Deutlicher Vorsprung von Herzog überrascht viele Bürger. Fraktionen spekulieren über Gründe.

Schramberg - Der Ausgang der OB-Wahl in Schramberg hat überwiegend Erstaunen hervorgerufen: Obwohl viele mit einem zweiten Wahlgang gerechnet hatten, sind die Bürger doch von dem deutlichen Vorsprung von Thomas Herzog überrascht.

"Das hätte ich so nicht erwartet" – Diesen Satz konnte man gestern auf den Straßen in der Talstadt immer wieder vernehmen. Die meisten Schramberger sind offensichtlich nach dem Rückzug von Michael Schrenk davon ausgegangen, dass Michael Melvin das Rennen um den OB-Sessel macht. Dass der Unternehmer doch über zehn Prozent hinter seinem Kontrahenten Tomas Herzog liegt, führen die Bürger unter anderem auf seine starke Präsenz in der Talstadt zurück. "Mit einem Michael Melvin als OB geraten die anderen Stadtteile in Zukunft ins Hintertreffen" – diese Befürchtungen teilten offensichtlich viele Wähler.

Auch in den einzelnen Fraktionen des Gemeinderats herrschte am Tag eins nach der OB-Wahl Verwunderung vor. Paul Flaig (CDU) hatte vor dem Schließen der Wahllokale mit einem Kopf-an- Kopf-Rennen gerechnet. Das Wahlergebnis in seiner Klarheit habe ihn dann doch ein bisschen überrascht, sagte er. Seiner Meinung nach hätten die Turbulenzen in der Woche vor der Wahl erheblich zu dem Ergebnis beigetragen. Nach dem Rückzug von Schrenk habe es eine Entwicklung hin zu Thomas Herzog gegeben. Michael Melvin hätte sein Wählerpotenzial hingegen bereits ausgeschöpft.

Ähnlich sieht es sein Ratskollege Bernd Richter (ÖDP). Auch er habe mit einem knapperen Ergebnis gerechnet, sagt er auf Nachfrage unserer Zeitung. Zudem habe er Michael Melvin vor Thomas Herzog gesehen. "Melvin war überall präsent und nach seinem Engagement für das Krankenhaus, hätte ich gedacht, dass er das Rennen macht", so Richter. Herzog habe hingegen einen zurückhaltenden Wahlkampf geführt. Aber vielleicht sei ja genau das auch das Geheimnis seines Teilerfolgs gewesen.

Polarisierung zwischen Talstadt und Umland

Udo Neudeck (Freie Liste) war ebenfalls vom Wahlausgang überrascht. Erschreckt hat ihn allerdings die Polarisierung zwischen Talstadt und Umland, die sich auch im Wahlergebnis der verschiedenen Wahlbezirke ausdrücke. "Ich bin seit jeher der Meinung, dass in ganz Schramberg alle an einem Strang ziehen sollten", sagte Neudeck. Was sich allerdings im Wahlkampf abgespielt habe, hätte ihn schon sehr verwundert. Die Erfolgsaussichten von Michael Melvin für den zweiten Wahlgang sieht Neudeck eher skeptisch. "Melvin müsste da schon über 1000 Stimmen gutmachen", sagte er. Die zwölf Prozent der Wähler, die für Schrenk votiert hätten, müsste sich auf die Seite von Melvin schlagen, was er für unwahrscheinlich hält: "Die wählen entweder Herzog oder gehen nicht zur Wahl", ist er überzeugt. Dabei hätten doch beide das Potenzial, einen guten OB abzugeben. Der einzige, dem er das nicht zugetraut hätte, habe sich ja bereits aus dem Staub gemacht.

Die Enttäuschung über den Rückzug von Michael Schrenk teilt Udo Neudeck mit Hans-Jörg Fahrner (SPD/Buntspecht). Er hätte sich von einem zukünftigen OB mehr Souveränität erwartet. Fahrner glaubt wie viele Schramberger, dass sich die Bürger größtenteils gegen Melvin entschieden hätten, weil sie die Verflechtungen innerhalb der Stadt unter anderem mit ihm verbinden. Aus diesem Grund glaubt er auch, dass es Michael Melvin bei der Stichwahl sehr schwer haben wird. Aber in Schramberg sei ja nichts auszuschließen, so Fahrner. "Vielleicht gibt es für die Wahl am 31. Juli auch noch einen dritten Bewerber."

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