Harsche Kritik an Fahrplanänderung und Tariferhöhungen zum 1. September. Busreise nach Oberndorf wird Luxus.
Schramberg/Oberndorf - Mit Unverständnis und Verärgerung reagieren Fahrgäste des VVR und der SBG auf die zum 1. September in Kraft tretenden Fahrplanänderungen sowie die massiven Preiserhöhungen für Familien von teilweise weit über 100 Prozent.
Es sei zu befürchten, dass zukünftig immer mehr überzeugte ÖPNV-Nutzer wieder "lieber" auf das Auto zurückgreifen, so schreibt der aus Schramberg stammende erfahrene Nahverkehrs-Nutzer und ausgewiesene Fahrplan-Spezialist Edgar Haas. Der Wahl-Freiburger, der immer wieder nach Sulgen kommt, hat für uns die gravierendsten Auswirkungen der Fahrplan-Umstellung im Schramberger Stadtverkehr und im Umlandverkehr zusammengefasst (wir berichteten).
Wer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sei – dazu zählten vor allem ältere und gehbehinderte Menschen oder Bürger, die aus Umweltschutzgründen gerne einmal auf ihr "Heilix Blechle" verzichten – werde künftig sehr tief in die Tasche greifen müssen, zumal die Kosten für das Benutzen eines Autos im Vergleich zum ÖPNV teilweise um ein Vielfaches geringer seien. Folglich müsse man sich den ÖPNV erst einmal leisten können. Hier Haas Thesen im einzelnen:
"Mitnahmeregelung" ersatzlos gestrichen
Im Moment kostet eine Tageskarte für das Stadtgebiet aufgrund der Mitnahmeregelung für eine Familie (zwei Erwachsene und alle eigenen Kinder zwischen sechs und einschließlich 14 Jahren) noch 3,20 Euro. Ab Sonntag erhöhen sich die Fahrtkosten um 109 Prozent auf 6,70 Euro ("Gruppen-Ticket, Stadt-Zone"). Diese Kostensteigerung, so steht zu befürchten, wird sich auch auf die Zahl der Badegäste im Tennenbronner Freibad auswirken, da ausgerechnet an den Wochenenden (Samstag und Sonntag) die ÖPNV-Verbindung (Linie 55) zu diesem neuen Stadtteil über Anrufbusse erfolgen wird.
Fahrgastzahlen sinken durch Umstellung auf Anrufbusse
Einzig die Zuschläge für den Anrufbus werden nicht erhöht werden. Diese verteuern die Fahrscheinkosten auch weiterhin um 1,50 Euro pro Zone, Person und Fahrt. Hinzu kommen noch die Telefongebühren über eine Servicenummer für den Anruf bei der Zentrale.
Der Stadtverkehr zum Eckenhof wird ausgedünnt
Im November 2012 vermeldete die Abteilung Kultur, Stadtmarketing und Tourismus 106.438 Übernachtungen für das Jahr 2011. Tennenbronn lag mit einem Anteil von 55,1 Prozent an erster Stelle, auf Platz zwei folgte der Stadtteil Sulgen, vor allem aufgrund der Beliebtheit des Feriendorfs Eckenhof, weshalb man das Konzept "Familienfreundlicher Ferienort" weiter ausbauen will. Warum jetzt ausgerechnet diese Linie wieder vom Halbstundentakt zum Stundentakt zurückgefahren wird, ist nicht nachvollziehbar. Absolut unverständlich ist, dass samstags bereits um 13.52 Uhr der letzte Bus von Schramberg in Richtung Eckenhof fährt und sich die Feriengäste auch hier für spätere Verbindungen eine Stunde vor der Abfahrt telefonisch einen zuschlagpflichtigen Anrufbuss bestellen müssen.
Ein Krankenhausbesuch wird unerschwinglich
Durch die Schließung des Schramberger Krankenhauses muss man für einen Krankenbesuch nach Oberndorf oder Rottweil fahren. Vor der Streichung der "Familien-Tageskarte“ zum Fahrplanwechsel 2011/2012 kostet ein Familienbesuch in Oberndorf (drei Zonen) noch 12,50 Euro, ab dem 1. September 17,50 Euro als "Tages-Ticket Gruppe". Dies entspricht einer Steigerung von 40 Prozent. Wer seinen Besuch an einem Sonn- oder Feiertag eingeplant hat, sollte bedenken, dass man zusätzlich zu dem Fahrpreis zukünftig für diese drei Zonen auch noch 4,50 Euro Zuschlag pro Person und Fahrt für den Anrufbus bezahlen muss, da ab kommendem Sonntag an diesen Tagen keine regulären Busse mehr auf dieser Strecke eingesetzt werden.
Unattraktive ÖPNV-Verbindungen werden möglichst gemieden
Ist eine ÖPNV-Verbindung nicht attraktiv, etwa auf Grund schlechter Verbindungen oder deutlich höheren Kosten als fürs Auto, gehen die Fahrgastzahlen zurück, die Linie wird ausgedünnt und somit noch unattraktiver, Hier beißt sich also die Katze in den Schwanz – so lange, bis diese einstmals gut angenommene Verbindung gänzlich eingestellt oder bestenfalls durch Anrufsammelbusse ersetzt worden ist.