Die Schäppel von Tanja Schlegel verbinden Generationen. Foto: Ziechaus Foto: Schwarzwälder-Bote

Tanja Schlegel pflegt als Schäppelmacherin eine alte Kunst / Kunstwerke bis zu einem halben Meter hoch

Von Christoph Ziechaus

 

Schramberg-Tennenbronn. Perlen, Kugeln und Rosen blieben liegen, denn Tanja Schlegel blieb keine Zeit für ihre filigrane Arbeit. Die Schäppelmacherin aus St. Georgen war eine sehr gefragte Frau an ihrem Tisch mit den glitzernden Utensilien bei der Trachtenausstellung im Heimathaus in Tennenbronn.

Sie hatte ihre eigene Schäppel neben sich stehen wie eine überdimensionale Kirschtorte, ein Traum im Rot der Rosenblüten mit glitzernden Spiegeln, bunten Kugeln und Perlenketten, fast einen halben Meter hoch.

Der bunte Zylinder ruht auf einem Kranz in einer weißen Halskrause und wird mit Haarschnur und Zopfbändel auf dem Kopf befestigt und erfordert von der Trägerin den absolut aufrechten Gang.

Tanja Schlegel hoffte, dass eine ihrer Töchter einmal die Schäppel tragen werde. Schon im Mittelalter gehörte der "Kranz von Laub und Blumen" als "Schapel" zum äußerlichen Schmuck einer Braut. Sie ist heute längst keine schnell verwelkende Zierde mehr. Glasperlen, Kugeln und Stoffrosen sind schon lange die Teile, aus denen geschickte Hände den Kopfschmuck heiratsfähiger Mädchen aus dem Schwarzwald zaubern. Erst nach der Konfirmation dürfen Mädchen eine Schäppel tragen und das auch nur an Festtagen, wie Hochzeiten, Familien- oder Kirchenfesten.

Dabei sind die Schäppel regional sehr unterschiedlich gestaltet und ausgestattet. Die im evangelischen Kirchenspiel St. Georgen sind sehr hoch, bis zu vier Kilogramm schwer und in verschiedenen Etagen mit Rosen und Kugeln geschmückt. Die katholischen Mädchen hatten es sprichwörtlich leichter mit dem Balancieren ihrer etwas kleineren Kopfbedeckungen.

In der Ausstellung sind beide Formen der Schäppel zu sehen, wie auch die Trachten der beiden Konfessionen aus Tennenbronn, Schramberg, Hardt und Lauterbach. Martin Grießhaber stellt die Trachten und ihre Geschichte in der Ausstellung und in seinem Buch vor, das im Heimathaus erworben werden kann. Am 26. Dezember und an Sonntagen bis zum 25. Januar 2015 zwischen 14 und 17 Uhr ist die Ausstellung zu sehen.