Sehr interessante Informationen gab es beim Vortrag der Tennenbronner Heimathausgruppe zur Tennenbronner Mühlengeschichte. Das Foto zeigt Edwin Klausmann bei seinen Ausführungen. So standen vor den verschiedenen Mühlenarten. Foto: Heimathaus

Edwin Klausmann erzählt über die Mühlengeschichte von Tennenbronn. Einige bisher unerforscht.

Schramberg-Tennenbronn. "Die Dokumentations- und Forschungsarbeit zu den Mühlen in Tennenbronn ist heute einen großen Schritt vorangekommen", so ein Zitat des Stadtarchivars Carsten Kohlmann beim Vortrag zu den Tennenbronner Mühlen der Projektgruppe Heimathaus.

Es ist erstaunlich, dass dieses für die Tennenbronner Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte bedeutsame Thema, selbst in den vorliegenden Heimat- und Ortsgeschichtsbüchern, kaum Platz gefunden hat, obwohl in Tennenbronn einmal über 50 Mühlen standen.

Zunächst ging das Projektgruppenmitglied Fritz Wöhrle auf die Technik der Mühlengeschichte ein. In seinen Ausführungen zeigte er zunächst bisher noch unbekannte Fotos von lange verschwundenen Mühlen in Tennenbronn. Der Schwerpunkt seiner Ausführungen war geprägt von den Erläuterungen und Fachbegriffen zu den verschiedenen Mühlenarten und deren Konstruktion: vom Mühlegraben über den Kirner, das Kammrad oder über den selbstschärfenden Läufer und den Klopfstock bis zum Kleiekotzer, der böse Geister vertreiben sollte, spannten sich seine Erläuterungen. Somit wurden die Zuhörer anschaulich in die Technik der Mühlen eingeführt.

Naheliegend, als ehemaliger Betreiber der Löwensäge, erläuterte Fritz Wöhrle abschließend noch die Funktionsweise von Sägemühlen bis zur Vollgattersäge. Neue und Zusammenhänge wurden im Vortragsteil von Carsten Kohlmann zu den Tennenbronner Mühlen dargestellt. Der Referent ging zunächst auf die epochalen Veränderungen in der Mühlengeschichte seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts ein. Mit Zitaten aus dem Tennenbronner Anzeiger von 1966 erinnerte er insbesondere an die Bemühungen von Altbürgermeister Kaltenbacher die Wiesenbauernmühle im Kurdobel dauerhaft zu erhalten. Daneben würdigte er die Verdienste und Kenntnisse des Tennenbronner "Mühlendoktors" – wie Mühlenbauer früher genannt wurden – Karl Brüstle, der selbst in seiner Rentnerzeit noch als gefragter Fachmann an der Restaurierung verschiedener Mühlen beteiligt war.

Tennenbronn hat eine vielfältige Mühlengeschichte

Obwohl noch nicht alle Quellen zur Rechtsgeschichte der Tennenbronner Mühlen vom 16. und 18. Jahrhundert aus den dem Generallandesarchiv Karlsruhe ausgewertet sind zeigt sich, dass Tennenbronn eine vielfältige Mühlengeschichte hat. Ursprünglich war das Recht Mühlen zu bauen ein hohes Herrschaftsrecht der Adelsherren. Interessanterweise wurden in Tennenbronn offensichtlich keine solche "Bannmühlen", wie diese Herrschaftsmühlen bezeichnet wurden, betrieben. Wie aus dem Lagerbuch des Amtes Hornberg aus dem Jahr 1591 hervorgeht, hatten von den damals 26 württembergischen Höfe in Tennenbronn 15 eine Mühle, die wohl ohne Kenntnis und Zustimmung der Landesherrschaft betrieben wurde. Ein "Revers" – dies ist ein Vertrag – zeigt aber, dass diese Mühlenbesitzer nach dem Martinitag auf dem Schloss in Hornberg einen Mühlenzins mit Naturalien zu entrichten hatten.

Aus dem "Badischen Wasserschaftskataster" aus dem Jahr 1925 ist zu entnehmen, dass es damals in Tennenbronn vier Kundenmühlen und 32 Hausmühlen gab. Aus dem Referat von Stadtarchivar Kohlmann wurde deutlich, dass es sich lohnen würde, auf dem Gebiet der Tennenbronner Mühlengeschichte eine systematische Forschung und Erkundung weiter zu vertiefen.

Dieser Hinweis wurde im abschließenden Vortragsteil von Edwin Klausmann ansatzweise schon realisiert. Edwin Klausmann zeigte in einer Flurkarte von 1908 die Standorte von 56 mit Wasser getriebenen Mühlen auf der Gemarkung auf. Anschaulich verdeutlichte er am Beispiel des Eichbaches wie viele Mühlen von diesem Bächlein getrieben wurden. In einer akribischen Aufstellung ordnete er jede Mühle und die Nebengebäude den einzelnen Höfen zu und erfasste diese Gebäude dauerhaft in einer detaillierten Übersicht. "Eine tolle und sehr wertvolle Arbeit", wie ein Besucher bemerkte.

Von den in der Flurkarte aufgeführten 56 Mühlen konnte der Referent noch 15 Mühlen in Tennenbronn finden und fotografieren; von zehn weiteren, heute leider verschwundenen Mühlen, konnte er noch alte Fotos zeigen. Dazu gab es für die Besucher neben den Fotos noch eine ganze Reihe von interessanten Erläuterungen von der Ruine der Glattenmühle im Marxenloch bis zu der von Bäumen und Hecken fast zugewachsenen Lehenwiesmühle.

Mit dem Dank des Vorsitzenden der Projektgruppe Tennenbronner Heimathaus Robert Hermann endete der Mühlenabend, der viele neue Gesichtspunkte zu den Tennenbronner Mühlen aufgriff und vielleicht als Impuls für die weitere Erforschung der Mühlengeschichte dient.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: