Günter Pitschaks früheres Konzept seiner Begegnungsstätte im Altenheim: vom Kaffee kochen, Kuchenbacken bis hin zum gemeinsamen Gottesdienst (mit eingebautem Altar), offene Türen von 10 bis 21 Uhr und nicht, wie bei der Altenbegegnungsstätte im Spittel, überwiegend geschlossen. Foto: Privat

Ehemaliger Hochbauamtsleiter kommt auch nach 40 Jahren nicht zur Ruhe. Kritik an Altenheim-Entwicklung.

Schramberg - Der ehemalige Schramberger Hochbauamtsleiter, Stadtoberbaurat i. R. Günter Pitschak, kommt nicht zur Ruhe, vor allem dann nicht, wenn im Rathaus von aktuellen baulichen Veränderungen im heutigen Spittel-Seniorenzentrum die Rede ist.

Mit vielem, was dort bei späteren Umbauten am Städtischen Altersheim, damals seinem wichtigsten Ziehkind, gelaufen ist, kann sich Pitschak bis heute nicht abfinden. Der frühere, bis in die Ära Reichert hinein amtierende, oberste städtische Hochbauer sieht das von ihm Mitte der 1970er-Jahre "weitsichtig geplante Erweiterungskonzept" mitsamt der hauseigenen Begegnungsstätte für die Senioren konterkariert und entstellt.

Besonders entrüstet hat ihn bis heute das Hin und Her samt Geldverschwendung beim Rückbau zeitgemäßer Einbett-Zimmern zu Zweibett-Zimmern und wieder zurück.

Einen neuen Ansatz zur harschen Kritik am Baufortschritt im Spittel hat Pitschak nach der jüngsten Führung des Gemeinderats durch Heimleiter Albert Röcker gefunden. Dies zu klären, gebiete ihm seine Gemeinwohlverpflichtung als Beamter.

In einem aktuellen Schreiben lässt Pitschak Röcker wissen, dass beim Pflegeheim-Neubau 347.000 Euro eingespart wurden, sei eigentlich gar nicht erwähnenswert, weil eine intensive Kostenkontrolle ist für einen Planer gegenüber seinem Auftraggeber laut Gebührenordnung vorgegeben werde. Interessant sei dies nur dann, wenn dies bei anderen Bauvorhaben bisher nicht der Fall war. Fragwürdig sei die erwähnte Einsparsumme sowieso, wenn sie lediglich als Differenzbetrag zwischen den günstigsten Angeboten des Kostenvoranschlages gegenüber der Kostenaufstellung ermittelt wurde, falls nicht eine vorsätzlich überhöhte Kostenschätzung vorliege.

Zum Altbau fragte Pitschak nach, warum die vor Jahren begonnenen beiden Bauabschnitte so lange dauerten. Habe hier keine intensive Grundlagenforschung und keine intensive Kostenkontrolle stattgefunden? Ein versierter Planer weise bei Umbaumaßnahmen grundsätzlich einen entsprechenden Sicherheitsbetrag aus. Wer, so fragt Pitschak weiter, sei für die Mehrkosten und preisverteuernden Zeitverzug verantwortlich?

Dank der 1975 von der Verwaltung geplanten und realisierten, weitsichtigen Einbettzimmer-Konzeption mit Nasszellen und mit dem 1990 geplanten Umbau zu nicht zeitgemäßen Zweibettzimmern seien genügend Unterlagen zu kostenreduzierenden Maßnahmen für den Rückbau zurück in Einbettzimmer vorhanden gewesen. Wenn man es 1992 bei den Einbettzimmern belassen hätte, wären den Schramberger Bürgern Millionen Ausgaben erspart geblieben.

Bis heute will Pitschak auch nicht verstehen, warum dem städtischen Altersheim die eigene Begegnungsstätte im Dachgeschoss weggenommen wurde, und diese stattdessen in einem kommerziellen Objekt im Spittel untergebracht wurde. Ende der 1980er-Jahre sei deswegen die vorhandene, vorbildliche und neuwertige Begegnungsstätte im Altenheim mit Küche, WC-Anlagen, Stuhlraum und Dachgarten abgerissen und eine Altenbegegnungsstätte für "schlappe" 1,2 Millionen Mark mit zusätzlichen 100 000 Euro Abmangel pro Jahr im Spittel eingepasst worden.

Die Einbettzimmer, bestehend aus Nasszelle, Balkon und einem 16 Quadratmeter großen Wohnraum, seien zu Zweibettzimmern umgebaut worden. (Pitschak: "Zurück ins Mittelalter"). Diese Zweibettzimmer seien auf Druck des Landes nun wieder zu Einbettzimmern zurückgebaut worden, weil es schon immer asozial gewesen sei, zwei Menschen in einem 20 Quadratmeter großen Wohnraum einzupferchen.

Rückblickend ergeben sich für den einstigen Hochbauamtsleiter folgende Fragen:

1. Warum wurde der vorgesehene, zweite Bauabschnitt nicht zur Schillerstraße hin erweitert wie von mir im hochgelobten Entwurf vorgesehen? Grundstückskosten wären nicht angefallen.

2. Wen störte die Begegnungsstätte im Altenheim? Die Räume im Spittel lassen die vorgesehenen Aktivitäten nicht zu, sie sind als Begegnungsstätte im Altenheim nicht voll nutzbar. 1,2 Millionen Mark Kaufpreis nutzlos, Vorteile für die Stadt sind nicht erkennbar.

3. Wen störten die vorbildlichen Einbettzimmer? Hier wurde neuwertige Bausubstanz sinnlos ohne jeden Nutzen vernichtet. Geschätzter Schaden: vier Millionen Euro (einschließlich Zins).

4. Wurde für die Baumaßnahme ein erforderlicher Architektenwettbewerb ausgeschrieben?

Auf die Frage, warum er immer noch nachbohre, erklärte Pitschak unserer Zeitung, sein geleisteter Treueeid als Beamter lasse es nicht zu, dass so ein großer Schaden problemlos ablaufen könne.

Als er 1972 das erste Mal das Altersheim betrat, das aus der alten Junghans-Villa und dem Nachkriegsbau an der Schillerstraße bestand, erinnert sich Pitschak, sei ihm aufgefallen, dass ein Teil der alten Bewohner teilnahmslos auf dem Flur saß. Auf seine Frage, was die alten Leute dort machten, habe man ihm zur Antwort gegeben, "Sie warten auf das Mittagessen".

Der Anblick sei für so deprimierend gewesen, dass er sich eine Aufgabe auferlegt habe: Im neuen Altersheim dürfe so etwas nicht mehr vorkommen. Er habe nur eine Möglichkeit gesehen, diesen Missstand aufzuheben, indem er die Möglichkeit schuf, Leben von draußen ins Altersheim hinein zu ziehen. Das sei die Geburtsstunde der Begegnungsstätte im Altersheim gewesen, der ersten in Baden-Württemberg.

Der damalige Oberbürgermeister Konstantin Hank habe ihm die Frage gestellt, ob er auf den Einbau einer Begegnungsstätte aus Kostengründen verzichten könne. Nach eigenen Worten hielt Pitschak die Einrichtung einer Begegnungsstätte für so wichtig, dass er nicht darauf verzichten könne und er ansonsten lieber aus dem Planungsauftrag entlassen werden wolle. Daraufhin habe Hank grünes Licht gegeben.

Die Idee sei vom Regierungspräsidium Tübingen und von Finanzminister Gleichauf richtungsweisend gelobt worden. Die von Pitschak gebaute Begegnungsstätte sollte seiner Auffassung nach den alten Leuten die Möglichkeit geben, selbst in ihrem Rahmen kreativ zu sein. Es war von ihm als Gegenstück zu einem Jugendzentrum gedacht.

Dieser Gedanke, der damals 300 000 Mark gekostet habe, sei aus unerklärlichen Gründen kaputt gemacht und abgerissen, und dafür, ein Abklatsch dessen, für 1,2 Millionen Mark im Spittel-Bau untergebracht worden.