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Schramberg Schweizer Electronic: Führungsebene verzichtet in Corona-Krise auf Gehalt

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Die Produktion im neuen Werk in China ist trotz Corona angelaufen. Foto: Schweizer

Schramberg-Sulgen - Mit virtueller Hauptversammlung und Gehaltsverzicht der Führungsebene steuert die Schweizer Electronic AG durch die Corona-Krise.

In den vergangenen Jahren hatte die Schweizer Electronic AG die Hauptversammlung der Aktionäre im Rottweiler Kraftwerk oder in einer hergerichteten Werkshalle am Hauptsitz in Sulgen abgehalten. In diesem Jahr ist alles anders. "Vor dem Hintergrund der Coronavirus-Pandemie und einem Versammlungsverbot bis zum 31. August 2020 haben sich der Vorstand und der Aufsichtsrat der Schweizer Electronic AG entschieden, die entsprechende neue gesetzliche Regelung in Anspruch zu nehmen und die Hauptversammlung in diesem Jahr rein virtuell abzuhalten", teilte das Unternehmen mit. Bei einer Verschiebung der Hauptversammlung auf einen ungewissen Zeitpunkt nach dem 31. August hätten die Aktionäre monatelang darauf warten müssen, ihr Frage- und Stimmrecht auszuüben.

Gesetz erlaubt Hauptversammlungen auch virtuell

"Die Einladung zur virtuellen Hauptversammlung am 26. Juni 2020 wurde heute im Bundesanzeiger veröffentlicht", teilte Schweizer am 20. Mai mit. Angemeldete Aktionäre könnten ihre Fragen bis zum 24. Juni einreichen und ihre Stimmrechte über ein zur Verfügung stehendes Online-Portal, vorab mittels Briefwahl oder Vollmacht an den Stimmrechtsvertreter der Gesellschaft ausüben.

Wie viele andere Aktiengesellschaften nutzt Schweizer eine neue Regelung. Nach Paragraf 120 des Aktiengesetzes müsste die Hauptversammlung eigentlich in den ersten acht Monaten des Geschäftsjahrs über die Entlastung der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder beschließen. Doch nach einem im März vom Bundestag verabschiedeten Gesetz ist es wegen der Corona-Pandemie bis zum 31. Dezember 2020 zulässig, Hauptversammlungen auch ohne physische Präsenz virtuell abzuhalten. Das Justizministerium kann diese Ausnahmeregelung bis Ende 2021 verlängern. Auch die im kommenden Jahr abzuhaltende Hauptversammlung könnte also virtuell abgehalten werden, falls die Pandemie das erfordert.

Konzern-EBIT im Minus

Ganz gleich ob virtuell oder mit physischer Präsenz: Der Rechenschaftsbericht des Vorstands wird gemischt ausfallen, nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie: Am 21. April hatte Schweizer den Geschäftsbericht 2019 veröffentlicht. Danach belief sich der Konzernumsatz auf 120,7 Millionen Euro, im Vorjahr waren es 125,3 Millionen Euro. Das Konzern-EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) lag im Minus mit minus 6,5 Millionen Euro (Vorjahr: 1,6 Millionen Euro)

Für 2020 hatte der Vorstand zur Eingrenzung der Auswirkungen der Pandemie zwei Prognosezenarien formuliert. Das eher optimistische Szenario zeigt ein Umsatzwachstum von minus zehn bis minus 15 Prozent und eine EBITDA-Quote (EBITDA: Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; EBITDA-Quote: Verhältnis von EBITDA zum Umsatz) von minus zwei bis minus sechs Prozent. Das eher pessimistische Szenario beinhaltet ein Umsatzwachstum von minus 20 bis minus 25 Prozent und eine EBITDA-Quote von minus vier bis minus acht Prozent für 2020.

Projekt in China planmäßig abgeschlossen

Positives dagegen wird der Vorstand zum Investitionsprojekt China berichten können: Die Bauarbeiten des Produktions- und Verwaltungsgebäudes konnten planmäßig 2019 abgeschlossen werden. Ebenfalls wurden alle für den Produktionsstart erforderlichen Anlagen zeitgerecht installiert, wodurch es möglich wurde, bereits im Januar 2020 die ersten Musterleiterplatten zu fertigen. Trotz des Ausbruchs des Coronavirus in China wurden erste Serienprodukte mit einer leichten Verzögerung im April ausgeliefert.

Bei diese Gesamtlage wird Schweizer den Aktionären vorschlagen, keine Dividende auszuschütten: "Angesicht des Jahresergebnisses und des weiteren Ausbaus des neuen Technologie-Werks in China werden Vorstand und Aufsichtsrat der kommenden Hauptversammlung eine Aussetzung der Dividende vorschlagen, um die daraus frei werdenden Mittel in die Wachstumsinvestition in China zu investieren und zur Bewältigung der aktuellen Corona-Krise zu verwenden."

In einer Videokonferenz mit Investoren am 8. Mai präsentierten die Vorstände von Schweizer nicht nur aktuelle Zahlen der Geschäftsentwicklung im ersten Quartal, die Strategie und die beiden Prognosen für 2020. Sie informierten auch darüber, dass das Management eine Reihe von Maßnahmen initiiert und teilweise bereits erfolgreich umsetzt habe, um die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens mit entsprechendem  Spielraum jederzeit aufrechtzuerhalten. Als Beispiele wurden unter anderem ein freiwilliger Gehaltsverzicht von zehn bis 30 Prozent der Grundvergütung und die Verschiebung der für 2019 zu gewährenden Bonifikationen der oberen Führungsebenen genannt. Darüber hinaus hat Schweizer einen KfW-Unternehmerkredit im Rahmen des Corona-Sonderprogramms beantragt, der sich derzeit noch in der Antragsphase befindet.

Auch Analyst Patrick Speck von der Hamburger Montega AG, der sich regelmäßig mit Schweizer beschäftigt, hat an der Videokonferenz teilgenommen und die Gelegenheit genutzt, die beiden Vorstandsmitglieder Nicolas Schweizer und Marc Bunz sowie weitere teilnehmende Investoren zu befragen. Sein Fazit: "Die Herausforderungen für Schweizer werden nicht kleiner, wir sind vom Management sowie dem Investment Case aber grundsätzlich überzeugt. Nichtsdestotrotz dürfte der kurzfristige Newsflow äußerst schwach ausfallen, so dass wir das Rating ›Halten‹ bestätigen."

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