Löhne: Kundgebung am Dienstag / Betriebsrat der Elektronik-Firma fordert Rückkehr zu Tarifvertrag

Von Volker Rath

Vor den Werkstoren der Schweizer Electronic AG wird es am Dienstag, 10. Mai, laut. IG Metall und Betriebsrat fordern die Rückkehr zu einem Tarifvertrag.

Schramberg-Sulgen. Die Belegschaftsvertreter rufen für 12 Uhr zu einer Kundgebung auf. Außerdem soll es einen Sternmarsch zu Schweizer geben, zusammen mit Mitarbeitern von anderen Industriebetrieben aus den Landkreisen Rottweil, Freudenstadt, Calw und Ortenau. Die Kollegen von den Unternehmen in der Region wollen der Forderung der IG Metall in der laufenden Tarifrunde für die Elektro- und Metallindustrie unterstreichen, die fünf Prozent mehr Gehalt durchsetzen will.

Davon kann die Schweizer-Belegschaft nur träumen. "Bei uns gibt es eine spezielle Situation", sagt Bernhard Weinmann (58). Er ist der Schwerbehinderten-Vertreter im Unternehmen und Ersatz-Betriebsrat, gehört außerdem der Tarifkommission im Unternehmen an. Schweizer stieg 1997 aus dem Arbeitgeberverband aus und damit aus den Flächentarif.

Der Betriebsrat will eine Rückkehr zu klaren Regelungen – nicht zwingend zum Flächentarif, aber wenigstens zu einem Haustarifvertrag. Derzeit gebe es zwar einige Zugeständnisse, allerdings auf rein freiwilliger Basis. Aspekte wie Altersteilzeit, Sonderzahlungen und die Übernahme von Lehrlingen zählen dazu. "Vieles ist ungeregelt", sagt Weinmann. Sonderzahlungen seien in wirtschaftlich guten Jahren durchaus geleistet worden. Allerdings gebe es Unterschiede zwischen "den Altgedienten" und Kollegen, die seit 2005 im Betrieb arbeiten und andere Verträge haben. Außerdem werde über Sonderzahlungen "von Jahr zu Jahr" neu entschieden. "Das ist immer ein Hoffen und Bangen. Die Leute können so nicht planen", sagt Weinmann.

Der Ausstieg aus dem Tarifverbund bedeute für die Schweizer-Belegschaft direkte finanzielle Nachteile. Im Vergleich zur Fläche seien die Löhne und Gehälter bei Schweizer im Durchschnitt mittlerweile um rund 20 Prozent niedriger. "Wir hinken bei Erhöhungen hinterher", so Weinmann.

Kluft zum Branchenschnitt

Die Kundgebung erfolgt außerhalb der Arbeitszeit, nennt sich "aktive Mittagspause". Die Verhandlungen hätten noch nicht begonnen, deshalb könne die Belegschaft im Augenblick nicht streiken. Allerdings wolle sie ein erstes Zeichen setzen. Die Mitarbeiter anderer Betriebe kämen, um "Solidarität" zu zeigen. Die Organisatoren rechnen mit mehreren hundert Teilnehmern an der Kundgebung.

Der Betriebsrat kämpft hier für die Gesamtbelegschaft von Schweizer, für Arbeiter in der Produktion genauso wie Angestellte in der Verwaltung. Die Schweizer Electronic AG beschäftigt in Sulgen rund 780 Mitarbeiter. Nach eigenen Angaben entwickelte sich das Unternehmen im vorigen Jahr "stabil". Die AG vermeldete einen Jahresumsatz von 115,6 Millionen Euro (plus 4,8 Prozent) und ein Ergebnis von 5,5 Millionen Euro (2014: 5,6). An Dividende schüttet Schweizer 0,65 Cent pro Aktie aus.

Schweizer ist Hersteller für elektronische Halbleiter und Leiterplatten, unter anderem für Smartphones und Flugzeugtechnik. Wichtigster Markt ist der Automobilbau.