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Schramberg Ruja Ignatova zockte Millionen ab

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(Screenshot) Foto: Youtube

Schramberg - Es geht um unvorstellbare Summen Geld, Diamanten, Jachten, Verbrechen, Luftschlösser und äußerst dreisten Betrug – und mittendrin die ehemaligen Schramberger Konstantin und Ruja Ignatova.

Nun hat sich auch die "Süddeutsche Zeitung" in einer mehrseitigen Reportage dem schier unglaublichen Fall der Kryptowährung OneCoin gewidmet, mit der Millionen von Menschen um aberwitzige Summen betrogen wurden – die Rede ist von bis zu 15 Milliarden US-Dollar, was einer der womöglich größten Betrugsfälle aller Zeiten wäre.

Schillernde Figur

Konstantin Ignatov sitzt in den USA im Gefängnis. Um seine Strafe zu mildern, hat er sich bereit erklärt, mit den Behörden zu kooperieren, um Licht in das Dunkel von OneCoin zu bringen. Das bedeutet vor allem, seine Schwester Ruja Ignatova anzuschwärzen.

Diese ist eine überaus schillernde Figur und das Gehirn hinter dem ganzen System – doch sie ist und bleibt ein Mysterium. Die als "Cryptoqueen" verehrte Frau war schon in ihrer Schramberger Zeit alles andere als durchschnittlich. Sehr intelligent, aber sozial schwierig, berichteten ehemalige Klassenkameraden vom Gymnasium Schramberg. Sie wolle ihren Lebensabend auf ihrer eigenen Karibikinsel verbringen, hat sie einmal gesagt – natürlich steinreich. Ihr Vater betrieb einen Reifenhandel und da waren die Aussichten gering, unermesslich viel Geld zu scheffeln.

Um dieses Ziel zu erreichen, war ihr jedes Mittel recht. Sie absolvierte nach dem Abitur in Schramberg ein Jurastudium in Heidelberg, bevor sie bei der Unternehmensberatung McKinsey anheuerte.

Anschließend kam es zu einem folgenschweren Schritt: Ruja Ignatova wechselte zu einer bulgarischen Vermögensverwaltung. Ihre Chefin war Zwetelina Borislawowa, eine der reichsten Frauen Bulgariens und damalige Geliebte des heutigen Premierministers Bojko Borissow. Laut CIA habe Borislawowa über eine bulgarische Bank Geld gewaschen. Dieses stammte aus illegalem Ölhandel und Drogengeschäften. Dort, so spekuliert die "Süddeutsche Zeitung", knüpfte Ignatova zahlreiche Kontakte, die sie später nutzen konnte.

Gier der Leute ausgenutzt

2014 trat sie dann erstmals mit der Kryptowährung OneCoin in Erscheinung. Auf diesen Finanzzweig wurde sie aufmerksam, nachdem Anleger mit der ersten Kryptowährung Bitcoin in kurzer Zeit steinreich geworden waren. Warum sollte das nicht auch mit einer von ihr geschaffenen Währung möglich sein?

Allerdings: Bitcoin beruht auf einer Blockchain – einer Art digitalem Kassenbuch – wo sämtliche Ein- und Auszahlungen von allen Beteiligten eingesehen werden können – und eine Manipulation unmöglich gemacht werden soll.

Ruja Ignatova ersann hingegen eine Kryptowährung ohne eine von allen einsehbare Blockchain – eben ein gigantischer Schwindel. Aber einer, der in den Anfangsjahren außerordentlich gut lief. So wurden massenhaft Gelder eingesammelt von euphorisierten Anlegern, die von der Gier auf sagenhafte Gewinne getrieben wurden.

Bei Promo-Veranstaltungen war ein ekstatisches Publikum zu sehen, das an OneCoin glaubte. Mittendrin: Ruja Ignatova. Ihrem Charme, den sie mit sündhaft teuren Kleidern, diamantbesetzten Ohrringen und starkem Lippenstift betonte, verfielen die Menschen reihenweise. Ihr größtes Problem: Wohin mit dem Geld? Sie kaufte Luxusautos, eine Jacht und fuhr zur Geburtstagsfeier im Victoria- and Albert Museum in London mit dem Rolls Royce vor. Offenbar gibt es Appartements rund um den Globus, wo Hunderte von Millionen gebunkert sind, beispielsweise in Dubai oder London. Wie hoch die Summen genau sind, weiß niemand.

Zudem werden dubiose Geschäfte über Briefkastenfirmen getätigt. Ruja Ignatova traf sich gar mit Neil Bush, dem Bruder des früheren US-Präsidenten George W. Bush, im August 2016 in Hongkong, um einen Deal über den Kauf eines Gasfelds in Madagaskar abzuschließen. Bush soll dafür laut New Yorker Staatsanwaltschaft eine "Aufwandsentschädigung" von 300.000 Dollar erhalten haben.

Ihr Bruder Konstantin hingegen war bei einer Promotour in Uganda, um dort den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Kryptowährungen seien ein Anker der Stabilität – insbesondere in Ländern mit zerrütteten Währungen wie Uganda. Viele Menschen glaubten ihm – und verloren alles.

Einem Experten kam es allerdings spanisch vor, dass die Währung nicht mit einer einsehbaren Blockchain hinterlegt war und er äußerte seine Zweifel in einem Internet-Blog. Das war der Anfang vom Ende. Konstantin Ignatov wurde im März 2019 in Los Angeles vom FBI verhaftet (wir berichteten).

Kein Lebenszeichen mehr

Ruja Ignatova bleibt hingegen ein großes, ungelöstes Rätsel. Ist sie überhaupt noch am Leben? Das bezweifeln manche Beteiligte stark. Jedenfalls gibt es seit Oktober 2017 kein Lebenszeichen mehr von ihr. Andere Theorien sagen hingegen, sie lebe unter dem Schutz einer "sehr mächtigen Person" in Russland, die sie laut ihrem Bruder kurz vor ihrem Verschwinden kennengelernt haben soll. Andere wollen Ruja Ignatova inmitten einer Entourage in Athen gesehen haben. Offiziell gilt sie bis heute als flüchtig.

Dass bei ergaunerten Milliardensummen ein hohes Risiko im Spiel ist, erfuhr Konstantin Ignatov am eigenen Leib: So sei ihm laut eigener Aussage von Mitgliedern der Hells Angels eine Pistole in den Mund gesteckt worden. Jedes ihnen gemachte Versprechen solle erfüllt werden, drohten die Rocker. Das investierte Geld sei viel mehr wert als sein Leben.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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