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Schramberg Pfarrersohn kehrt nach Tennenbronn zurück

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Im Heimathaus wird Christoph Schoener (von links) von einer kleinen Abordnung des Heimathauses um den Heimathaus-Vorsitzenden Robert Hermann, Fritz Grießhaber und Maria Fleig empfangen (linkes Bild). Schoener spielt an der Tennenbronner Seifert-Orgel.Fotos: Heimathaus Foto: Schwarzwälder Bote

Über hohen Besuch aus der Kirchenmusik haben sich die Vertreter des Tennenbronner Heimathauses kürzlich gefreut.

Schramberg-Tennenbronn. Gekommen war Professor Christoph Schoener, Konzertorganist, Landeskirchenmusikdirektor von Rheinland-Pfalz, zwei Jahrzehnte lang Kirchenmusikdirektor von St. Michaelis – Hamburgs Wahrzeichen, mit seinen vier berühmten Orgeln – sowie Leiter des St. Michaelis-Chores mit vielbeachteten Konzerten der kirchenmusikalischen Weltliteratur und seit mehr als 20 Jahren Lehrbeauftrager an verschiedenen Hochschulen.

Wie kam es dazu? Christoph Schoener ist der Sohn von Pfarrer Karlheinz Schoener. Dieser übernahm als Nachfolger des Pfarrers Karle, der im April 1939 vor den Nazis mit seiner Familie aus Tennenbronn emigrieren musste, die Pfarrstelle in Tennenbronn. Drei seiner vier Kinder sind in Tennenbronn geboren. Vermutlich wurde er im Sommer 1941 zum Militär eingezogen und kam nach mehreren Heimataufenthalten im Frühjahr 1943, nachdem er von der Landeskirche für "unabkömmlich" erklärt wurde, aus Russland nach Tennenbronn zurück. Mehrere beeindruckende und mutige Predigten sind von ihm sind erhalten.

Sohn Christoph Schoener, schreibt das Heimathaus, zählt zu den renommiertesten Kirchenmusikern seiner Generation. Zusätzlich hat er vielbeachtete CD-Einspielungen und Rundfunkaufnahmen als Organist und Dirigent herausgebracht, konzertierte in vielen Kathedralen Europas und sogar in den USA oder Südafrika, dirigierte mehrfach an der Hamburger Elbphilharmonie und wurde für seine Verdienste vom Hamburger Senat 2018 mit dem Ehrentitel Professor gewürdigt.

Auslöser für den aktuellen Kontakt mit Christof Schoener war das Buch "Das Leben im Nationalsozialismus in Tennenbronn", welches von der Heimathausgruppe am Volkstrauertag veröffentlicht wurde. Bei der Anforderung des Buchs von einer Frau Wießner aus Griechenland stellte sich heraus, dass sie eine Tochter von Pfarrer Schoener ist und 1942 in Tennenbronn geboren wurde.

Auch ihr Bruder Christoph Schoener forderte das Buch an und lobte die mutige Arbeit, die Zeit des Dritten Reiches in Tennenbronn aufzuarbeiten. "Ein phänomenales Buch, das mich tief beeindruckt, die Qualität der Recherchen und die Gestaltung", so seine Rückmeldung aus Hamburg.

Von den vier Schoener Kindern war er als Nachzögling als einziges Kind nicht in Tennenbronn geboren. Trotzdem wurde ihm Tennenbronn, wie er schreibt, zur "zweiten Heimat", da er bis zu seinem 14. Lebensjahr häufig Familienurlaube im evangelischen Pfarrhaus verbracht hat.

Ein Orgelkonzert in Bern war dann der Auslöser, dass Schoener in den Süden kam und ein Besuch im Tennenbronner Heimathaus vereinbart wurde. So übernachtete er nach 48 Jahren erstmals wieder in Tennenbronn. Bei Kaffee und Kuchen sowie einem Rundgang durch das Heimathaus wurden bei der angeregten Unterhaltung Erinnerungen, Zusammenhänge und Personen lebendig.

Nach dem Eintrag ins Gästebuch stand anschließend die Seifert-Orgel der katholischen Kirche in Tennenbronn auf dem Besuchsprogramm. Andreas Blessing erläuterte die Entstehungsgeschichte der Tennenbronner Orgel, bevor Christoph Schoener sich an das Manual setzte. Sein Probespiel mit unterschiedlichsten Registraturen zeigten nicht nur die Möglichkeiten der Orgel auf, sondern ließen auch die außergewöhnliche Virtuosität und das großartige Können des Meisterspielers schnell erkennen.

"Ich liebe Orgeln mit einem eigenen Charakter", so sein Eindruck zur Seifert-Orgel. Durch den an das Walcker-Orgelprinzip angepassten Aufbau eignet sich das Instrument gut für die alten Meister. "Eine tolle und saubere Arbeit mit einer durch die Höhe der Orgel beeindruckenden Traktur und einem Prospekt mit ausgezeichneter Raumwirkung", so sein Kommentar.

Da Christoph Schoener auch in einer Kommission mitwirkt, welche sich um die Rekonstruktion der Walcker-Orgel von 1908 in der Laizhalle in Hamburg bemüht, traf er sich am folgenden Tag mit Kirchenmusikdirektor Rudi Schäfer, um sich die Schramberger Walcker-Orgel anzuschauen.

Gerade diese frühe Walcker-Orgel entspricht in ihrer Entstehungszeit genau dem Repertoireschwerpunkt der deutschen Romantik mit Schumann, Mendelssohn, Brahms und Liszt.

Da Christoph Schoener mit Jahresbeginn nach 22 Jahren als Kirchenmusikdirektor von St. Michaelis in Hamburg in den Ruhestand verabschiedet wurde, kann er sich nun auf seine Orgelkonzerte in ganz Europa konzentrieren. So stehen in diesem Jahr mehr als 30 Konzerte – darunter in Dänemark, der Schweiz und in Litauen – in seinem ausgefüllten Terminkalender.

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