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Schramberg Orgelstücke führen durch Leiden Jesu

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Jürgen Banholz (links) und Georg Poplutz loben den Verein für die schönen Orgeln. Foto: Anton Foto: Schwarzwälder Bote

Das jüngste Herbstkonzert der Reihe Schramberger Orgelkonzerte in der Pfarrkirche Heilig Geist hat der Verein dem verstorbenen Förderer Martin Grüner gewidmet.

Schramberg . Grüner war von Anfang an im Verein aktiv und hinterließ in seinem Testament ein Vermächtnis zugunsten der Arbeit des Vereins und der Erhaltung der historisch restaurierten Schramberger Orgeln. Martin Grüner war von 1964 bis 1972 im Gemeinderat in Schramberg und von 1972 bis 1991 Parlamentarischer Staatssekretär. Der Vorsitzende des Vereins Schramberger Orgelkonzerte. Gebhard Pfaff, wies in seiner Begrüßung der Besucher auf die Unterstützung und Vereinstreue von Grüner hin, die auch über seinen Tod hinaus anhielt.

Mit der Verpflichtung des Duos Georg Poplutz, Gesang und Jürgen Banholzer, Orgel, hatte das Leitungsteam zwei international bekannte Kirchenmusiker engagiert.

Gebürtiger Rottweiler kehrt zurück

Jürgen Banholzer, gebürtig aus Rottweil, der Orgel in Boston bei J.D.Christie gelernt hat. Studierte anschließend als Stipendiat bei Ludger Lohmann in Stuttgart und Jean Boyer in Lyon und setzte sein Gesangsstudium dann an der Schola Cantorum Basiliensis fort und promovierte im Fach Musikwissenschaft an der Universität Mainz. Nach der Tätigkeit als Gesangssolist widmet er sich inzwischen wieder den Tasteninstrumenten.

Der Lied- und Oratorientenor Georg Poplutz gehört zu den vielgefragten Interpreten und ist Mitglied zahlreicher Ensembles. Konzertreisen führten ihn nach Japan, China, Südamerika und Südafrika. Daneben wirkte er an CD- und DVD-Aufnahmen als Solist mit.

Im Mittelpunkt des Orgelkonzerts stand im Trauermonat November die Passion. Doch ging es bei den aufgeführten Werken nicht nur um Leiden und Sterben, sondern darüber hinaus um den Auferstehungsglauben. Dies zeigte sich in den ins Zentrum des Konzerts gestellten "Geistlichen Liedern und Arien" von J.S. Bach und in den beiden "Geistlichen Liedern" von Max Reger, um die herum die übrigen Werke der Romantik gruppiert waren, wobei sich wie ein roter Faden die Choralvorspiele op.122 von Johannes Brahms durch das Programm zogen.

Der Klang der spätromantischen Orgel der Gebrüder Späth eignete sich gut für die ausgewählten Werke. Die beiden Künstler kennen sich aus Frankfurt am Main, wo sie beide heute leben. Sowohl die einleitenden "Biblischen Lieder" von Antonin Dvorák als auch die "Religiösen Gesänge" von Josef Gabriel Rheinberger im Finale strahlten Lob und Zuversicht aus. Der Tenor des Gesangssolisten ließ schon beim eröffnenden Psalmlied "Gott ist mein Hirte" durch seine Ausdruckskraft, die Worte wie "zu seines Namens ewigem Ruhm" mit Glanz erfüllte, aufhorchen. Die Orgel unterstrich wichtige Aussagen durch langgezogene Töne. Das Lied Nr. 5 "Gott ist mein Hirte" wurde eröffnet mit Orgelklang, der sich zum majestätischen Jubel steigerte. Der Ausdruck wechselte zum Flehen beim gesungenen Gebet "Hör, o Vater", wo die Orgel in zartem Piano, bis zur Steigerung in Höhe und Lautstärke im Schlussvers begleitete.

Mit voluminösem Vorspiel setzte die Orgel ein bei "Singet ein neues Lied". Der Gesang wurde unterstrichen durch kurze Orgelpulse. In ruhigem Duktus der Orgel erklang das Choralvorspiel "O Gott, du frommer Gott". Die Melodik wurde voluminöser, wobei mit dem Wechsel zwischen Piano und Forte zwei Klangebenen geschaffen wurden. Beeindruckend waren darauf die vier "Geistlichen Lieder und Arien" von Johann Sebastian Bach. Das Lied "Es ist vollbracht" führte in die Todesstunde Jesu.

Nach der Trauer folgt die Hoffnung

Hoffnungsvollen Charakter trug nach zuversichtlichem Orgelvorspiel das Lied "Kommt wieder aus der finstern Gruft", bei dem die geschwungene Achtelmelodik des Gesangs einen freudigen Klang trug. Beim vierten Lied "Jesus, unser Trost und Leben" stand mit dem "Alleluja" die Auferstehung im Mittelpunkt. Gesang und Orgel bewegten sich im Dreiertakt. An dieser Stelle hatten die Programmgestalter auch das Choralvorspiel "Herzlich tut mich erfreuen" von Brahms gesetzt, das auch Passagen des bekannten Volksliedes enthielt. Das Lied lebte vom Wechsel zwischen mehrstimmigem Forteklang und Melodik.

Mit zwei Liedern von Max Reger wurde der Kontrast zwischen Trauer und Auferstehungsglaube deutlich sichtbar. Im "Passionslied" dominierte bei zarten Melodiestufen Dunkelheit und Düsternis. Aus Melodik und begleitenden Linien sprachen Verlassenheit und Schmerz. Empfindsam führten die Interpreten die Zuhörer in die Grundstimmung der letzten Worte Jesu am Kreuz ein, wobei auch Anklänge an die Passionsmelodie von "O Haupt voll Blut und Wunden" zu hören waren.

Im Ausklang erfolgte ein chromatischer Abstieg. Eine Entwicklung nahm die Melodik beim 2. geistlichen Lied mit dem Titel "Doch du ließest ihn im Grabe nicht". Nach der Einleitung mit Halbtönen wurde der Orgelklang bei "Im Lande der Lebenden" heller, die Gesangsstimme strahlender, der Dialog steigerte sich zu freudigem Zusammenklang. Ein weiterer Höhepunkt war die Interpretation der Orgelsonate Nr. 4 in B-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy. Quirlige Läufe mit Agogik und rhythmischem Reichtum kennzeichneten das Allegro con brio. Eine Melodie in der Art eines Kirchenliedes erklang beim bekannten Andante religioso. Beim Allegretto war eine Melodie mit hauchzarter Umspielung zu hören, die mit schönen Sequenzen variiert wurde. Mit Registerklang, der die Kirche erbeben ließ, erhob sich das Allegro maestoso. Das Thema im Bass stieg auf, bis zum grandiosen Jubel im Finale, dessen Klang im Kirchenraum nachhallte.

Innig und meditativ begann der Psalm 62 "Meine Seele ist stille zu Gott" von Albert Becker. Die Begleitung wurde gekrönt durch das kristallklare Timbre des Gesangssolisten. Kaskaden wie von ferne begleiteten die Worte "Wie groß ist mein Schutz".

Das dritte Choralvorspiel von Brahms mit dem Titel "Herzlich tut mich verlangen" begann mit einem Klang, der bald in eine Klangfarbe mit schöner Mehrstimmigkeit wechselte. Einen Abschluss des brillanten Konzerts bildeten zwei der "Sechs religiösen Gesänge" op. 157 von Josef Gabriel Rheinberger.

Bei "Sehet, welche Liebe" war es dem Komponisten und den Interpreten gelungen, Liebe in Worte und Töne zu fassen. Sie fand ihren Ausdruck in der Melodieführung der Singstimme und der Orgelbegleitung. Der Ausdruck steigerte sich glanzvoll und strahlend. Orgelvorspiel und Melodik kennzeichneten das Lied "Ich bin des Herrn". Das Bekenntnis wurde unterstrichen durch Klangbögen und Läufe in der Orgelbegleitung und im Duktus des Tenorsolos.

Am Ende stand der Ausblick "Ich bin des Herrn", der mit einem ehernen Akkord abgeschlossen wurde. Die Zuhörer bekamen nach ihrem lang anhaltenden Applaus als Zugabe ein modernes "Ave Maria" von Franz Schreker.

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