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Schramberg Neue Serie: Woher kommt mein Name?

Von
Namensforscher Martin Dilger. Foto: Privat

Schramberg - Familiennamen erzählen eine eigene Geschichte. Woher stammt der Name? Wie verbreitet ist er? Martin Dilger erforscht seit vielen Jahren ihre Herkunft. In den kommenden Wochen tut er dies exklusiv für die Leser des Schwarzwälder Boten.

Herr Dilger, woher stammt denn Ihr Familienname?

Der Name Dilger ist im deutschen Sprachraum an verschiedenen Orten und völlig unabhängig voneinander entstanden. Er geht in meinem Fall der Schwarzwälder Dilger sehr wahrscheinlich auf eine verkürzte Form des weiblichen Rufnamens Ottilie zurück. Der Name gehört also zur eher seltenen Form der sogenannten metronymischen Familiennamen. Diesen Namen liegt ein Frauenname zugrunde. Familiennamen, die auf Männernamen zurückgehen, also patronymische Bildungen, sind deutlich häufiger (Günter oder Hermann).

Was fasziniert Sie daran?

In der Genealogie (Ahnenforschung) stößt man immer wieder auf interessante Geschichten von Leben und Sterben. Auch Familiennamen erzählen kleine Geschichten, Geschichten ihres Ursprungs und ihrer Verbreitung. Die meisten Namen sind aus Berufsbezeichnungen entstanden. Auf die zehn häufigsten Namen in Deutschland – darunter Müller, Schmidt, Schneider, Fischer, Weber – trifft das alle zu. Auch andere Namen wie Zanger verweisen auf einen Beruf. Damit wurde in der Phase der Familiennamenentstehung im Mittelalter eine Person benannt, die mit einer Zange hantiert, also ein Schmied oder Schlosser.

Interessant ist, dass es noch um die Zeit des 30-jährigen Krieges, also vor circa 400 Jahren, bei manchen Namensträgern noch immer eine Übereinstimmung von Namen und tatsächlich ausgeübtem Beruf gab. Die damals vermutlich aus dem Kinzigtal nach Schramberg eingewanderten Zanger waren und blieben noch einige Zeit eine Schmied- und Schlosserfamilie. Und die Scherer in Schiltach waren tatsächlich noch einige Zeit lang Wundärzte und Barbiere.

Wie und wann sind Familiennamen entstanden?

Familiennamen im heutigen Sinne haben sich aus Beinamen entwickelt, die zunächst nur an einen Einzelnen vergeben, aber noch nicht an nachfolgende Personen vererbt wurden. Diese Sitte, den Beinamen auch für Nachkommen zu verwenden, breitete sich im zehnten Jahrhundert in Norditalien und Südfrankreich aus und gelangte von dort aus nach Katalonien und Nordfrankreich, im zwölften Jahrhundert nach England und in das Gebiet der Schweiz. Danach wurde der Gebrauch eines festen Familiennamens auch in den west- und süddeutschen Städten üblich. Anfang des 15. Jahrhunderts waren Familiennamen zumindest im oberdeutschen Sprachraum fast überall anzutreffen, aber noch nicht durchgehend.

Bei Namensnennungen im mittleren Schwarzwald und außerhalb der städtischen Zentren wie Alpirsbach, St. Georgen, Wolfach oder Hornberg finden sich um 1450 noch viele Nennungen ohne Familiennamen. 1445 kam Buchenberg in württembergischen Besitz. Im entsprechenden Kaufbrief sind noch mehrheitlich Namen genannt wie "der Meder", "der Huger", "der Rügger", "der Samer" (also vielleicht einer der ersten Vertreter der Familie Sohmer), "der Kung" (wohl einer der ersten Vertreter der King).

Welche Namen sind typisch für Schramberg und seine Stadtteile?

Moosmann, Broghammer, Kimmich, King, Roming, Seckinger sind allesamt Namen, die in der Raumschaft Schramberg entstanden sind. Auch die Langenbacher sind typisch für die Gegend. Ein schönes Beispiel ist auch der Name Ginter. Er geht auf den im Mittelalter häufigen Vornamen Günt(h)er zurück. In der Schreibweise Günter und Günther ist er eher im Landkreis Freudenstadt anzutreffen, die Schreibweise Ginter jedoch ist typisch für die Schramberger Gegend. Hier gibt es eine deutschlandweit einmalige Häufung. Die Variante Günter ist freilich ebenfalls üblich. Bis zur Gründung der Standesämter in Deutschland – flächendeckend ab 1876 – wurden Namen nach Gehör und örtlicher Dialektausprägung geschrieben.

Welche kommen am häufigsten vor?

Moosmann ist heute der häufigste Name in der Fünftäler-stadt. Auf Platz zwei folgt der Name Fleig, der in der Variante mit "ai" ebenfalls verbreitet ist. Weitere häufige Familiennamen sind Haas, Müller, Rapp, King, Broghammer, Schneider und Kopp. Ein paar Stammbäume dieser alteingesessener Familien aus dem Schramberger Raum finden sich auf der Internetseite www.familie-dilger.de.

Welche Besonderheiten gibt es sonst noch in der Region?

Interessant ist, dass im Stadtteil Waldmössingen Familiennamen vorkommen, die sonst in der Stadt Schramberg nicht so häufig sind. Zu nennen wären hier Bantle, Keller, Notheiß, aber auch Erath und Jauch. Grund dieser Sondersituation ist, dass Waldmössingen historisch nie Teil der Herrschaft Schramberg war, sondern viel stärkere Verbindungen in den Oberndorfer und Rottweiler Raum hatte. Die Bantle beispielsweise haben einen absoluten Schwerpunkt in Bösingen.

Gibt es eine Verbindung von Familiennamen und Gewannnamen?

Wie schon erwähnt, sind die meisten Familiennamen in Deutschland aus Berufsbezeichnungen entstanden. Mindestens zwei der Namen aus der Top zehn in Schramberg können jedoch auf örtliche Begebenheiten beziehungsweise Gewannnamen zurückgeführt werden: Moosmann und Broghammer. Der erste Moosmann wohnte wohl in der Nähe eines sumpfigen Gebiets, im Alemannischen "Moos" genannt. Das Moosenmättle, der Moosenkapf, oder der Mooswaldkopf im oberen Sulzbachtal verweisen allesamt auf feuchte Bodenverhältnisse.

Wie viele Namen haben Sie bislang erforscht?

In meiner genealogischen Datenbank sind inzwischen knapp 70.000 Personen aus der Zeit von 1500 bis 1900 versammelt. Die häufigsten Namensträger sind Flaig/Fleig, Haas, King, Kimmich, Kopp, Moosmann, Rapp und Dilger, dicht gefolgt von den Storz, Müller, Weißer/Weisser, Mayer, Seckinger und Reuter/Reiter. Das ist natürlich vor allem Ausdruck dessen, wo der Schwerpunkt meiner genealogischen Forschungen lag und liegt – eben in der historischen Herrschaft Schramberg.  Die Fragen stellte Karin Zeger.

Martin Dilger: Geboren in Rottweil, aufgewachsen im Schramberger Stadtteil Waldmössingen. Gymnasium in Schramberg, Studium der Erziehungswissenschaften, Philosophie, Soziologie und Psychologie in Tübingen und Berlin. Nach dem Abschluss als Diplom-Pädagoge und M. A. an verschiedenen Weiterbildungseinrichtungen in Berlin tätig; seit 2008 Leiter der Volkshochschule Crailsheim. "Die Beschäftigung mit Familiennamen ergab sich zwangsläufig aus der Familienforschung, die ich seit 2000 betreibe. Schwerpunkt meiner genealogischen Forschungen ist der mittlere Schwarzwald und die angrenzenden Gebiete im Osten."

Jetzt mitmachen:

Möchten Sie auch wissen, woher Ihr Familienname stammt, woher er sich ableitet und wie verbreitet er ist? Dann schreiben Sie uns. Unser Experte Martin Dilger wird Ihren Namen erforschen und wir werden seine Ergebnisse bei uns veröffentlichen. Einsendungen sind per E-Mail an redaktionschramberg@schwarzwaelder-bote.de oder per Postkarte an Schwarzwälder Bote, Redaktion Schramberg, Hauptstraße 24, 78713 Schramberg möglich. Die Teilnahme ist kostenlos.

Ihre Redaktion vor Ort Schramberg

Stephan Wegner

Fax: 07422 9493-18

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