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Schramberg Nach OB-Wahl viel zu analysieren

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Erst nachdem der Gemeindewahlausschuss sämtliche ungültigen Stimmen überprüft hatte, konnte das amtliche Endergebnis bekannt gegeben werden. Doch durch den klaren Vorsprung war Dorothee Eisenlohr schon zuvor vom Vorsitzenden Jürgen Winter zur Wahlsiegerin erklärt worden. Foto: Schwarzwälder Bote

Schramberg - Nach der mit Spannung erwarteten OB-Wahl ist viel zu analysieren. Zum Wahlsieg von Dorothee Eisenlohr und der Niederlage von Thomas Herzog geben viele Vertreter der Kommunalpolitik ihre Einschätzungen ab.

Nur acht Prozent der Bürgermeister im Land werden nicht wiedergewählt, sagte jüngst Thomas Schwarz vom Statistischen Landesamt in Baden-Württemberg. In Schramberg sah die Quote in den vergangenen 45 Jahren etwas anders aus: Lediglich Herbert O. Zinell schaffte es, mehr als eine Amtsperiode an der Stadtspitze zu bleiben, er wurde sogar zweimal wiedergewählt, bevor er dann in der Mitte seiner dritten Amtszeit als Amtschef ins Innenministerium wechselte.

Erster Oberbürgermeister, der die Wechselstimmung in der Bevölkerung zu spüren bekam, war Roland Geitmann (SPD). Er verlor gegen den Bühler Juristen Bernd Reichert und schaffte keine zweite Amtszeit in Schramberg. Gleich sah es dann acht Jahre später mit seinem Nachfolger aus. Dieser musste sich gegen Herausforderer Herbert O. Zinell (SPD) geschlagen geben. In diese Schicksalskette reiht sich seit Sonntag auch Thomas Herzog ein.

Wohnortwechsel geplant

Reichert war damals auch vorgeworfen worden, dass es nicht nach Schramberg gezogen sei. Dieses derzeitige "Manko" will Dorothee Eisenlohr baldmöglichst beseitigen und mit ihrem Partner nach Schramberg ziehen – das Trauzimmer im Rathaus habe sie sich auch schon angeschaut, bekundete die künftige Oberbürgermeisterin. Damit ihr Lebensgefährte nicht ewig lange Fahrzeiten an den Bodensee habe, werde er sich beruflich in der Gegend orientieren – da er im Handwerk tätig sei, sehe er keine Probleme, eine geeignete Arbeitsstelle zu finden, sagte er.

Die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats bewerten den Ausgang unterschiedlich. "Es ist ein überraschend deutliches Wahlergebnis", befindet Clemens Maurer (CDU). "Gut finde ich, dass alle drei Kandidaten einen fairen Wahlkampf ausgetragen haben. Bemerkenswert ist außerdem die für die Bedeutung des Amtes zu geringe Wahlbeteiligung", so Maurer weiter. "Frau Eisenlohr wünschen wir einen guten Start als erste Oberbürgermeisterin Schrambergs. Wir erhoffen uns, dass Sie weiter frisch und bürgernah agiert, für die Stadt die richtigen Schwerpunkte setzt und diese gemeinsam mit den Mitarbeitern der Stadtverwaltung und den Gremien weiter voran bringt". Zum Ergebnis von Herzog meint er: "Ich glaube, dass Bürgernähe und Lösungsorientierung manchmal etwas zu kurz gekommen sind. Politisch war die Zusammenarbeit mit Herrn Herzog über die Jahre von Fairness und Respekt geprägt. Dafür bedanken wir uns bei ihm."

Udo Neudeck (Freie Liste) sieht es so: "Das Ergebnis hätte ich in dieser Deutlichkeit nicht erwartet. Ich bin von einem zweiten Wahlgang ausgegangen. Die neue Amtsinhaberin steht nun in der Pflicht, die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Der Gemeinderat wird sie dabei im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützen. Für OB Thomas Herzog tut es mir leid. Er hat dieses Ergebnis nicht verdient und nicht alleine zu verantworten. Der letzte Gemeinderat wurde mit abgestraft. Die Wahlbeteiligung gibt Anlass zur Sorge."

Tanja Witkowski (SPD) bewertet das Ganze so: "Die Schramberger haben ein für mich überraschend klares Votum abgegeben. Das Ergebnis bietet nun die Chance für Schramberg mit seinen Stadtteilen, zur Ruhe zu kommen und sich wieder den anstehenden und dringenden Projekten zu widmen. Schade ist die geringe Wahlbeteiligung. Hier hätte ich mir eine höhere Beteiligung erhofft, zumal die Bürgerschaft eine echte Wahl hatte. An Frau Eisenlohr werden durch das Wahlergebnis hohe Erwartungen gestellt. Ich hoffe, dass es ihr gelingt, sich im Spannungsfeld zahlreicher Interessen und Erwartungen treu zu bleiben und dass sie es schafft, Entscheidungen bürgernah zu kommunizieren".

Zum Wahlergebnis von Thomas Herzog meint sie: "Bei einer Wahlentscheidung spielen viele Faktoren eine Rolle. Nicht immer kann man rational analysieren, warum ein Ergebnis so ausfällt."

Bernd Richter bezieht für die ÖDP Stellung: "Für uns kam die Entscheidung überraschend, wir hatten eher mit einer Stichwahl gerechnet zwischen dem amtierenden OB und Dorothee Eisenlohr. Als eigentlich beschämend empfinden wir die niedrige Wahlbeteiligung, denn die Oberbürgermeisterin beziehungsweise der Oberbürgermeister stellt in vielen Fällen die Weichen der Politik, auch wenn der Gemeinderat als höchstes Gremium der Stadt durchaus kräftig mitbestimmen und korrigierend eingreifen kann. Von Eisenlohr erwarten wir eine deutlich stärker nachhaltig orientierte und zukunftsweisende Kommunalpolitik in Richtung der Forderungen der ›Friday for Future‹-Bewegung, denn inzwischen ist die Wissenschaft bis auf wenige Ausnahmen davon überzeugt, dass der Klimawandel nicht kommt, sondern sich durch viele Phänomene und Katastrophen weltweit immer heftiger auswirkt. Eine Ursachenforschung im Nachhinein ist müßig. Offensichtlich hat OB Herzog es nicht geschafft, die Bevölkerung von seiner Arbeit zu überzeugen."

Jürgen Reuter (Aktive Bürger) sieht es so: "Die hohe Zahl der begonnenen steht seit längerem im Gegensatz zur niedrigen Zahl der fertiggestellten Projekte. Pünktlich zu den Oberbürgermeisterwahlen addierten die Fraktionen den Schulcampus zur Landesgartenschau, öffneten die Schere zwischen dem Wünschenswerten und Machbaren, lösten die Verzahnung zwischen Politik und Verwaltung – und fuhren die Verwaltung gegen die Wand. In jedem Neubeginn ist eine Chance. Frau Eisenlohr wird Transparenz darüber herstellen müssen, was der Gemeinderat finanziell und die Stadtverwaltung personell stemmen kann – und was nicht."

Auch die Bürgermeister umliegender Gemeinden waren am Sonntagabend in Schramberg und gaben ihre Sicht der Dinge preis. Michael Moosmann (Hardt) – übrigens bis zu seiner Wahl im vergangenen Jahr selbst im Schramberger Rathaus beschäftigt – gratulierte Dorothee Eisenlohr: "Das Ergebnis zeugt von einem starken Rückhalt in der Bevölkerung." Sie werde die Kraft brauchen, um die Anliegen aller Ortsteile unter einen Hut zu bekommen.

Michael Lehrer (Aichhalden) sagte: "Wir werden mit ihr so zusammenarbeiten, wie wir es mit Thomas Herzog getan haben. Das Votum ist eindeutig. Wir haben unsere Baustellen in der Verwaltungsgemeinschaft und die werden wir angehen." An der Zusammenarbeit mit Herzog habe es nichts auszusetzen gegeben, sagte Lehrer und seine Amtskollegen nickten zustimmend.

Norbert Swoboda (Lauterbach) wollte nur eines sagen: "Eine Wahlbeteiligung von nur 47 Prozent ist beschämend für Schramberg."

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