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Schramberg Nach 34 Jahren Abschied von Theaterbühne

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Harald Frommer (Mitte) und Gabriele Frommer (rechts ) nehmen Abschied von der Bühne. Als Gast mit dabei: Autor Felix Huby (vorne links). Im Hintergrund stehen (von links) Roland Eisele, Beate Meyer-Pick und Klaus Andreae. Foto: Olowinsky Foto: Schwarzwälder Bote

Am Anfang eines Krimis steht eine Tat, dann folgt die Arbeit eines Kommissars, der nach und nach den Fall ermittelt und erst am Schluss weiß auch das Publikum, wer die Tat begangen hat und warum.

Schramberg. Soweit der klassische Krimiverlauf, die Theaterwerkstatt Schramberg hat allerdings bei ihrem derzeitigen Programm einen anderen Weg gewählt und dazu einen besonderen Autor gefunden: Felix Huby, dessen Werke in den vergangenen Jahren schon zwei Uraufführungen in Schramberg erlebt hatten.

In diesem Jahr fiel nun die Wahl auf sein Kriminalstück "Mord im Morgengrauen", das den Zuschauer von Anfang an über den Tathergang in Kenntnis setzt, die wahren Hintergründe und Verknüpfungen der Beteiligten jedoch bis zum Schluss nicht eindeutig erkennen lässt.

Die Theaterwerkstatt hat unter der Regie von Harald und Gabriele Frommer in Zusammenarbeit mit dem gesamten Ensemble wieder eine hervorragende Inszenierung auf die Bühne gebracht.

Vor 34 Jahren hatten die beiden gemeinsam mit Familie Andreae die Theaterwerkstatt gegründet und seither 25 Stücke auf die Bühne gebracht. Mit dieser letzten Inszenierung verabschiedet sich das Ehepaar Frommer aus der aktiven Theaterarbeit und übergibt die erfolgreiche Theaterwerkstatt in jüngere Hände, an Roland Eisele.

Origineller Einstieg

Noch sind die beiden aber "im Dienst" bei den derzeit gebotenen Aufführungen, in die sie all ihre Theatererfahrungen und Ideen mit einbrachten. Schon überraschend der originelle Einstieg, ein Video, gedreht von Jonas Andreae in Schrambergs Umgebung, über den Tathergang, den Mord im Morgengrauen. Wer glaubte, auch zu wissen, dass jetzt eigentlich alles klar sei, der erlebte im Laufe des Abends so manche Überraschung.

Kauziger Kommissar

Da war zunächst der kauzige Kommissar Ernst Bienzle, der mittlerweile durch Tatortkrimis bekannt gewordene schwäbische Ermittler, der auf seine ganz eigene Art den Tatverdächtigen auf die Spur kommt. Gerhard Ruoff war in dieser Rolle wieder einmal ganz in seinem Element. Er verkörperte hautnah diesen eigentlich eher gelassenen Ermittlertyp, der die Tatverdächtigen genau beobachtete und ruhig analysierte, wenn es drauf ankam, aber auch herrlich schwäbisch-polternd gewaltig aus der Haut fahren konnte. Da wurde niemand verschont, auch nicht die aktuelle Sicherheitspolitik des Landes, die ihm das Ermitteln schrecklich erschwere.

Autor Felix Huby zu Gast

Felix Huby, der bei der Premiere anwesend war, gestand, beim Schreiben der Figur an eine Person wie Ruoff gedacht zu haben. Im Mittelpunkt der Ermittlungen standen Amelie Rombach, deren Mann zu Anfang erschossen wurde. Beate Meyer-Pick hatte da so allerhand auf Lager, wie sich wohl ein trauernde Witwe zu verhalten habe, und verblüffte am Schluss mit einer noch ganz anderen Seite.

Auch Lara Kiolbassa zeigte als Kathrin Lehmann unterschiedliche Aspekte ihres Wesens. Die Rolle einer begabten Mathematikerin, die aber auch menschliche Beziehungen raffiniert berechnen konnte, nicht nur gegenüber dem Kollegen Udo Retzlaff.

Lars Bornschein überzeugte als dieser junge, ehrgeizige Forscher, dem nichts und niemand zu schade war, um seine hochtrabenden Pläne zu verwirklichen, auch nicht die Gefühle anderer. Ihm anfangs überlegen sein Chef, Professor Eduard Dichgans, der seine Position durch den Mord gefährdet sah. Roland Eisele hatte so manche Allüren auf Lager, den herrischen Boss, den coolen zukunftsorientierten Unternehmer im Interview mit einem Reporter (Martin Himmelheber), aber auch den aufbrausenden, ebenfalls ehrgeizigen Forscher, der allerdings im "Nahkampf" mit seinem Kollegen Retzlaff den Kürzeren zog. Besonders gelungen war die handfeste Bücher-Schlacht der beiden Physiker, die eigentlich ihre Kämpfe sonst digital ausfechten.

Und da tauchte plötzlich noch Elaine Faber (Karin Eichenlaub) auf, eine manierierte Galeristin mit großen künstlerischen Ambitionen, auch sie hatte unter ihrer eher arroganten Maske noch ein ganz anderes Gesicht. Ebenso ihr Mann Cornelius Faber (Klaus Andreae), von Anfang an bekannt als Täter, der aber am Ende doch alle noch so cleveren Pläne der Beteiligten durchkreuzte.

Mit dieser raffinierten Enthüllungsgeschichte, in der nur Bienzle die richtigen Fäden zusammenfindet, wurde das Publikum zwei Stunden spannend im Glauben gelassen, alles durchschaut zu haben, aber am Ende kam es dann doch anders.

Zum Erfolg des Stückes trugen auch das Bühnenbild (Edgar Brändle), Licht und Ton (Silvia Hartmann und Matthias King) sowie die Maske (Salon Gabi, Sulgen) bei, alle seit Jahren treue Wegbegleiter der Theaterwerkstatt.

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