"Singen macht Spaß". Bei der gleichnamigen Veranstaltung im Bärensaal traten alle beteiligten Chorklassen auf. Foto: Musikschule Foto: Musikschule

Kooperationsprojekt wird heute vorgestellt. Sponsoren und Stadt bieten Unterstützung. Alle Partner profitieren.

Schramberg - Das aus einem Pilotprojekt entstandene Konzept "Musizieren in Schramberg" hat sich bewährt. Das ist das Ergebnis eines Evaluationsberichtes, der heute dem Verwaltungsausschuss des Gemeinderats vorgestellt wird.

Singen macht nicht nur glücklich, sondern auch schlau. Studien ergaben: Kinder, die singen, entwickeln sich sprachlich schneller, zeigen ein besseres Sozialverhalten, sind konzentrierter, fröhlicher und sogar gesünder. Als Bestandteil des Fächerverbunds Mensch, Natur und Kultur (MeNuK) werde "der Musikunterricht an den Rand der Stundentafel gerückt", bedauert Heinrich Hoffmann, Schulleiter der Schramberger Musikschule. Zudem wird Musik oft fachfremd unterrichtet – obwohl die Arbeit mit Kinderstimmen laut Hoffmann zu den "anspruchvollsten Aufgaben innerhalb der Vokalpädagogik" gehört. Die Idee lag nahe, dass Fachkräfte der Musikschule an Grundschulen ihr Know-how weitergeben.

In einem kleinen Rahmen wird das so schon lange praktiziert: Mit der Peter-Meyer-Förderschule kooperiert die Musikschule seit vielen Jahren. Der von der Musikschule gestaltete Chorunterricht "zeigt, wie Schüler mit besonderem Förderbedarf gesellschaftliche Teilhabe kennenlernen können", lobt Schulleiter Michael Kasper die Zusammenarbeit. Um nach der Abschaffung des Faches Musik zu gewährleisten, dass die musikalische Ausbildung der Schramberger Grundschüler nicht zu kurz kommt, entwickelte die Musikschule, auf ihren Erfahrungen mit der Peter-Mayer-Schule basierend, ein Konzept, das im Februar 2011 mit dem Start der Pilotphase "Musizieren in Schramberg" realisiert wurde.

Fachlehrer der Musikschule unterrichteten an Schramberger Grundschulen Chorklassen. Finanzielle Starthilfe leistete die Bürgerstiftung der Stadt Schramberg und Sponsoren. Das Projekt war so erfolgreich, dass alle Kooperationspartner eine dauerhafte Fortführung befürworteten, obwohl die Zusammenarbeit mit den Schulen Neuland gewesen sei, so Hoffmann. "Wir sind stolz und dankbar, dass sich die vertrauensvolle Arbeit mit den Schulen und Vereinen so gut bewährt hat, dass alle Beteiligten von den Synergieeffekten der Kooperation maximal profitieren", freut sich der Musikschulleiter als einer der Hauptverantwortlichen des Projekts.

Besonders die Tatsache, dass die Schulleiter der Schramberger Grund- und Förderschulen die "Externen" während der regulären Schulzeit unterrichten lassen, sei "ein besonderer Ansporn", so Hoffmann.

Seit drei Jahren stellen die Fachlehrer der Musikschule ihr "Know-how" den hiesigen Grundschulen zur Verfügen – lediglich die Berneckschule sei mit Musiklehrern so gut aufgestellt, dass sie keiner Unterstützung bedürfe. In den ersten und zweiten Klassen wird mit den Kindern gesungen, ab der dritten Klasse wird das Musizieren auf Blockflöten gelehrt. Der Unterricht ab der vierten Klasse zielt darauf, den Schülern das Erlernen eines Instrumentes näher zu bringen.

Spätestens dann kommen die örtlichen Musikvereine ins Spiel, die diesen Prozess begleiten und unterstützen, auch, indem sie Leihinstrumente zu Verfügung stellen. Ohne den dauerhaften Kontakt zu den Musikvereinen sei das Projekt nicht möglich, so Hoffmann. Wenn Kinder in der Schule ein Instrument erlernten, stünden die Chancen gut, dass sie sich auch in den Musikvereinen engagierten. Allen, die sich an dem Projekt beteiligen, sei zu Danken: Der Stadt, den Sponsoren, den Schulleitern, den Lehrkräften der Schulen und Musikschulen, der Verwaltungsleitung und den Mitgliedern der Gremien, Oberbürgermeister Thomas Herzog, Arnhold Budick und Rudi Huber. "Wir werden mit diesem Modell überregional wahrgenommen", freut sich Hoffmann.

In der heutigen ersten Sitzung des Gemeinderats nach der Sommerpause wollen der geschäftsführende Schulleiter der GWRS Gerhard Nöhre und Heinrich Hoffmann, Leiter der Musikschule Schramberg, den Evaluationsbericht vorstellen, um die weitere Finanzierung sicherzustellen. Der jährliche Finanzierungssumme von rund 19  000 Euro wurde bisher mit 41 Prozent aus den Budgets der Schulen, 44 Prozent von der Musikschule und Sponsoren sowie mit 15 Prozent von Land und Landkreis aufgebracht.

Hoffmann wird mit Nöhre das Modell am 26. September an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg vorstellen. Beim Landesverband der Musikschulen liegt zudem eine Anfrage der pädagogischen Hochschule Schwäbisch- Gmünd vor. Diese wird die Kooperation in zwei Klassen der Grund- und Werkrealschule Sulgen wissenschaftlich zu begleiten.

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