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Schramberg Mobilfunk: Die Angst vor 5G

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Für manche ist Mobilfunkempfang mehr Fluch als Segen. Foto: Fritsche

Schramberg-Sulgen - Auch im Raum Schramberg gibt es Menschen, die sensibel auf elektromagnetische Strahlung reagieren. Sie fürchten, dass sich ihr Leiden durch den künftigen 5G-Mobilfunkstandard verschlimmern wird.

Das Wohnhaus von Frau F. in Sulgen liegt circa 180 Meter vom nächsten Mobilfunkturm weg. "Wenn ich eine halbe Stunde im Garten liege, bekomme ich einen dröhnenden Kopf", berichtet sie. Ihr Bruder hat ihr ein Strahlenmessgerät besorgt: Im Garten zeigt es hohe Werte, im Wohnzimmer sind sie niedriger. "Die ersten beiden Etagen meines Wohnhauses habe ich mit Kohlefarbe abgeschirmt, sodass ich hier Ruhe habe", berichtet sie.

WLAN nutzt Frau F. nicht, weil sie spürte, dass "mir das nicht gut tat". Stattdessen ließ sie sich Netzwerkkabel legen. Aus diesem Grund meidet sie inzwischen Hotspots. Sind bei Arbeitstreffen Handys in ihrer Umgebung, hat sie Aufmerksamkeitsstörungen, körperliche Unruhe und Unwohlsein sowie Kopfdruck. "Die Elektrohypersensitivität (EHS) nimmt bei mir zu, meine inneren Sensoren schlagen schneller an", nimmt F. wahr. Fahrten in Bussen oder Zügen meidet sie, da die meisten Mitreisenden mit Handys hantieren, genauso größere Menschenansammlungen: "Ich bin inzwischen wie auf der Flucht."

Bei Fahrten auf der Autobahn setzt sie ein Tuch mit Silberanteil zum Abschirmen auf. "Die Reaktionen meiner Zeitgenossen reichen von staunen, nicht ernst-genommen-werden bis zu seltsamen Blicken nach dem Motto: Tickt sie noch richtig? Es gibt aber auch Verständnis und Nachfragen." WLAN werde oft ausgemacht und das Handy auf Flugmodus gestellt. "Was mich aber sehr beunruhigt ist, dass 5G-Mobilfunk die Strahlung noch verdoppeln wird."

Bis Jahresende will die Telekom rund 300 5G-Antennen, beginnend in Berlin und Bonn, an mehr als 100 Standorten in Betrieb nehmen. Erste Geräte und passende Tarife für 5G sind ab sofort verfügbar. Was technikaffine Menschen begeistert, lässt elektrosensible schaudern.

Funkloch ersehnt

Zu denen gehört auch die Naturwissenschaftlerin B., die in einer Nachbargemeinde von Schramberg lebt. Von 2002 bis 2006 wohnte sie in Freiburg, 150 Meter entfernt von einem Hochhaus mit 25 Sendeantennen. Da hätten die Beschwerden (Infektanfälligkeit, Nackenschmerzen) angefangen. Bei Aufenthalten auf dem Land waren diese weg. So zog sie in ein Funklochtal im Schwarzwald und es ging ihr gut. Eine neue Stelle erforderte den Umzug in einen Ort mit großem Funkmast: Die Beschwerden kehrten zurück – also wieder Umzug in ein anderes Funklochtal.

Wegen eines "Smartphonepärchens" mit WLAN zog sie dort wieder aus und fand das senderfreie Dorf in der Nähe von Sulgen. Aber jetzt habe die Gemeinde beschlossen, einen Funkmasten einige hundert Meter von ihrer Wohnung entfernt aufzubauen. Abschirmmaßnahmen seien für sie als Mieterin weder mach-, noch finanzierbar. So wird sie erneut umziehen müssen. "Der in ihrer Auswirkung auf Lebewesen wissenschaftlich noch nicht untersuchten 5G-Technologie sehe ich nicht nur mit Bauchweh, sondern mit großer Angst entgegen", erklärt sie. Sie wünscht sich, dass sich die Grünen politisch mehr mit dem Thema beschäftigen.

Frau M., die ebenfalls in Sulgen lebt, müsste umziehen, kann das aber nicht so schnell, weil sie in einer Eigentumswohnung lebt. Vor drei Jahren ist sie dort eingezogen, 500 Meter vom Funkmasten am Etterbrunnen entfernt. Anfangs habe sie öfters Kopfschmerzen und Schwindel gehabt. Als vor einem halben Jahr ein Pärchen mit WLAN ins Haus gezogen sei, wären Tinnitus, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck dazugekommen. "Für mich ist der Zustand belastend. Meine Wohnung ist eine Eigentumswohnung, die ich nicht gerne verkaufen möchte, weil ich mich hier wohlfühle", klagt sie.

Strahlung von zwei Seiten

Ähnlich geht es Frau H.: Sie kann nicht ohne Weiteres von Sulgen wegziehen, weil sie im eigenen Haus wohnt. Ihre Probleme fingen 2001 an, als in der Nachbarschaft mehrere Sendemasten auf einem Fabrikgebäude installiert wurden. "Seitdem habe ich gesundheitliche Probleme. Es fühlt sich in meinem Kopf an, als wären 1000 Ameisen drin. Mir wird schlecht, ich fange an zu zittern und ich bekomme unsagbaren Schwindel mit Herzklopfen. Mein Blutdruck steigt sofort", berichtet sie.

Eine Nachbarin hatte die gleichen Symptome, die verschwanden, als sie wegzog. 2010 wurden weitere Sendemasten in der Nähe aufgestellt. "Seither werden wir von zwei Seiten zwangsbestrahlt." Seit einigen Jahren könne sie nur noch unter einem Spezial-Abschirmbaldachin über dem Bett gegen die Funkwellen schlafen. Sie bemängelt, dass die Grenzwerte nirgends so hoch seien wie in Deutschland. "Mit der neuen 5G-Technik haben wir eine unsichtbare Strahlenwaffe, ein Overkill gegen Menschen und Tiere", sorgt sie sich.

Offene Fragen ergeben sich aus der Tatsache, dass mit steigenden Datenübertragungsmengen mehr Sendeanlagen benötigt werden, stellt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) fest. Dabei handle es sich nicht um ein 5G-spezifisches Problem. Auch heute schon kämen an Plätzen mit hoher Nutzerdichte sogenannte "Kleinzellen" (ortsfeste Sendeanlagen für einen kleinen Versorgungsbereich) zum Einsatz.

Mit der Einführung von 5G werde dies zunehmen. Diese Kleinzellen würden zwar eine geringere Sendeleistung haben, gleichzeitig aber näher an Orten betrieben werden, an denen sich Menschen aufhalten. "Wie sich dies darauf auswirken wird, in welchem Maße die Bevölkerung der Strahlung ausgesetzt sein wird, kann noch nicht abgeschätzt werden. Es ist davon auszugehen, dass die Streubreite möglicher Expositionen zunehmen wird".

Das BfS werde Forschungsvorhaben zu möglichen Wirkungen der Frequenzbereiche vergeben.

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