So soll’s aussehen: Vertreter von Stadt, Gemeinderat, Ärzteschaft und Projektentwickler enthüllten die Transparente fürs Medzentrum in der Talstadt (Bild) und das Projekt in Sulgen. Foto: Rath

Arztversorgung: Elf-Millionen-Projekt soll im April starten. Zweites Praxis-Gebäude in Sulgen. Keine Klinik.

Schramberg/Sulgen - Dickes Päckchen schon kurz vor Weihnachten: Schramberg soll gleich zwei neue Ärztehäuser bekommen – ein kleineres in Sulgen am Kirchplatz, ein großes in der Talstadt auf dem ehemaligen Carl-Haas-Gelände.

Beide Projekte sind bereits weit gediehen, Baustart soll im kommenden Frühjahr sein. Gestern enthüllten Vertreter von Stadt, Gemeinderat, Ärzteschaft und Projektentwickler die Info-Transparente an beiden Standorten. Für OB Thomas Herzog war’s ein guter Tag für die Stadt, wenngleich das Medzentrum keine Klinik ist: Eine ambulante medizinische Versorgung mit Zukunft in Schramberg sicherzustellen, sei lange Zeit "virulentes Thema" gewesen. Der Gemeinderat habe mit der Entscheidung, für das Medzentrum "Profis" an Bord zu holen, "einen Volltreffer gelandet". Das Vorhaben sei "bislang mehr als gut gelungen". Er hofft, dass "ein Ruck durch Schramberg geht".

Projektplaner nehmen Rücksicht auf Nachbarn

Diese Auffassung vertrat auch Alexander Bechtler, Fachanwalt für Medizinrecht von der Kanzlei Hahne, Bechtler und Partner mit Sitz in Gießen (Hessen). Sie managt die beiden Projekte in der Stadt. Seit 15 Monaten ist die Kanzlei dran, hat seither zahllose Gespräche geführt, vor allem mit allen niedergelassenen Ärzten in der Stadt. Jetzt ist ein neues Etappenziel erreicht: Die beiden Trägergesellschaften seien gegründet und mit dem notwendigen Eigenkapital ausgestattet, der Kaufvertrag für die beiden Grundstücke sollen noch in diesem Jahr notariell beurkundet werden. Mit der Stadt ist die Kanzlei handelseinig, das Brachenareal an der Lauterbacher Straße werde zu "marktüblichen Preisen" an die Investoren verkauft, so der OB.

Die Genehmigungsplanung sei bei den Behörden eingereicht, sämtliche Mietverträge seien unterzeichnet – mit einer Ausnahme: Offen ist noch, welche Apotheke im Medzentrum Talstadt einzieht. Laut Bechtler gebe es mehrere Interessenten. Ansonsten könne das Projekt in der Talstadt voll ausgebucht starten. Alle örtlichen Fachärzte zögen in das Medzentrum, mit Ausnahme eines Orthopäden. Auch einige Hausärzte wollen an ihren jetzigen Praxisräumen bleiben. Bechtler findet’s gut, es gebe eine Mischung aus zentraler und dezentraler Versorgung. Er hält einen Baustart im April bei beiden Projekten für realistisch. "Die Ampel steht noch nicht ganz auf grün, aber auf rot-gelb. Das ging bislang verdammt schnell", so Bechtler. Dies liege daran, dass die Kanzlei nicht nur bei Stadt, Kommunalpolitik und Ärzten, sondern "praktisch überall" in Schramberg "auf Wohlwollen und offene Arme" stoße.

Der Neubau in Sulgen soll sich optisch an die angrenzende Ortho-Klinik gegenüber der Alten St.-Laurentius-Kirche anpassen. Beim Neubau in der Talstadt kommen die Investoren den Anliegern entgegen: Laut Bechtler soll das Medzentrum um ein Vollgeschoss niedriger gebaut werden; Nachbarn hatten sich beklagt, sie bekämen sonst keine Sonne mehr. Bechtler sagt, die Kanzlei setze auf einvernehmliche Lösungen und kündigt an, Stadt, Partner und Öffentlichkeit weiterhin auf dem Laufenden zu halten. Wer will, kann sich per Handy über eine App "Lynxeo" informieren, die Nutzer des Programms auf dem Mobiltelefon blieben anonym, Daten würden keine abgeschöpft.

Außerdem werde am Medzentrum Talstadt "viel, viel Parkraum" geschaffen, kündigte der Anwalt an. Geplant sind eine Tiefgarage und ein Parkdeck. Die genaue Stellplatz-Zahl wolle er noch nicht nennen, es seien aber weit mehr als 100. Apropos Parkplätze: OB Herzog verwies darauf, dass Dauerparker und Berufspendler nach dem Bau weiterhin kostenlose Parkplätze auf dem Junghans-Areal Geißhalde vorfänden.

Die Kanzlei ist zuversichtlich, dass das neue Modell funktioniert und langfristig trägt. Es sei für Nachwuchs-Medizinier interessant, ein neuer Kinderarzt sei schon für die Stadt gewonnen worden. Er trete zum 1. Juli 2016 die Nachfolge in Schramberg an. Die Zusammenarbeit mit der Helios-Klinik Rottweil ist in die Wege geleitet, auch in der Raumschaft und in Freiburg mit der Uni-Klinik stoße das Projekt auf "Interesse".

Weitere Informationen: http://www.medzentrum-schramberg.de

Schramberg:

Das Medzentrum in der Talstadt besteht aus zwei Komplexen. Bau von Gebäude eins mit 2730 Quadratmetern Gesamtfläche soll im April starten und im Juni 2017 eröffnet werden. Die Praxen und medizinnahen Dienstleister: sechs bis sieben Hausärzte, ein Internist, ein Kardiologe, das Medizinische Versorgungszentrum von Helios, ein Hautarzt, ein Kinderarzt, ein Urologe, ein Gynäkologe, ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt, eine Praxis für Physiotherapie sowie eine Apotheke. Trakt zwei soll 2018 folgen, mit Schwerpunkt auf Zahnärzte. Veranschlagt ist eine Investitionssumme von elf bis zwölf Millionen Euro.

Sulgen:

In Sulgen soll ein Neubau (530 Quadratmeter) mit Platz für bis zu vier Hausarzt-Praxen und einer Apotheke entstehen, gestartet werde mit zwei Praxen. Der Bau soll ebenfalls im April beginnen und in sieben Monaten fertiggestellt sein. Investiert werden 2,7 Millionen Euro. Das Ärztehaus in Sulgen, einst vom tödlich verunglückten Rottweiler Arzt Friedrichs geplant, ist eigenständiges Projekt, um die wohnortnahe Versorgung der Patienten dort sicherzustellen. Die Ärzte sollen aber mit dem Medzentrum Talstadt kooperieren. Bis 2018 ist ein drittes Haus im "Ärztecampus Sulgen" geplant.