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Schramberg McDonalds im Schießäcker?

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550 Interessierte verfolgten die Vorstellungs- und Fragerunde der Oberbürgermeister-Kandidaten in Sulgen. Fotos: Herzog Foto: Schwarzwälder Bote

Wer künftig die Stadt Schramberg als Oberbürgermeister führt, ist auch in Sulgen äußerst wichtig. Nachdem zur Runde eins der Bewerber-Vorstellung etwa 600 Besucher in den Bärensaal strömten, waren es rund 550 am Mittwoch in der Festhalle Sulgen.

Schramberg-Sulgen. Obwohl sich die Vorstellungsinhalte der Kandidaten nur unwesentlich anders anhörten als in der Talstadt, bot sich den Interessierten diesmal ein anderes Bild. Dies stellte nicht nur Gemeindewahlausschuss-Vorsitzender Jürgen Winter hinterher fest. Er wies darauf hin, dass in elf Tagen die Entscheidung anstehe und an dieser jeder wahlberechtigte Schramberger mitwirken könne. Der heutige Besuch werde für die Wähler ein Vorteil beim Gang zur Urne sein, bedankte sich Winter für das zahlreiche Erscheinen trotz tropischer Temperaturen.

Dorothee Eisenlohr zeigte sich nach 15-minütiger Redezeit erleichtert, dass sie noch ein wenig ins Publikum plaudern konnte. Ihr gehe es um Wertschätzung, um Offenheit und frische Ideen. Im Falle einer Wahl verspreche sie, ehrlich und authentisch zu sein und "unglaublich viel Herzblut" einzubringen.

Dirk Caroli als zweiter Redner musste sein Schlussplädoyer deutlich straffen, nachdem ihm Fachbereichsleiter Uwe Weisser angezeigt hatte, dass er nur noch eine Minute hat. Im Bärensaal dagegen hatte Caroli Zeit übrig gehabt.

Amtsinhaber Thomas Herzog wusste als letzter Kandidat, dass sich die Zuhörer aufgrund der herrschenden Schwüle nach der Pause sehnten. Er bat um Verständnis, dass sie sich noch um exakt 20 Minuten gedulden mussten. Wie er abschließend feststellte, lägen noch viele Aufgaben vor ihm. Darüber sei er sich bewusst und dies motiviere ihn.

Bevor die einstündige Fragerunde im Dialog mit den drei Kandidaten durch Henry Aberle eröffnet wurde, wiederholte Moderator Winter die Klarstellung vom Montag im Bärensaal, wonach nur Bürger Fragen stellen dürften, die in Gesamt-Schramberg wohnen. Sie sollten so gestellt werden, dass sie von allen drei Bewerbern in regelmäßigem Wechsel der Reihenfolge beantwortet werden können.

Aberle wollte von dem Trio wissen, wie sie die Einnahmesituation der Stadt verbessern wollen. Eisenlohr versicherte, sie wolle nicht erneut die Gewerbesteuer erhöhen. Mit dem Einfordern von Fördermitteln und durch Neuansiedlungen von Betrieben könnten die Finanzen aufgebessert werden.

Caroli stellte fest, dass Schramberg den höchsten Hebesatz im gesamten Landkreis Rottweil habe. Wenn Anreize geschaffen werden, blieben bisherige Unternehmen dem Standort treu und neue siedelten sich an. Investoren zu finden sei nicht das Problem, die Folgekosten seien entscheidend.

Herzog räumte ein, die Stadt habe in den vergangenen Jahren genug an der Steuerschraube gedreht. Bevor jedoch neue Betriebe ansiedeln könnten, müsse die Stadt Flächen anbieten, die sie noch nicht habe. Aber mehr Einwohner brächten auch mehr Geld in die Stadtkasse.

Franz Rapp (Lehrer i. R.) stellte gleich drei Fragen auf einmal. Er hatte Bedenken, dass die Talumfahrung erst in circa 20 Jahren realisiert wird. Er wollte deshalb wissen, was die Kandidaten tun würden, wenn sich in der Zwischenzeit die Bundesregierung personell und die Mobilität veränderten und ob es einen Plan B gebe, wenn die Umfahrung nicht kommt. Caroli zeigte sich überzeugt, dass in 20 Jahren ein anderer Verkehr herrsche. Wie der aussehe, könne er nicht vorhersagen. Nach seinem Kenntnisstand befinde sich die Talumfahrung in der Planungsphase. Er hoffe, dass es deshalb keine zwei Jahrzehnte bis zur Umsetzung daure und er mit seinem Netzwerk dazu beitragen könne, dass es schneller gehe.

Wie der Individualverkehr in 20 Jahren aussehe, gleiche einem Blick in die Glaskugel, so Herzog. Auch mit E-Autos werde man einen Verkehr haben. Von Berlin gebe es die Zusage, dass alles, was im vordringlichen Bedarf sei, abgearbeitet werde. Daran ändere sich bei einer anderen Regierung nichts. Schramberg habe viel Zeit durch zahlreiche Trassenvorschläge verloren. Jetzt sei das Regierungspräsidium Freiburg am Zug. Wenn die Umfahrung nicht komme, werde es keine andere Möglichkeit geben, als die Häuser in der Oberndorfer Straße für eine zweite Trasse zurückzubauen.

Laut Eisenlohr ist die Innovationsgeschwindigkeit enorm hoch. In 20 Jahren werde es eine andere Mobilität geben, aber weiterhin Staus. Für junge Menschen sei das Auto nicht das Wichtigste. Sie wollten wissen, wie sie schnell von A nach B kämen. Carsharing könnte eine Lösung sein. Bei der Umfahrung habe das Regierungspräsidium den Ball in der Hand und es gehe voran. Auch wenn es in Berlin andere Politiker gebe, was sie hoffe, könnten die nicht einfach anders entscheiden. Sich einen Plan B auszudenken, werde die Aufgabe der Verwaltung sein.

Maria Pascual erinnerte an die Krankenhaus-Camedi-Affäre, in der ihrer Ansicht nach Herzog das Vertrauen der Bürger in die Verwaltung stark beschädigt habe. Sie stellte die Frage, wie dieses verloren gegangene Vertrauen zurückgewonnen werden könne. Herzog konterte, sein Vorgehen habe keinen Vertrauensverlust bedeutet. Grundstücksgeschäfte würden immer nichtöffentlich behandelt. Camedi sei ein Ausnahmefall gewesen, ansonsten habe man viele andere Projekte erfolgreich umgesetzt.

Vertrauen werde gewonnen, so Eisenlohr, wenn man die Menschen mitnehme und ihnen zuhöre. Die Anliegen der Bürger müssten ernst genommen und auf Anfragen und Anrufe rasch reagiert werden.

Für Caroli waren Offenheit und Transparenz das Wichtigste. Man könne bestimmt viel mehr Themen öffentlich statt nichtöffentlich beraten und die Bürger über die Medien informieren.

Jochen Buhr wollte von den drei Bewerbern drei Schlagworte wissen, die die Bürger in acht Jahren über sie sagen werden. Eisenlohr: "S‘isch a Guate." Caroli: "Er hat das erreicht, was er versprochen hat." Herzog: "Es wurde mit dem Gemeinderat das umgesetzt, was er in der Vorstellung vorgelesen hat."

Ralf Brändle bat um Vorschläge, wie Jugendliche in der Stadt gehalten werden können. Caroli betonte, nicht nur mit großen, auch mit kleinen Projekten könne dies gelingen. Der Jugend müsse eine Stimme, beispielsweise in einem Jugendgemeinderat, gegeben werden. Dann könnten sie sagen, was sie bräuchten.

Herzog korrigierte seinen Herausforderer, da in Schramberg der Jugend bereits Gehör verliehen werde. Deren Wunsch nach einem Event-Kino habe sich nicht realisieren lassen, ein zweiter, die Ansiedlung eines Fastfood-Restaurants, sei im potenziellen Gewerbegebiet Schießäcker auf der Heuwies möglich. Um sie zu halten, brauche es vor allem attraktive Arbeitsplätze.

Bei McDonalds stimme sie Herzog zu, wusste Eisenlohr von den Wünschen der Jugendlichen. Mit der Ansiedlung einer Hochschule, wie in ihrem Wahlprogramm beschrieben, könnten junge Menschen am Ort gehalten werden. Auch freies WLAN sei der Jugend wichtig.

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