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Schramberg Maria in zwei gegensätzlichen Darstellungen

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Die Zeichnung "Schramberger Marien" von Uwe Rettkowski aus dem Jahr 2019, die jetzt in der Serie "Postkarten des Stadtarchivs und Stadtmuseums Schramberg" erscheint Foto: Stadtarchiv/Stadtmuseum Foto: Schwarzwälder Bote

Die "Schmerzhafte Muttergottes" und die "Schutzmantelfrau" sind auf einer neuen Postkarte des Stadtmuseums vereint. Sie erscheint zum Patrozinium "Mariä Himmelfahrt" der katholischen Stadtpfarrkirche.

Schramberg . Der Grafiker und Illustrator Uwe Rettkowski hat für die Serie "Postkarten des Stadtarchivs und Stadtmuseums Schramberg" bereits einige Zeichnungen geschaffen. Zum Patrozinium Mariä Himmelfahrt der katholischen Stadtpfarrkirche erscheint morgen, Donnerstag, 15. August, ein neues Motiv.

Zum Patrozinium der 175 Jahre alt werdenden katholischen Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt erscheint am Donnerstag eine neue Postkarte, auf der zwei außergewöhnliche Kunstwerke in Schramberg zu sehen sind. Unter dem Titel "Schramberger Marien" begegnen sich die "Schutzmantelfrau" des aus Schramberg stammenden und später in Rottweil lebenden Künstlers Siegfried Haas (1921 bis 2011) aus dem Jahr 1987 und die "Schmerzhafte Muttergottes" aus der Falkensteiner Kapelle aus der Zeit um 1515, die Heinrich Adrion (1926 bis 2016) dem Bildhauer Conrad Rötlin (geboren um 1460, gestorben 1519) aus Rottweil zugeschrieben hat.

Die beiden Darstellungen könnten nicht gegensätzlicher sein. Auf der einen Seite ein Gesicht voller Hoffnung, auf der anderen Seite ein Gesicht voller Schmerz – zwei Pole einer Person und eines Schicksals. Die beiden Plastiken nehmen in der Geschichte der christlichen Kunst einen besonderen Rang ein.

"Schutzmantelfrau"

Die "Schutzmantelfrau" wurde im Jahr 1995 von den Eheleuten Albert und Ilse Bäumer, die Siegfried Haas freundschaftlich eng verbunden waren, der Großen Kreisstadt Schramberg als Dauerleihgabe überlassen. Vor dem Zwiebelturm der alten Pfarrkirche – einem Schramberger Wahrzeichen – hat sie direkt am Kirchenbach einen sehr guten Platz erhalten.

Im Jahr 2008 schrieb Albert Bäumer in einer Betrachtung über das Kunstwerk: "Es handelt sich um eine Marienstatue, die voll aus der christlichen Überlieferung schöpft und in ihr zu Hause ist. Und doch bricht sie zugleich dieses Erbe auf und verändert die übliche Sichtweise. Sie ist keine traditionelle Madonna unter dem Schleier. Sie verbirgt nicht ihren ›weltlichen‹ Körper, als müsse sie ihn vor Begierde schützen. Sie ist selbstverständliche natürliche Ganzheit von Leib und Geist, von Ruhe und Spannung, von Andacht und Entschlossenheit, von Spiel und Ernst. Die Figur ist ein in Bronze gegossenes Gleichnis."

"Schmerzhafte Muttergottes"

Die "Schmerzhafte Muttergottes" ist eine zentrale Figur in der "Falkensteiner Beweinung" in der Falkensteiner Beweinung. Der ursprüngliche Standort des Kunstwerkes ist nicht sicher bekannt. Es spricht aber viel dafür, dass es ursprünglich zur gotischen Ausstattung der Dominikanerkirche in Rottweil gehörte und bei deren Barockisierung seit 1753 entfernt wurde.

Das Kunstwerk befand sich jedenfalls schon vor der Anlage der Familiengruft der Grafen von Bissingen und Nippenburg im Jahr 1861 in der Falkensteiner Kapelle. Ob es freilich mit einem 1774 in Schramberg belegten "rare[n] h[eiligen] grab nach dem ynnsprugger modell" identisch ist, konnte noch nicht zweifelsfrei geklärt werden. 1980 würdigte der Kunsthistoriker Egon Rieble (1925 bis 2016), der langjährige Kulturreferent des Landkreises Rottweil, das Kunstwerk als "bedeutendste holzgeschnitzte Beweinungsdarstellung in der europäischen Kunst nördlich der Alpen".

In Dankbarkeit für das weitgehend gute Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die "Schmerzhafte Muttergottes vom Falkenstein" am 29. April 1945 von dem damaligen Kaplan Josef Hörner (1906 bis 2005) auch zur "Patronin" und zur "Schutzherrin der Stadt Schramberg" erhoben, was sie mit der "Schutzmantelfrau" verbindet.

Im Jahr 2015 hat das Stadtarchiv Schramberg zum ersten Mal eine Postkarte veröffentlicht und damit den Grundstein für die heutige Serie gelegt. Pro Jahr erscheinen drei bis fünf Postkarten, die historische Ansichten, Denkmäler oder Kunstwerke der Großen Kreisstadt Schramberg in den Blick rücken. Bei Bürgern und Sammlern erfreuen sich die Postkarten einer wachsenden Beliebtheit und machen als "Gruß aus Schramberg" auch Empfängern auf der ganzen Welt eine Freude.

Weitere Informationen: Die Postkarte wird im Anschluss an den Festgottesdienst (siehe Infokasten) von Museumsleiter und Stadtarchivar Carsten Kohlmann vorgestellt und an die Gottesdienstbesucher verteilt. Danach ist sie zum Preis von einem Euro beim Empfang im Stadtmuseum und beim Schriftenstand in der Sankt-Maria-Kirche erhältlich.

Morgen, Donnerstag, 15. August, wird das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel mit einem Festgottesdienst in der Kirche St. Maria gefeiert. Beginn ist um 10 Uhr. Stadtpfarrer Rüdiger Kocholl wird den Patroziniumsgottesdienst zelebrieren, die musikalische Gestaltung übernehmen Andreas Hettich, Trompete, Annika Kußberger, Pauken und Gesang und Kirchenmusikdirektor Rudi Schäfer an der Orgel.

Auch in Schramberg ist der Brauch der Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt noch sehr lebendig. Viele fleißige Hände aus der Gemeinde haben Blumen aus dem Hausgarten, Heilkräuter, Getreideähren zu einem bunten Kräuterstrauß zusammengebunden. Diese werden während des Gottesdiensts mit einem Segensgebet geweiht und dürfen anschließend von den Mitfeiernden mit nach Hause genommen werden.

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