Ortsvorsteherin Claudia Schmid und Rudolf Mager (von rechts) führten bei dem Spaziergang durch Waldmössingen. Fotos: Herzog Foto: Schwarzwälder Bote

Stadtspaziergang: Waldmössingen im Blick

Der Stadtspaziergang in Waldmössingen hat es wieder einmal verdeutlicht: Wenn Missstände behoben werden sollen, wird es ohne Kompromisse nicht gehen.

Schramberg-Waldmössingen. Zum Auftakt des Ortsspaziergangs hatte die Verwaltung in die Kastellhalle eingeladen, in der Bereichsleiter Rudolf Mager vom Fachbereich Umwelt und Technik die Vorgehensweise erläuterte. Überrascht zeigte sich Mager vom großen Interesse der Bürger. Die Verwaltung wolle möglichst viele Themen aufgreifen und Ideen sammeln. Dabei würden keine Festlegungen getroffen und es handle sich auch nicht um eine Planung.

Ziel sei eine lebenswerte Stadt und das betreffe alle Stadtteile. Als diskussionswürdige Themen nannte Mager unter anderem die Innenraumentwicklung und Perspektiven von Bauhof, Festplatz und Feuerwehr, Fortbestand der Kirchberghalle, Radwegekonzept nach Heiligenbronn und das Sport- und Freizeitzentrum Weiherwasen mit Erlebnisbauernhof.

Bei Letzterem zeigte Mager Möglichkeiten auf, wie durch Verlegung des Rasenspielfelds in die Fläche des Spielplatzes ein Tourismus-Zentrum mit neuer Zuwegung geschaffen werden könne, bei dem ein zentrales Parken an der Kastellhalle die bisherige Misere bei schönem Wetter lösen soll. Der Stadt stünden Grundstücke zur Verfügung, um die bisherige Anzahl der Stellplätze bei der Kastellhalle um 80 Prozent zu erweitern. Eventuell müsse mittels Poller geregelt werden, wer dann noch bis zum Sportheim fahren dürfe.

Da blies dem städtischen Vertreter vor Ort allerdings mächtig Gegenwind ins Gesicht. Carsten Miklosch als Vorsitzender vom SV Waldmössingen befürchtete, dass der Verein deutliche Einbußen bei der Vermietung des Sportheims haben werde, wenn Nutzer 200 Meter zu Fuß laufen müssten. Ein Anlieger der Weiherwasenstraße erboste sich, weil durch eine neue Zuwegung zu Fuß ins Freizeitgelände der Lärm nur verlagert werde und sein Haus an Wohnwert weiter verliere. Mager konterte sachlich, man stehe hier, weil alle wüssten, dass der Status Quo unbefriedigend sei. Es gebe immer ein Für und Wider. Am Anfang werde nie alles auf einmal passen. Deshalb sei er für gute Vorschläge dankbar.

Weitere Gestaltungsmöglichkeiten zur Aufwertung des Fußwegs entlang am Heimbach sah der Bereichsleiter beim Löschteich. Durch die Verlagerung des Bauhofs ins Gewerbegebiet Webertal böten sich mit der frei werdenden Fläche Chancen für neuen Wohnraum. Im Einklang mit Schlachthaus, Festplatz, Sportheim und Erlebnisbauernhof könne ein gastronomischer Tourismusweg entstehen, schilderte Mager seine Vision.

Zurück in der Kastellhalle sagte Manfred Hess, das Schaffen von Wohnraum anstelle des Bauhofs begrüße er. Allerdings befürchtete er, dass wenn Gartenfestplatz und Schlachthaus erhalten blieben, dies zu Problemen mit den Anwohnern führen könne. Da hätte er gerne Alternativen zum Fortbestand.

Franz Maurer schlug die Ausweisung eines zentralen Marktplatzes vor, damit nicht immer die Straße gesperrt werden müsse. Bernhard Hess erinnerte daran, dass auch die Ortsmitte einmal überplant werden sollte.

Eine Bürgerin beschwerte sich, dass nach wie vor Autos auf dem Radweg zum Spielplatz führen und wild gegrillt werde. Beim Berneckstrand reagiere die Stadt deutlich schneller. "Wenn das mal wieder der Fall ist, machen sie doch einfach Bilder und schicken sie diese uns. Dann haben wir etwas in der Hand", forderte Mager zur Eigeninitiative auf.

Ortsvorsteherin Claudia Schmid versicherte, die Missstände seien im Ortschaftsrat erkannt und besprochen worden. Das Thema werde bei der nächsten Ratssitzung am Montag, 2. Juli, nochmals beraten, wie kurzfristig da etwas geändert werden könne. Wie sie bekräftigte, habe es sich beim Ortsspaziergang um einen Prozess gehandelt, der die Multiplikatoren der Bürgerschaft zur Fortsetzung brauche.