Einige Änderungen dürfte es bei Kern-Liebers geben. Foto: Fritsche

Unternehmen will sich für Zukunft aufstellen. Maßnahmenpaket für weltweite Standorte. Betriebsversammlung im September.

Schramberg-Sulgen - Um die Unternehmensgruppe im schwierigen Marktumfeld zukunftsfest zu machen, konzentriert sich Kern-Liebers auf operative Verbesserungen, Veränderung der Strukturen und Anpassung der Gesamtstrategie.

Am Donnerstagvormittag informierte das Management der Kern-Liebers Firmengruppe alle Führungskräfte, auch die Geschäftsführer der ausländischen Tochterfirmen, Betriebsräte und Mitglieder des Wirtschaftsausschusses in der Sulgener Firmenzentrale über die Eckpunkte dieser drei Handlungsfelder der "Vorwärtsstrategie". Die Belegschaft war parallel dazu per Aushang informiert worden. Im September folgt eine Betriebsversammlung dazu.

Schon im Herbst 2018 hatte die Geschäftsführung auf die weltweite Wirtschaftsentwicklung reagiert und die Weichen für das "Projekt Zukunft" gestellt, das dann Anfang 2019 in allen weltweiten Standorten startete. Mehr als 100 Mitarbeiter machten dabei mit, unterstützt von der Beratungsfirma Roland Berger. "Wir wollen unsere Kosten und Prozesse verbessern und weltweit unseren Umsatz sichern und ausweiten, innovativer und schneller werden", formuliert Udo Schnell, Vorsitzender der Geschäftsführung, die Ziele des Projekts.

Seit dem Start hätten sich die ökonomischen Rahmenbedingungen dramatisch verändert: "Die Konjunkturprognosen werden im Wochentakt nach unten korrigiert und alle Elemente des sich abzeichnenden Abschwungs treffen unsere Unternehmensgruppe direkt und hart", erklärte Schnell. Aber die erste Phase des Projekts sei jetzt abgeschlossen und wie versprochen würden nun "die Eckpunkte unseres Plans" präsentiert.

Die Projektbeteiligten hatten eine Fülle von Maßnahmen erarbeitet, die dann vorgestellt wurden.

Operative Verbesserungen

Reduzierung der Sachkosten um 30 Prozent an allen Standorten und Reduzierung der Personalkoste, weltweit seien bereits 500 Stellen sozialverträglich abgebaut worden.

Der Standort Schramberg werde auch weiterhin eine zentrale Rolle spielen: "Eine erfolgreiche Gruppe braucht ein gut funktionierendes Stammwerk", erklärte Schnell. Das heiße aber auch, Schramberg müsse in Zukunft in jeder Hinsicht Maßstäbe setzen. "Wir werden deshalb das Stammwerk profitabler machen müssen."

Eine Reihe von Produkten ließe sich am Standort Schramberg wirtschaftlich nicht mehr herstellen. "Wir werden untersuchen, ob und wie sich die Produktkosten in Schramberg verbessern lassen, ob und wie wir höhere Preise erzielen können, ob wir in günstigere Standorte verlagern können, oder ob wir diese Produkte aufgeben müssen", erklärte Schnell.

Außerdem müssten neue, profitable Produkte akquiriert werden, die zu Schramberg passen, "vor allem technologisch hoch anspruchsvolle Produkte und mit hohem Automatisierungsgrad".

Strukturveränderungen

Die Produktion der Sicherheitsgurtfedern in Japan und Korea wird nach Thailand verlagert. Der Standort in Südchina wird geschlossen, die Standorte Taicang und Tianjin werden dafür ausgebaut. Zwei Werke im Süden der USA werden geschlossen, "weitere Optionen" im Nordosten Mexikos werden geprüft. Außerdem wird an einem neuen Führungsmodell für schnellere Entscheidungen und Nähe zu Märkten und Kunden gearbeitet.

Strategie

Die "diversifizierte Aufstellung und das breit angelegte Know-how" seien hervorragende Voraussetzungen, neue Wachstumsfelder in Non-Automotive-Bereichen, aber auch in den neuen Automotive-Trendfeldern zu erschließen.

Die Optimierung des Bereichs Textilmaschinenkomponenten, der zweitwichtigste nach dem Automotive-Bereich, soll intensiviert werden. Hans-Jochem Steim, der Vorsitzende des Verwaltungsrats und Gesellschafter, wird die Führung des Bereichs dabei unterstützen und sein Know-how über Märkte und Technik operativ miteinbringen.

Für ein straffes Projektmanagement wird Rolf Rickmeyer als Chief Restructuring Officer (CRO) ab dem 19. August für voraussichtlich zwölf Monate die vier Geschäftsführer der Kern-Liebers Firmengruppe bei der Umsetzung der vielen Maßnahmen ("eine Mammut-Aufgabe") unterstützen. Er hat alle Vollmachten, die weltweiten Maßnahmen umzusetzen. Rickmeyer habe sich bei anderen Unternehmen als Spezialist dafür bewährt.

"Wir bei Kern-Liebers haben oft genug gezeigt, dass wir zusammenstehen und anpacken, wenn es notwendig ist. Und wir werden das Projekt Zukunft in diesem Geiste zusammen meistern", ist Schnell überzeugt.

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