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Schramberg Industrialisierung startet im Jahr 1820

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Christa und Wolfgang Kühn haben dem Stadtmuseum bedeutende Exponate vermacht. Foto: Schwarzwälder Bote

Das Stadtmuseum hat eines der größten Geschenke in seiner 40-jährigen Geschichte erhalten – und zwar eine immense Sammlung von Produkten der ehemaligen Steingut- und Porzellanfabrik und späteren Majolikafabrik.

Schramberg. Übergeben haben diese Wolfgang und Christa Kühn aus Zell am Harmersbach. Im Stadtmuseum wird derzeit an der neuen Dauer-Wechsel-Ausstellung "Made in Schramberg" gearbeitet, mit der zum Jubiläum "40 Jahre Stadtmuseum" im Herbst die Brücke zwischen der Vergangenheit und Gegenwart der historischen wie modernen Industriestadt geschlagen werden soll.

Das Museumsteam hat bereits das Jubiläum "200 Jahre Majolikafabrik" im Jahr 2020 im Blick. Mit der Gründung einer Steingut- und Porzellanfabrik im Jahr 1820 – der späteren Majolikafabrik – begann das Zeitalter der Industrialisierung in Schramberg.

Der heutige Firmenpark ist mit seinem Gründungsjahr 1820 eines der ältesten Unternehmen in Baden-Württemberg. Das Stadtmuseum wird von Frühjahr bis Herbst 2020 in seiner Beletage eine Sonderausstellung zur Firmen- und Produktgeschichte zeigen. Dem "Dekor Rembrandt" – einem bis heute beliebten Schwarzwaldsouvenir – wird im Erdgeschoss eine eigene Präsentation gewidmet.

Im Stadtmuseum werden seit der Gründung 1979 auch Produkte der Keramikindustrie gesammelt. 1982 wurde eine Dauerausstellung eingerichtet. In der 40-jährigen Sammeltätigkeit ist ein Bestand zusammengekommen, der einen Überblick über die Vielfalt der Dekore und Formen vom Beginn im Jahr 1820 bis zu ihrer Stilllegung im Jahr 1989 gibt.

Authentische Marke

In den vergangenen Jahren konnte der Bestand durch Ankäufe aus der Sammlung von Karl-Eugen und Margitta Brinkmann aus Nordrhein-Westfalen ergänzt werden, die mit ihrem 2016 veröffentlichten Buch "Schramberg 1857-1912. Eine Keramikfabrik an der Schwelle zur Hochindustrie" auf der Grundlage jahrelanger Forschungen ein völlig neues Bild der Firmengeschichte ermöglicht haben.

Über Jahre haben die hauptamtliche Museumsmitarbeiterin Raphaela Schneider und die ehrenamtlichen Museumsmitarbeiterinnen Karin Becker (1946 bis 2015), Heide Esslinger, Erika Ramuschkat und Anne Roth die Objekte fotografiert und identifiziert. Den Blick ins Keramikmagazin erleben viele Gäste als Höhepunkt ihres Museumsbesuchs. Aus Altersgründen geben derzeit immer mehr Sammler Schramberger Industrieprodukte ihre Bestände ab. Für die Zukunft der Museumsarbeit in der Industriestadt eröffnen sich damit große Chancen, die es im Interesse einer authentischen "Marke Schramberg" zu erkennen und zu ergreifen gilt.

Zu dieser Sammlergemeinde zählt auch das Ehepaar Wolfgang und Christa Kühn aus Zell am Harmersbach, die mit dem Stadtmuseum Kontakt aufgenommen haben. Über vier Jahrzehnte sammelte das Ehepaar mit Kenner- und Leidenschaft Keramik aus dem Schwarzwald und spezialisierte sich auf Schramberg. Eine ähnlich umfangreiche Sammlung mit vollständigen Dekor- und Formenserien und herausragenden Spitzenstücken – einen wahren "Heimatschatz" der "Marke Schramberg" – hatte das Museumsteam bis dahin noch nicht gesehen.

Zum symbolischen Preis

Der Schwerpunkt liegt auf der Zeit, als die Steingut- und Porzellanfabrik von 1882 bis 1912 zu Villeroy & Boch gehörte, aber auch die Zeit der Majolikafabrik seit 1912 ist mit Dekoren der bekannten Designerin Eva Zeisel (1906 bis 2011) vertreten. Das Stadtmuseum kann die Sammlung – ein Entgegenkommen des Ehepaars – zu einem symbolischen Preis erwerben.

Die Liebe zur Schwarzwälder Keramik erwachte bei Wolfgang Kühn früh, da er in seiner Kindheit Vasen aus den Keramikfabriken in Schramberg und Zell am Harmersbach geschenkt bekam. Von seinen Großeltern erbte er ein 24-teiliges Service der Majolikafabrik, das er stets in Ehren hielt. Kühn ist Chemiker und promovierter Verfahrenstechniker und war als Gründer und Leiter des Technologiezentrums Wasser in Karlsruhe von 1991 bis 2010 mit Professorentitel ein weltweit gefragter Experte für Wasseraufbereitung und -reinhaltung.

Ihre Freizeit verbrachten Wolfgang und Christa Kühn über viele Jahre in einem Bauernhaus in Reichenbach bei Hornberg. Von dort aus war das Ehepaar oft zu Gesprächen mit Firmenchefin Julie Meyer und Museumsleiterin Gisela Lixfeld und zu Besuchen im Gasthaus Hirsch in Schramberg. In Reichenbach war auch die Keramiksammlung untergebracht, zuletzt aber in Zell am Harmersbach eingelagert.

Vier Jahrzehnte tätig

Im Grunde genommen waren Wolfgang und Christa Kühn über vier Jahrzehnte als "ehrenamtliche Mitarbeiter" fürs Stadtmuseum tätig. Zur Zukunft der Sammlung sagte Kühn: "Sie haben einen Professor, der für Sie geschafft hat. Machen Sie etwas daraus. Sie haben die Ressourcen, Sie haben Platz, wenn ich an die Reste der Fabrik denke, im Stadtmuseum, das ein Juwel ist, das eine Perle ist, das exklusiv bleiben muss und wird. Das ist der Kristallisationspunkt. Aber um die Breite von Schramberg zu zeigen, die zeigt man nicht im Keller und nicht auf dem Speicher. Da braucht man drei Dinge: Platz, Platz und nochmals Platz. Wenn Ihnen das gelingt, hat Schramberg gewonnen."

Ihre Redaktion vor Ort Schramberg

Stephan Wegner

Fax: 07422 9493-18

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