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Schramberg Immer das Herz auf dem rechten Fleck

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Karl Kühnle bei der Arbeit in seinem Friseursalon im Jahr 2019Fotos: Martin Windhab Foto: Schwarzwälder Bote

Wenn man von jemanden sagen kann, dass er ein echter Schramberger ist, dann ganz gewiss von Karl Kühnle, der heute 100 Jahre alt wird.

Schramberg. Der beliebte Mitbürger wird zu seinem Geburtstag zahlreiche Glückwünsche aus seiner Heimatstadt erhalten. Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr, die den ältesten Bürger der Kernstadt bereits am ersten Tag ihres Wahlkampfes kennen lernte, hat sich für einen Film von Gernot Roth zu seinem 100. Geburtstag eigens auf den Turm des Rathauses begeben, um ihm von dort aus ihre Glückwünsche zu senden.

Bis zu seinem 99. Lebensjahr wohnte er noch in seinem Elternhaus in der Hauptstraße, bis es nach Stürzen und Brüchen ratsam wurde, in das "Spittel" umzuziehen. Der Jubilar ist zwar nicht mehr ganz so beweglich wie früher, aber geistig nach wie vor sehr rege. In der "Corona-Zeit" kann er an seinem Geburtstag nur seine Tochter und deren Partner empfangen und es soll auch noch eine andere Überraschung für den Jubilar geben. Und viele weitere Freunde, besonders aus der Fasnet seiner Heimatstadt, sind in Gedanken bei ihm.

Karl Kühnle wurde am 21. November 1920 als einziges Kind des Friseurmeisters Karl Kühnle (1878 bis 1945) und seiner Ehefrau Anna Barbara (1881 bis 1971) in Schramberg geboren. Sein Vater war 1906 nach Schramberg gezogen und eröffnete 1907 in der Hauptstraße 36 einen Friseursalon. In die beruflichen Fußstapfen der Väter zu treten war damals weitgehend normal, so dass auch Karl Kühnle den Beruf des Friseurs erlernte. Wie viele seiner Generation wurde er in der Zeit des Nationalsozialismus geblendet, aber durch das Erlebnis des Zweiten Weltkrieges für den Rest seines Lebens von politischen Irrwegen geläutert.

Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft heiratete er am 13. Juni 1947 Ruth Schillinger (1923 bis 2011), die ihm eine Tochter schenkte, die seit 1968 in Reutlingen lebt. 1950 legte er die Meisterprüfung im Friseurhandwerk ab und übernahm 1953 das Friseurgeschäft von seiner Mutter. 1985 ging er im Alter von 65 Jahren in den Ruhestand, war aber in seinem stilvollen Friseursalon noch bis zum Alter von 98 Jahren für seine langjährigen Stammkunden da. Sein altes Handwerkszeug übergab er bei der Auflösung seines Haushalts an seinen jungen Kollegen Felix Schwendemann, der dieses Erbe sehr in Ehren hält.

In seiner 100-jährigen Lebenszeit hat Karl Kühnle auch 100 Jahre Fasnet in seiner Heimatstadt miterlebt. Er kämpfte als Kind mit zahlreichen anderen Kindern um eine Brezel, als diese noch etwas Besonderes war. Er erlebte am 24. Februar 1936 die erste "Kanalfahrt" des "Jungen Parlaments" hinter seinem Elternhaus mit, erfüllte sich im Alter von 30 Jahren in der Nachkriegszeit mit mühsam gespartem Geld den Wunsch nach einem eigenen Narrenkleid, war bis zum Alter von 70 Jahren im Hanselsprung aktiv, arbeitete im Hansel-, Finanz- und Umzugsausschuss mit und gab bis vor wenigen Jahren noch am Fasnetssonntag im Rathaus das Auswurfmaterial für die Kleidlesträger mit aus.

"Das bin ich schon hundertmal gefragt worden", meint er lachend, wenn man ihn darauf anspricht, ob der "Kehraus" nach seinem Gesicht geschnitzt worden sei oder umgekehrt: "Im Alter ist das so gekommen."

Bereits 1988 wurde sein lebenslanges Engagement für das närrische Brauchtum seiner Heimatstadt von einigen Freunden auch mit einem Schild zwischen den Gebäuden Hauptstraße 34 und 36 gewürdigt, auf dem seitdem steht: "Karl-Kühnle-Gässle".

Ganz einfach ist das "100" werden aber auch nicht, obwohl der "Kühnle Karle" von vielen bewundert wird, wie gut es ihm in diesem hohen Alter noch geht. Aus seinem Jahrgang ist er der Einzige, der noch "übrig" geblieben ist. Und auch seine Heimatstadt hat sich im Lauf von 100 Jahren sehr verändert.

Viel geholfen hat dem Jubilar, dass er das Herz auf dem rechten Fleck hat und mit seiner pragmatischen Einstellung auch vielen jüngeren Mitmenschen ein Beispiel für einen positiven Weg durch das Leben mit einer gehörigen Portion Humor gegeben hat. Er ist – so wird wohl vielen zu seinem 100. Geburtstag bewusst – ein Ehrenbürger der Herzen.

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