Ja zum Schulcampus: Die Mehrheit der Schramberger Stadträte stimmt zu. Foto: Langenbacher Foto: Schwarzwälder Bote

Kommunales: Stadt will 34,5 Millionen Euro in neuen Schulcampus in der Talstadt investieren

Mit zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen hat sich der Gemeinderat am Donnerstagabend für den Schulcampus in der Talstadt entschieden und damit ein Schramberger Jahrhundertprojekt auf den Weg gebracht.

Schramberg. "Die Maßnahme Schritt für Schritt anzugehen, ist unsere einzige Chance das Projekt zu verwirklichen", führte Rudi Huber aus. Der als besonnener Rechner bekannte Stadtkämmerer machte den Stadträten mit seinen Worten Mut, sich für das Jahrhundertprojekt zu entscheiden. Der "Charme" der vorgelegten Planung bestünde auch darin, dass städtische Gebäude miteinbezogen werden könnten. Huber wies aber auch darauf hin, dass sich der Schulcampus für 34,5 Millionen Euro nicht ohne Einschränkungen an anderen Stellen verwirklichen lassen werde.

So wurde im Beschlussvorschlag seitens der Verwaltung auch gleich mitaufgenommen, dass im Rahmen der Haushaltsberatungen 2019 das Investitionsprogramm neu auszurichten ist und über eine Erhöhung des Gewerbesteuerhebesatzes beraten und beschlossen wird.

Licht auf "orange-rot"

Zwar stehe bei der CDU, so Fraktionsvorsitzender Clemens Maurer, in diesem Punkt das Licht noch auf "orange-rot", insgesamt sehe er das Konzept aber als "Initialzündung für die Stadtentwicklung". Und er bekannte: "Ich bin beeindruckt von diesem Konzept."

Demnach wird der Schulcampus in verschiedenen Umsetzungsschritten verwirklicht, führte Fachbereichsleiter Berthold Kammerer aus. "Insgesamt geht es um einen Zeitraum von circa zehn Jahren." Das Konzept erlaube im Bedarfsfall auch eine nur teilweise oder zeitlich verzögerte Umsetzung. "Wenn die Maßnahmen umgesetzt werden, erwarten wir eine deutliche Stärkung des Schulstandorts Schramberg."

Bestmögliche Lernchancen

"Heute ist ein guter und zukunftsweisender Tag für Schramberg", sagte Tanja Witkowski (SPD/Buntspecht). Man habe eine Lösung auf dem Tisch, die "für unsere Kinder in ihrer Individualität bestmögliche Lernchancen ermöglicht". Außerdem werde sie von der Bevölkerung mitgetragen und stoße bei Lehrern und Eltern auf große Zustimmung. "Zuversichtlich stimmt mich auch die Tatsache, dass die ersten Schritte für die nächsten vier bis fünf Jahre finanziell abgesichert sind."

Zuversicht aus den Reihen der Freien Liste: "Ich bin überzeugt, dass es geht", meinte Udo Neudeck. Aber er sagte auch im Hinblick auf Gebührenerhöhungen und eventuellen Änderungen im Bereich der Investitionen: "Es wird weh tun."

Bernd Richter und Volker Liebermann (ÖDP) sowie Emil Rode (Freie Liste) enthielten sich bei der Abstimmung. Richter erläuterte, dass für die ÖDP der Schulcampus am falschen Standort entstehe. Für sie gehöre der Campus nach Sulgen.

"Können wir uns das leisten?", fragte Johannes Grimm (CDU), der gemeinsam mit Jürgen Reuter (fraktionslos) gegen das Projekt stimmte. "Die Planung belastet den Haushalt bis zum Jahr 2030 als Investition. Daneben sind Zinsen und Abschreibungen für weitere 30 Jahre einzuplanen. Außerdem werden mehr Gebäude zu unterhalten sein. Ich schätze diese Kosten auf jährlich rund 1,5 Millionen für die nächsten drei Jahrzehnte", rechnete Grimm vor. Man könne dieses Projekt nur stemmen, wenn man die Einnahmen verbessere, sprich Grund- und Gewerbesteuer sowie Gebühren erhöhe und Kürzungen bei den Ausgaben vornehme. "Wo setzt man an? Bei den Vereinen, bei den Straßen, der Musikschule, bei den Gewerbegebieten? Lässt sich die geplante Halle in Tennenbronn noch finanzieren?", fragte Grimm. Oberbürgermeister Thomas Herzog wies darauf hin, dass man Prioritäten neu setzen müsse. Es könne in anderen Bereichen zu Verschiebungen, Not- oder Zwischenlösungen kommen.

Das Projekt Schulcampus soll in acht Stufen verwirklicht werden:

Stufe 1: Der Kindergarten Don Bosco erhält eine zusätzliche Gruppe in Modulbauweise.

Das Gebäude für den neuen Kindergarten entsteht auf dem derzeitigen Kleinspielfeld.

Die Berneckschule erhält am derzeitigen Standort eine modulare Erweiterung.

Stufe 2: Die Modullösung für den Kindergarten wird entfernt. Das alte Gebäude des Kindergartens wird abgerissen. Der Erweiterungsbau für die Erhard-Junghans-Schule entsteht.

Stufe 3: Das Gebäude der bestehenden Erhard-Junghans-Schule (ehemalige Graf-von-Bissingen-Schule) wird saniert.

Stufe 4: Aus dem Realschulgebäude wird das Haus "Mittendrin".

Stufe 5: Das Juks³-Gebäude in der Schlossstraße 10 wird abgerissen.

Stufe 6: Das Lichtspielhaus wird zur Aula/Kulturcafé umgebaut.

Stufe 7: Der Neubau der Berneckschule auf dem Schulcampus entsteht.

Stufe 8: Die Berneckschule an der Schillerstraße wird abgebrochen, die modulare Erweiterung abgebaut.