Einschnitte für die Beschäftigten gibt es bei Kern-Liebers. Foto: Wegner

81 Prozent der IG-Metall-Mitglieder stimmen zu. Einschnitte für die Beschäftigten.

Schramberg-Sulgen - Die Verhandlungen zwischen Kern-Liebers und IG Metall über die Inhalte eines Ergänzungstarifvertrags sind erfolgreich abgeschlossen worden.

In mehrmonatigen Verhandlungen hatten sich die Geschäftsführung von Kern-Liebers und die IG Metall auf die Inhalte eines Ergänzungstarifvertrags geeinigt, der die Beschäftigung im Stammwerk Schramberg bis Ende 2022 absichern soll - bei finanziellen Zugeständnissen der Belegschaft. Die IG Metall hatte anschließend ihre Mitglieder in einem Schreiben beziehungsweise Flugblatt über das Verhandlungsergebnis im Detail informiert. Die Mitglieder konnten danach per Briefwahl oder am 15. und 16. April persönlich in der Kantine von Kern-Liebers (unter Wahrung der Corona-Hygiene-Schutzbedingungen) darüber abstimmen. Am 16. April nachmittags stand das Ergebnis fest: 81 Prozent der IG-Metall-Mitglieder stimmten dafür.

Auch eine Standortsicherung

Über die erzielte Einigung und das positive Votum der Gewerkschaftsmitglieder informierte die Geschäftsführung von Kern-Liebers und die IG Metall Freudenstadt am Wochenende die Öffentlichkeit in einer gemeinsamen Mitteilung, die auch vom Betriebsratsvorsitzenden Michael Glatthaar mitgetragen wurde. "Gerade in Zeiten, in denen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie noch nicht abzuschätzen sind, ist eine Beschäftigungssicherung für unsere Mitarbeiter hier vor Ort ein hohes Gut. Wir haben uns zusammengerauft, das ist ein gutes Zeichen", erklärte Udo Schnell, Vorsitzender der Geschäftsführung von Kern-Liebers.

Die Beschäftigungssicherung beinhalte auch eine Standortsicherung: "Beide Parteien haben eine Mindestbeschäftigtenzahl von 1020 Mitarbeitern vereinbart (netto, also ohne Berücksichtigung von Auszubildenden, Praktikanten und Altersteilzeit-Beschäftigten). Ferner hat das Unternehmen in diesem Zeitraum Investitionszusagen gemacht und zugesichert, "die Ausbildung auf derzeitigem Niveau fortzuführen".

Einschnitte für die Beschäftigten

"Es waren schwierige, nicht einfache Verhandlungen", stellte Georg Faigle, Zweiter Bevollmächtigter der IG-Metall-Geschäftsstelle Freudenstadt, in der Mitteilung fest. Während der Verhandlungen habe sich wegen der Corona-Krise die wirtschaftliche Situation bei Kern-Liebers verschlechtert. Kurzarbeit musste beantragt werden. Letztlich sei es aber gelungen, eine Beschäftigungssicherung zu erzielen: Während der Kurzarbeit, so Faigle weiter, seien betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Nach der Kurzarbeit gäbe es eine "Erschwernis von betriebsbedingten Kündigungen". Diese seien nur nach Zustimmung des Betriebsrates möglich.

Im Gegenzug zur Beschäftigungssicherung macht die Belegschaft finanzielle Zugeständnisse bei den tariflichen Sonderzahlungen. In der Mitteilung von Kern-Liebers und IG Metall heißt es dazu, dass es in 2020 und 2021 statt drei Sonderzahlungen (Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, tarifliches Zusatzgeld) pro Jahr noch zwei Einmalzahlungen im Juni und im November mit deutlichen Abschlägen geben wird. Im Jahr 2022 werde es dann nur noch Einschnitte beim Urlaubsgeld geben.

Gemeinsam durch die Krise

In einer Mitgliederversammlung am 10. März hatte sich die Verhandlungskommission der Gewerkschaft von ihren Mitgliedern nach monatelangen Gesprächen mit der Geschäftsführung das Mandat für den nächsten Schritt geholt: die Aufnahme von formalen tarifvertraglichen Verhandlungen. Zur Verhandlungskommission gehörten Sebastian Fay (IG Metall Bezirksleitung), Georg Faigle (IG Metall Freudenstadt), Betriebsratsvorsitzender Michael Glatthaar, außerdem Stefan Steinbrückner, Karl-Heinz Müller und Fred Zehnder. "Mit diesem Verhandlungsergebnis haben wir es uns nicht leicht gemacht. Mit den veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen war es uns umso wichtiger, für einen sicheren Arbeitsplatz zu kämpfen. Denn wir wollen mit allen Beschäftigten durch diese Krise", hatte die Verhandlungskommission nach dem Abschluss der Verhandlungen am 31. März im Flugblatt an die Mitglieder der IG Metall um Zustimmung geworben, die sie mit großer Mehrheit am Donnerstag dann auch bekommen hat.

"Wir sind bei Kern-Liebers mit allen Sozialpartnern auf einem guten Weg. Alle wollen den Erfolg von Kern-Liebers. Wir werden gemeinsam durch diese Krise kommen", erklärte auch Kern-Liebers-Geschäftsführer Schnell unserer Zeitung gegenüber nach dem positiven Votum der IG-Metall-Mitglieder.