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Schramberg Droht "Rostigem Anker" der Abriss?

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Fast alle Gebäude im Junghans-Gewerbepark haben eine spannende Geschichte, so auch das Gebäude 60.Fotos: Fritsche Foto: Schwarzwälder Bote

Ein Restauratoren-Ehepaar macht sich für die Erhaltung eines alten Gebäudes im Junghans-Gewerbepark in der Geißhalde stark.

Schramberg. Immer wieder fahren Renate und Peter Volkmer aus Rötenberg zum Junghans-Gewerbepark, um bei der Fischer-Hydraulik GmbH im Bau 63 (Geißhaldenstraße 49) ihre beiden Motorräder vom Typ Harley-Davidson warten zu lassen. Dabei fiel den beiden Restauratoren irgendwann der direkt benachbarte Bau 60 auf: Was auf den ersten Blick wie ein schlichtes Zweckgebäude aussieht, zeigt auf den zweiten, genaueren Blick interessante architektonische Merkmale – zum Beispiel Fenster- und Türumrandungen aus Sandstein oder die mit Ornamenten verzierten Sparrenköpfe der Dachbalken.

Ihr Interesse am Gebäude war geweckt. Während sich Renate Volkmer mehr auf Gemälde und Skulpturen konzentriert, befasst sich Peter Volkmer nicht nur mit Wandmalereien, sondern auch mit der Untersuchung historischer Bausubstanz. "Mit unserer Arbeit wollen wir dazu beizutragen, Kulturgüter als Teil unserer Identität zu erhalten. Dabei begegnen wir den wertvollen historischen Objekten mit Gewissenhaftigkeit und Respekt", formulieren sie ihr Leitbild auf ihrer Website.

Auf der Suche nach Informationen über das Gebäude stießen sie auf eine "Fabrikansicht der Centrale Schramberg" der Uhrenfabrik Junghans aus dem Jahr 1903, als "3000 Arbeiter 2  700 000 Uhren pr. Anno" herstellten, wie die Unterzeile verrät.

Das historische Bild zeigt das kleine Gebäude im Vordergrund mit den zwei Kaminen und den Dachgauben. Rechts daneben erkennt man das Gebäude der heutigen Fischer-Hydraulik und der "Szene 64". Der Terrassenbau stand damals noch nicht. "Leider hat man den Dachstuhl des Gebäudes abgebaut. Ich fände, es wäre theoretisch möglich, diesen wieder zu errichten. Es gäbe ein schönes Wohnhaus, vielleicht mit kleinem Laden", erklärt Peter Volkmer. Wie hübsch das Gebäude mit Dach aussah und wie ausgewogen die Konstruktion und Maße des Gebäudes waren, zeigt auch ein Bauplan, den Volkmer ausfindig machte. Wem das Gebäude gehöre, wisse er nicht. "Wenn es der Stadt gehört, ist der Abriss sicher gewiss", befürchtet er.

Abriss folgte auf Abriss

Denn im Gewerbepark wurden schon mehrere Gebäude abgerissen, die nicht unter Denkmalschutz standen. Dazu zählt auch der vielfach auf Unverständnis gestoßene Abbruch des "Direktorengebäudes" im Jahr 2009. Eine Riesenlücke brachte 2016 der Abriss der markanten langen Gebäudezeile aus den Gebäuden Bau 35, 36 und 37, die aneinander gebaut waren.

Nicht nur Junghansianer trauerten in Schramberg dem Gebäudekomplex nach, für den sich allerdings keine Nutzer hatten finden lassen. Von der einmal aus 104 Gebäuden bestehenden größten Uhrenfabrik der Welt wird, wenn es so weiter geht, in absehbarer Zeit nur noch wenig übrig bleiben.

Eigentümer großer Teile des ehemaligen Junghans-Areals ist Christian Auer aus München über seine Auer Holding GmbH und die Tochterfirma Junghans Gewerbepark GmbH & Co. KG. Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt Auer, dass der Bau 60 noch in seinem Besitz sei, dass man aber im Gespräch mit der Stadt darüber sei. Motiv der Stadt könne sein, vermutet er, dass der direkt am Gebäude unterirdisch vorbeiführende Lauterbach renaturiert werden solle. In jüngster Zeit habe eine Dienstleistungsfirma den Bau genutzt, um Geräte für den Winterdienst abzustellen. Aus der Stadtverwaltung Schramberg ist zu erfahren, dass man den Bau 60 habe begutachten lassen. Offenbar ist das Ergebnis so ausgefallen, dass es für den Fortbestand des Gebäudes nicht so gut aussieht: Eine Sanierung lohne sich eigentlich nicht.

"Gasthaus Rostiger Anker"

Wer etwas über ein Gebäude des Areals wissen will, wendet sich am besten an den Alt-Junghansianer Klaus Dreyer. Er hat dort nicht nur viele Jahre gearbeitet, sondern war auch bis in die jüngste Zeit als Liegenschaftsverwalter tätig. Den Bau 60 kennt er gut, war er doch selbst zu seiner Junghans-Zeit dort gelegentlich Gast gewesen. "Die Insider der Werkzeugmacher nutzten über lange Jahre hinweg Räumlichkeiten dort, wo sie nach der Arbeit (vielleicht auch in Pausen?) mal ein Bier trinken konnten", erzählt Dreyer. Ihre informelle Kneipe tauften sie "Rostiger Anker". Den Namen hatten sie in Anlehnung an zwei Besenwirtschaften mit dem Namen "Rostiger Anker" gewählt, die es in früheren Jahrzehnten während der Fasnet an der Steige und in der Hauptstraße gegeben habe. In diesem Sinne wäre der Bau 60 der letzte "Rostige Anker". Und mit ihm verschwände ein weiteres, wenn auch kleines architektonisches Zeugnis der Junghans-Geschichte.

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