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Schramberg Deal mit FBI: Ignatov unterstützt Ermittlungen

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Die Qualität der Zusammenarbeit mit Staatsanwaltschaft und FBI wird über das Strafmaß für Konstantin Ignatov entscheiden. Foto: Privat

Schramberg - 90 Jahre Haft in den USA: Das ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Dieses Schicksal droht Konstantin Ignatov, der aus Schramberg stammt und mit seiner Kryptowährung Onecoin Anleger weltweit um Milliarden geprellt hat.

Die schillernde Story um den Deutsch-Bulgaren Konstantin Ignatov und dessen Schwester Ruja Ignatova - die sogenannte "Krypto-Queen" - weckt immer wieder das Interesse überregionaler Medien. Verschiedene Zeitungen und Zeitschriften meldeten sich bei unserer Zeitung, um Hintergründe zu den Jugendzeiten der Geschwister zu erfahren.

Die beiden wuchsen in Schramberg auf und besuchten dort das Gymnasium, doch die Kleinstadt wurde bald zu eng für ihre großspurige Visionen.

Ruja Ignatova, die bevorzugt stark geschminkt und schmuckbehängt auftrat, war die treibende Kraft hinter der Kryptowährung Onecoin, die nach ihrer Gründung im Jahr 2014 Milliardensummen einspielte. Videos zeigen Ruja Ignatova, wie sie ganze Hallen von ihrem Projekt begeisterte und die Menschen in ekstatische Stimmung versetzte. "Die Bewegung trug Wesenszüge einer Sekte mit gehirngewaschenen Anhängern", heißt es in einem Internet-Blog. Allerdings: Das Ganze war nichts als Lug und Trug, es handelte sich um ein klassisches Schneeballsystem. Mit One­coin ließ sich nichts kaufen. Sprich: Das Geld der Anleger war weg.

Ruja Ignatova wurde der Boden unter den Füßen zu heiß. Sie übergab die Geschäfte an ihren Bruder Konstantin - und ist seit Herbst 2017 unauffindbar. Konstantin Ignatov machte anschließend einen auf Lebemann, der um den Globus - von Singapur über Rio bis Melbourne - jettete und dem leichten Leben frönte. Dabei machte er via soziale Medien stets publik, wie hart er für sein Projekt und deren Teilhaber arbeite und wie groß seine Träume seien.

Milliarden Dollar fließen

Allerdings machte er einen Fehler: Er reiste im März vergangenen Jahres in die USA, wo die Justiz am Flughafen von Los Angeles zuschnappte - und die Reise zu Ende war. Um vier Milliarden Dollar sollen die Anleger laut Schätzung der US-Regierung gebracht worden sein. Andere Quellen wie Jamie Bartlett, dem Verantwortlichen der BBC-Podcast-Serie "The Missing Cryptoqueen", berichten von der drei- bis vierfachen Menge. Auch in Deutschland sollen laut Handelsblatt Hunderte Millionen Euro in Onecoin investiert worden sein.

Konstantin Ignatov drohen dafür 90 Jahre Haft. Nun hat er sich auf einen Deal mit der amerikanischen Justiz eingelassen - um eine Chance zu haben, seine Haut zumindest halbwegs retten zu können. Dieser Deal ist im Internet einsehbar unter hat anderem folgende Inhalte: So wird Ignatov alle Informationen und Hintergründe zu Onecoin aufdecken und die Arbeit der Staatsanwaltschaft und des FBI aktiv unterstützen - unter anderem auch bei der Suche nach seiner Schwester Ruja; Ignatov wird ein vollumfängliches Geständnis ablegen und alle Personen benennen, die Teil des Onecoin-Betrugssystems sind - und zwar weltweit. US-amerikanische Ermittler könnten also auch in anderen Ländern zugreifen.

Im Gegenzug verzichtet die Staatsanwaltschaft darauf, Konstantin Ignatov wegen Vergehen wie Bankbetrug, illegaler Transaktionen und allen anderen Straftaten, die mit Onecoin zu tun haben, zu verurteilen. Er bleibt allerdings wegen krimineller Steuervergehen angeklagt.

Die Qualität der Zusammenarbeit wird am Ende über das Strafmaß entscheiden, das von einem amerikanischen Gericht getroffen wird.

Kein Kontakt zur "Krypto-Queen"

Und wo ist die "Krypto-Queen" Ruja Ignatova? Das dürfte vor allem die amerikanischen Strafverfolgungsbehörden brennend interessieren. Konstantin Ignatov sagte aus, seine Schwester habe ihm mitgeteilt, dass sie die Unterstützung und den Schutz eines "reichen und mächtigen russischen Individuums" habe. Er selbst habe aber schon seit 2017 keinen Kontakt mehr zu ihr. Damals sei sie offenbar aus der bulgarischen Hauptstadt Sofia über Österreich weiter nach Griechenland geflüchtet. Danach verlieren sich die Spuren.

Kryptowährungen sind digitale Zahlungsmittel. Sie basieren zum großen Teil auf einer Technologie namens Blockchain. Diese Blockchain entspricht einem dezentralen Kassenbuch, in dem unter anderem monetäre Transaktionen vermerkt sind. Diese Blockchains sind offen für die Teilnahme durch Jedermann, der über einen Internetzugang verfügt.

Die Transaktionen und Neuschaffungen der Währung, die gedeckelt ist, werden von den Teilnehmern gegenseitig kontrolliert und bestätigt.

In erster Linie sind Kryptowährungen aber Spekulationsobjekte. Die bekannteste Kryptowährung ist Bitcoin. Der Wert eines Bitcoin entwickelte sich von 2011 bis 2017 rasant. War ein Bitcoin zu Beginn noch rund einen US-Dollar wert, waren es 2017 schon 10.000 US-Dollar.

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