Karin Quitt fältelt und näht im Heimathaus / Es geht um Millimeter
Von Christoph Ziechaus
Schramberg-Tennenbronn. Viel "fummelige" Handarbeit steckt in der Herstellung von Hippenhemden, die Frauen auch heute unter ihrer Tracht im Schwarzwald tragen.
Besonders viel Arbeit machen Karin Quitt die sichtbaren Teile, nämlich die stark gebauschten Ärmel mit den in feinen Riffeln gefassten Bündchen. Die Hippenhemdnäherin aus St. Georgen zeigte im Heimathaus in Tennenbronn, wie der am Oberarm 90 Zentimeter breite Baumwollbatist am Bund auf etwa ein Viertel zusammengerafft wird. Gerade zwei Millimeter breit ist jede der 90 Falten, die Karin Quitt in aller Ruhe, aber sehr zügig in den Stoff auf dem Bügelbrett "fältelt". Während sie jedes Fältchen auf beiden Seiten mit einer Stecknadel fixiert, beantwortet sie auch noch Fragen der staunenden Zuschauerinnen. Nachdem sie die etwa sieben Zentimeter langen Falten in drei Reihen festgenäht hat, werden sie mit gestickten "Bördele" abgedeckt und verziert.
Etwa eineinhalb Stunden hat Karin Quitt "gefältelt" und dann muss der Ärmel mit dem Zwickel an den Hemdenkörper genäht werden. Der ist aus nicht so feinem Zwirn, denn er wird ja nicht sichtbar unter der Hippe und dem Goller, dem weißen Seidenkragen. Deshalb heißen Hippenhemden bei den ehrlichen Schwarzwäldern "Bscheißerle". Von ihnen sind also nur die kunstvoll angefertigten Bauschärmel und Bündchen zu sehen, die Trachtenträgerin steckt in einem Samtmieder mit angenähtem schwarzen Faltenrock, der Hippe.
Bei den alten evangelischen Trachten ist das Mieder aufwändig geschnürt und dieses "nesteln" gibt ihm seinen Namen. Mit der Schaube, dem Jäckchen mit langen Ärmeln kann sich die Trägerin etwas schützen. Vervollständigt wird die Tracht durch die schwarze Kappe, die das Haar bedeckt und bei den Mädchen mit dem Rosenhut. Einen solchen wird am kommenden Sonntag ab 14 Uhr Marion Borho anfertigen, die Tochter der Hippenhemdnäherin.