Filialleiter Emil Baurenski mit den Pharmazeutisch-technischen Assistentinnen (PTA) Christina Trost und Nicole Hilscher (von links) in der Spittel Apotheke. Ihre Plexiglasscheiben werden ab dem heutigen Freitag aufgebaut. Foto: Stapel

Plexigläser in Apotheken in Stadt angebracht. Hamsterkäufe auch bei Medikamenten.

Schramberg - Zu Zeiten von Corona hat sich ein Apothekenbesuch in Schramberg deutlich verändert. Es gibt neue Verhaltensregeln, die Kunden, und nicht zu vergessen, besonders Mitarbeiter vor einer Ansteckung schützen sollen. Nicht jeder hält sich daran.

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Respekt und Anstand scheint nicht jeder in seiner Erziehung gelernt zu haben. Einige Kunden niesten in den vergangenen Tagen so in die Luft, dass die Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) Christina Trost die Tröpfchen im Gesicht klebten. Eine Kundin wollte so vermeiden, dass ihr Lippenstift verschmiert oder an den Klamotten klebt, erzählt die Mitarbeiterin der Spittel-Apotheke in Schramberg. "Das ist einfach nur unglaublich. Sie husten oder niesen dann unter dem Arm durch oder darauf, der Rest landet bei uns auf der Theke oder eben im Gesicht." Normalerweise lerne man doch von klein auf, in seine Elle zu husten, niesen und Co. oder sich zumindest wegzudrehen – umsetzen könne das anscheinend kaum einer, sagt Trost.

Vor Niesattacken schützen

Dieses Verhalten kommt Inhaber Cajetan Rapp unter anderem der Burg-Apotheke bekannt vor. "Wir haben drei Theken um zu bedienen und haben draußen Schilder stehen, dass, falls diese voll sind, die Kunden draußen mit Abstand warten sollen", schildert Rapp. Eine Zeit lang hielten sich Kunden daran, aber vereinzelt gebe es Personen, die sich trotz der Schilder dicht auf dicht anstellten. Dabei sei Abstand für Rapp zu Zeiten von Corona selbstredend.

Um Mitarbeiter und auch sich selbst zu schützen, hat Rapp von einer Firma in Villingendorf Plexigläser anfertigen lassen. "Ich habe sie am Montag bestellt und seit Donnerstagmorgen sind sie an der Theke angebracht", sagt er. "Das soll den Kunden deutlich machen, sich an die Regeln zu halten." Aber auch hier gebe es wohl Menschen, die sich der Gefahr der aktuellen Situation nicht bewusst seien und die Vorrichtung ignorieren würden. "Da kam ein Bekannter gleich am Donnerstag rein und meinte, um das Glas herum auf 50 Zentimeter Abstand an mich heranzutreten", erzählt Rapp. "Das geht einfach nicht."

Die Schutzschilder sollen Tröpfcheninfektionen durch Niesattacken wie die in der Spittel-Apotheke schützen. Filialleiter Emil Baurenski meint, dass ihre Plexigläser Donnerstagabend geliefert und ab dem heutigen Freitag befestigt sein werden.­

Viele kaufen Paracetamol

Die Hamsterkäufe bleiben auch in der Apotheke nicht aus: "Schmerztabletten und Nasenspray kaufen viele ein", meint Trost. Paracetamol werde in beiden Apotheken gekauft und von einigen Kunden werde versucht, Vorräte anzulegen: "Wir geben nur noch zwei Packungen Paracetamol pro Kopf raus", sagt Trost. Cajetan Rapp verkürzt auf eine Packung pro Person.­ "Es ist einfach unnötig zu hamstern", betont PTA Trost.

In der Spittel-Apotheke war es am Donnerstagmittag ruhig, woran liegt das? "Ich glaube, dass langsam die Vernunft ankommt", meint Christina Trost. Am Anfang der Woche seien die Kunden, teilweise panisch hereingestürmt und wollten sich ausstatten, erzählt Nicole Hilscher, ebenfalls Mitarbeiterin in der Spittel-Apotheke. Rapp hat dagegen genügend zu tun: "Uns wird nicht langweilig, seit Fasnacht ist bei uns durchgehend viel los." Außerdem stelle er momentan für eine Firma in Tennenbronn Desinfektionsmittel her. "Sie benötigen das für ihre Handhygiene", erzählt Rapp.

In beiden Apotheken sei nach wie vor der Verkaufsschlager Mundschutz und Desinfektionsmittel, jedoch sei dies seit Wochen komplett ausverkauft und komme so schnell von Großhändlern nicht nach. "Wir haben extra Schilder an den Türen und Theken befestigt, dass wir keins von beidem mehr vorrätig haben", schildert PTA Cornelia Buck, ebenfalls Mitarbeiterin in der Spittel-Apotheke. "Aber fragen tun sie alle trotzdem. Es ist einfach nur noch nervenraubend."

Die Regelungen in den Apotheken seien nach wie vor, dass Kunden einzeln an die vorhandenen Theken gehen und Abstand einhalten sollen. Und für die Mitarbeiter gelte wie sonst auch, regelmäßiges Hände waschen und die Theke zu desinfizieren.

Diese Maßnahmen sollen dazu dienen, die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, betont Trost, aber fügt hinzu: "Das heißt nicht, dass man in Panik ausbrechen muss." Man müsse jetzt schauen, dass man auf die Risikogruppen Acht gebe, indem man sich daran halte, Zuhause zu bleiben, schildert sie. "Gerade jetzt muss man doch zusammen halten und darf nicht nur an sich denken."