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Schramberg Arbeiten, wo andere Menschen trauern

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Sie kümmern sich um die Friedhofsanlagen in Schramberg (von links): Johannes Dold, Stefan Moosmann, Helmut Lamprecht, Hashimi Sayed Yahia und Florian Dicu.Foto: Brüstle Foto: Schwarzwälder Bote

Der Gang über den Friedhof fällt vielen Menschen schwer. Gräber, Kreuze, Gedenksteine – alles erinnert an das Ende des Lebens. Für das Schramberger Friedhofs-Team ist das Alltag. Doch wie arbeitet es sich an einem Ort, wo man täglich mit dem Tod konfrontiert wird?

Schramberg. Mehr als sechs Hektar mit rund 3600 belegten Gräbern unterhält das Friedhofs-Team, bestehend aus Leiter Johannes Dold, seinem Stellvertreter Florian Dicu, Helmut Lamprecht, Stefan Moosmann und Hashimi Sayed Yahia. "Wir sind zuständig für den Friedhof in der Talstadt, die zwei in Sulgen und in Schönbronn", führt Dold aus.

Zu ihren Aufgaben gehört es, die Termine für Beerdigungen zu koordinieren, alle Anlagen in Schuss zu halten, die Beisetzung Verstorbener durchzuführen und ein offenes Ohr für die Trauernden zu haben. "Es ist ein interessanter Job, aber nicht jeder kann ihn machen", meint Dold. Um die 250 Bestattungen finden insgesamt jährlich auf den städtischen Friedhöfen statt. Die Friedhofsmitarbeiter tragen die Särge zur Beisetzung und wenn die Trauergäste gegangen sind, schließen sie das Grab und legen die Blumenkränze darauf.

Doch bereits vor der Beerdigung ist das Team für Angehörige Verstorbener da: "Wir beraten über die verschiedenen Grabarten", erzählt Lamprecht. Neben den klassischen Sarg- und Urnengräbern gebe es außerdem Wandnischen und Baumgräber. "Circa ein Drittel sind Sargbestattungen", schätzt Dold.

Wenn Angehörige sich vor der Bestattung von dem Verstorbenen verabschieden möchten, bereitet das Team den letzten Besuch vor, erklärt Dold. In der Leichenhalle gibt es dafür Aufbahrungszellen, die gekühlt werden, erläutert Dicu.

Als eine Sonderarbeit bezeichnet der stellvertretende Leiter die Tätigkeit auf dem Friedhof. Das Ende des Lebens wird einem dabei täglich bewusst. "Wir sind alle in einem Alter, in dem man anders mit dem Thema Tod umgeht. Mit 20 macht man so eine Arbeit eher nicht", meint Moosmann. "Am schlimmsten ist es bei der Bestattung junger Menschen oder von Kindern", betont Lamprecht.

Nach Feierabend müsse man mit der Arbeit allerdings abschließen. "Man darf es nicht an sich heranlassen", erklärt Moosmann und Lamprecht fügt hinzu: "In gewisser Weise stumpft man ab." Das müsse man auch, sonst könne man diese Arbeit nicht machen, sind sich alle einig. "Wir hatten mal jemand, der hier anfangen wollte, nach zwei Tagen aber wieder aufgehört hat", erinnert sich der stellvertretende Leiter. Ein bisschen sei es jedoch auch Gewöhnungssache: "Die erste Beerdigung ist schon komisch, aber es wird leichter", meint Dicu.

Der ständige Umgang mit dem Tod ändere auch den Blick aufs Leben, bestätigt das Friedhofs-Team. "Man sieht vieles mit anderen Augen", so Moosmann. "Manches vielleicht auch realistischer", erläutert Lamprecht.

Einfühlungsvermögen

Zudem müssen die Friedhofsmitarbeiter auch Einfühlungsvermögen zeigen: "Manchmal ist man auch der Seelentröster", erzählt Moosmann. Im Umgang mit den Angehörigen Verstorbener sei es wichtig, stets freundlich zu sein und sich die Zeit zu nehmen, ihnen zuzuhören. Rücksichtsvolles Verhalten gehört zum Job dazu: "Zum Beispiel, wenn jemand am Grab steht und trauert", erklärt Lamprecht.

Bevor sie als Friedhofsmitarbeiter tätig waren, hätten alle mehrere Jahre auf dem Bau gearbeitet – körperliche Arbeit im Freien sei man da gewöhnt. "Wir sind auch alle Naturmenschen, die gerne draußen arbeiten", erzählt Lamprecht.

Das ist auch notwendig, denn bei "Wind und Wetter" ist das Team auf den vier Anlagen unterwegs und verrichtet zum Teil schwere körperliche Arbeit. Jede Jahreszeit bringe ihre eigenen Herausforderungen mit sich: Im Frühling und Sommer etwa müsse häufiger gemäht, im Herbst das Laub beseitigt und im Winter die Wege freigehalten werden. "Vielen ist nicht bewusst, wie viel Arbeit es ist, einen Friedhof zu unterhalten", meint Lamprecht.

Die Friedhofspflege sei allerdings ein guter Ausgleich zu den unangenehmeren Aufgaben des Jobs. "Trotzdem gehen Beerdigungen immer vor, dann sind alle anderen Aufgaben zweitrangig", erklärt Dold. Nicht selten komme es vor, dass mehrere Trauerfeiern an einem Tag stattfänden – auch auf verschiedenen Anlagen.

Es sei ein großer organisatorischer Aufwand die einzelnen Termine zu koordinieren, damit sich nichts überschneidet. "Man muss sehr flexibel sein", sagt Dold. Für die Bestattungen sei dann das ganze Team gefordert. "Gerade auf dem Schramberger Friedhof gibt es teilweise Steigungen von 26 Prozent. Einen Sarg kann man da nicht alleine hochschieben", erläutert Moosmann. Wenn viele Beerdigungen in kurzer Zeit stattfinden, sei der Job daher besonders stressig.

Zusammenhalt wichtig

Für ihre Arbeit erhalten die Mitarbeiter aber auch Wertschätzung und Anerkennung. "Es gibt natürlich Leute, die sich beschweren, aber das Lob ist in der Überzahl", betont Dold. Außerdem funktioniere das Arbeiten im Team gut: "Jeder kann jede anfallende Aufgabe übernehmen und wir können uns aufeinander verlassen", sagt der Leiter des Teams und meint: "Ich bin seit 16 Jahren hier und habe es noch nie bereut."

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