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Schramberg Allgemeinarzt gibt Praxis auf

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Für die Praxis des promovierten Mediziners gibt es derzeit keinen Nachfolger. Foto: Dold

Schramberg-Tennenbronn - Das war es: Am Dienstag hat Reinhard Fröhlich seine letzten Patienten empfangen. Am Abend wurde die Praxis abgeschlossen – und Tennenbronn steht mit einer Arztpraxis weniger da. Die Stadt Schramberg ist nun auf der Suche nach einem Allgemeinarzt für den Stadtteil Tennenbronn. Mehr dazu lesen Sie in unserem (SB+)-Artikel.

Ein Hauch von Wehmut lag in der Luft: "Kann ich noch nach meinem Blutdruck schauen lassen?" oder "Herzlichen Glückwunsch zum Ruhestand", hieß es von Patienten an die Adresse des beliebten Allgemeinmediziners. Auch am letzten Arbeitstag absolvierte er morgens schon fünf Untersuchungen und einen großen Gesundheitscheck bei Patienten.

Langsam mit Gedanke an Ruhestand anfreunden

Der promovierte Mediziner Reinhard Fröhlich wird in den kommenden Wochen die Praxis abwickeln. Ein Großteil seiner Bücher werde voraussichtlich den Ringern für ihre Altpapiersammlung gespendet. Patientenakten werden an die künftigen behandelnden Ärzte weitergegeben. Erst dann wird Fröhlich sich so langsam mit dem Gedanken an den Ruhestand anfreunden.

"Ich freue mich darauf, mehr Zeit für mich zu haben und nicht mehr so gehetzt zu sein", sagt er. Zeit für Hobbys blieb in den vergangenen 30 Jahren wenig bis gar nicht, daher hat er einiges nachzuholen. Im Garten ein Buch lesen, wandern, fotografieren, Musik hören oder machen oder an den Bodensee fahren: Ideen für die baldige Freizeit hat er genügend.

Dass er einmal in Tennenbronn landen würde, war nicht unbedingt absehbar. Fröhlich stammt aus der Heidelberger Gegend. Zunächst war er als Arzt an der Uniklinik Heidelberg tätig, bevor er 1985 ans damals noch bestehende Kreiskrankenhaus Schramberg wechselte. Im Januar 1990 verwirklichte er sich seinen beruflichen Wunschtraum: die eigene Praxis, die er von Hartmut Bauer übernahm.

Als typischer Landarzt wurde er immer wieder auch abends und nachts angerufen, wenn es kleinere oder größere Wehwehchen gab. Rasch eilte Fröhlich zum Hausbesuch und konnte meist Abhilfe schaffen. "In den ersten 15 Jahren bin ich abends nie weggegangen, da immer ein Anruf hätte kommen können", erinnert er sich.

Seit zehn Jahren gibt es den Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (Telefon 116117), woraufhin die Situation auch für Reinhard Fröhlich zumindest etwas entspannter wurde.

Allerdings: "Der bürokratische Aufwand hat enorm zugenommen", sagt er. Dokumentationen, Abrechnungen und Organisatorisches müsse neben der Betreuung der Patienten geschultert werden. Man habe die Wahl, entweder weniger für die Patienten da zu sein oder längere Arbeitstage zu haben. Er habe sich für die zweite Variante entschieden, was ihm die Patienten dankten.

Auch mit seinen Mitarbeiterinnen habe er immer ein gutes Verhältnis gehabt. Diese seien zum Teil über Jahrzehnte geblieben. Ebenfalls positiv: Die aktuellen medizinischen Fachangestellten haben bereits alle eine weitere Beschäftigung gefunden.

Tennenbronn und seine Menschen sind Reinhard Fröhlich längst ans Herz gewachsen. Er fühle sich wohl, ihm gefalle es im Schwarzwald: "Sonst wäre ich keine 30 Jahre geblieben", sagt er. Wie sein künftiges Leben genau aussieht, wisse er selbst noch nicht genau. Umzugspläne habe er jedenfalls keine, vielmehr werde er in seinem Haus bleiben, das er seit 1999 bewohnt.

Bange Frage nach der Zukunft der Arztpraxis bleibt

Es bleibt die bange Frage nach der Zukunft der Arztpraxis und damit der medizinischen Versorgung in Tennenbronn. "Ich habe seit drei Jahren einen Nachfolger gesucht, aber keinen gefunden", sagt Fröhlich, der es sehr gerne sehen würde, wenn es weiter ginge. Nun bemühe sich auch die Stadt, aber etwas Konkretes gebe es bislang nicht, bedauert er. Dabei könnte sich ein Nachfolger "ins gemachte Nest" setzen. Es gebe viele Patienten, die zudem dankbar für die Hilfe seien. Auch die große, geräumige Praxis biete ideale Voraussetzungen.

Fröhlich selbst wird Ende der Woche 69 Jahre alt und irgendwann sei es dann auch einmal gut. Wenn ein Nachfolger gefunden werde, sei er gerne bereit, diesen anfangs an ein bis zwei Tagen pro Woche zu unterstützen – sollte das gewünscht werden. "Die Patienten würden wieder kommen", ist er sich sicher. Allerdings: "Die Chancen auf einen Nachfolger sind im Moment nicht sonderlich groß", sagt Fröhlich betrübt. "Aber man sollte nichts aufgeben", schiebt er hinterher.

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