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Schramberg Akten-Fund in alter Junghans-Villa

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So lagen die gut verschnürten Akten und Papiere im geheimen Raum zwischen Ziegeln und Wandverkleidung. Foto: Schadendorf

Schramberg-Sulgen - Dachdecker haben in der Villa Junghans auf dem Eckenhof eine geheime Kammer mit persönlichen und geschäftlichen Papieren von Helmut Junghans entdeckt.

Eine Überraschung erlebten die Dachdecker bei der Sanierung des Dachstuhls der Villa Junghans auf dem Gelände des Feriendorfs Eckenhof, als sie einige Dachziegel abnahmen: Sie blickten auf Stapel sauber verschnürter Akten in einem winzigen Raum, ohne sichtbare Öffnung zum dahinterliegenden Treppenhaus. Nach längerem Suchen fand der von den Handwerkern alarmierte Leiter des Feriendorfs, Jasper Schadendorf, einen gut getarnten Zugang zum Versteck: Die Wandverkleidung an der Treppe zum Dachspeicher ließ sich wie eine Schublade nach oben herausziehen. "Unser Hausmeister Wolfgang Bartler läuft seit 20 Jahren an der Stelle vorbei und hat nie etwas bemerkt", staunt Schadendorf.

Warum die Unterlagen beim Auszug von Helmut Junghans aus der Villa Junghans nicht mitgenommen wurden, sondern im geheimen Raum versteckt blieben, darüber kann man nur spekulieren. Sie wären dort noch viele weitere Jahrzehnte unentdeckt geblieben und sollten es auch wohl bleiben. Man weiß nur, dass die Familie Junghans den Eckenhof damals schnell verlassen musste.

Unterlagen stammen aus Jahren 1930 bis 1950

Eine erste grobe Sichtung ergab, dass es sich um Unterlagen aus den Jahren 1930 bis ca. 1950 handelt. "Es sind viele persönliche Aufzeichnungen von Helmut Junghans, Briefe, Telegramme, Firmeninterna, Geschäftsberichte, Patente, auch mehrere Ordner über Entnazifizierung und ein ganzer Karton Unterlagen über den 70. Geburtstag von Helmut Junghans", berichtet Schadendorf.

Zu den Fundstücken gehören nicht nur die aufschlussreiche Tischordnung zur Feier von Helmut Junghans 70. Geburtstag, der den Charakter einer regionalen wirtschaftspolitischen Treffens trug, sondern auch nach Angaben von Schadendorf streng geheime Papiere zur Munitionsproduktion im Dritten Reich.

Einen großen Eindruck hinterlässt auch das "streng vertrauliche" Konzept "Meine Gedanken zum erneuten Aufbauversuch unserer Zukunft", in das die Redaktion Einsicht nehmen konnte: Auf acht Seiten legt Helmut Junghans schlüssig dar, wie er "den dritten Wiederaufbau- und Umbauversuch" in der Firmengeschichte gestalten wollte. Und zwar beruhend auf dem "schwäbischen Unternehmer-Grundsatz" seines Vaters, den er im Papier zitiert. "Denkt nie zuerst an Euch und die Eueren, denkt immer nur an die Euch anvertrauten Arbeiter und ihre Familien und die vielen Tausend Kinder", hatte der Vater im geschäftlichen Testament für seine Söhne geschrieben. Es folgen detaillierte Überlegungen nicht nur zur Entwicklung des Unternehmens, sondern auch der Stadt Schramberg.

Papiere werden gesichtet

Schon seit Oktober liegen die Papiere und Akten im Büro von Schadendorf, der sie nach und nach sichtete. "Nach Rücksprache mit unserem Vorstand Andreas Hase vom Familienerholungswerk der Diözese Rottenburg-Stuttgart haben wir beschlossen, dieses Material der Stadt Schramberg zu übergeben. Im Stadtarchiv ist es in den besten und geeignetesten Händen", informierte Schadendorf am Abend des 7. Januars Oberbürgermeister Thomas Herzog und den Schwarzwälder Boten über den Fund.

"Die Entdeckung eines weiteren Teiles des Nachlasses von Generaldirektor E.H. Helmut Junghans (1891 bis 1964) in seinem früheren Wohnhaus in Schramberg-Sulgen ist ein bemerkenswertes Ereignis. Es ist großartig, dass weitere Quellen über die Junghans-Geschichte zum Vorschein gekommen sind und die Unterlagen an das Stadtarchiv Schramberg übergeben werden", freut sich Carsten Kohlmann, Leiter von Stadtarchiv und -museum Schramberg, und ergänzt: "Da wir 2001 von seinem Sohn Helmut Junghans (1924 bis 2012) bereits einen Teil seines Nachlasses und 2013 einen weiteren Teil seines Nachlasses von seinem Enkel Niko Junghans erhalten haben, scheint sich der – schriftliche – Nachlass nun zu vervollständigen".

Dass die Junghans-Geschichte jetzt neu geschrieben werden muss, glaubt Kohlmann noch nicht. Vielleicht findet er aber bei der Sichtung des Funds auch die Antwort darauf, warum die Papiere so gut versteckt wurden.

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