Die Verhandlungen sind beendet – wie geht es nun für die Schotter-Teufel-Mitarbeiter weiter, die auf absehbare Zeit nicht mehr in der Straßberger Firma arbeiten werden? Darüber informierte Esteban Neira bei einer Mitgliederversammlung der IG Bau.
Am Mittwochabend hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) Mitarbeiter der Straßberger Firma Schotter-Teufel zu einer Mitgliederversammlung in den Gasthof Zum Sternen in Benzingen eingeladen. Dort hat Gewerkschaftssekretär Esteban Neira über den aktuellen Stand und das weitere Vorgehen informiert.
Der Betriebsrat machte diesen Ausgang erst möglich, lobte Neira
Der Verkauf der Firma Schotter-Teufel an die Holcim Gruppe habe die IG Bau damals zum Teil mit Fragezeichen gesehen, so Neira. Und doch sah sie eine Chance, die in finanzielle Not geratene Firma zu erhalten – inklusive der Arbeitsplätze. Dass man nun nicht alle habe halten können, „tut sehr weh“, sagt er.
Immerhin aber sei es auch dank des Betriebsrats gelungen, in „harten aber fairen Verhandlungen“ einen angemessenen Sozialplan sowie Abfindungsverträge durchzusetzen und die Zahl betroffener Stellen zu senken. „Ohne den Betriebsrat hätten wir gar nichts davon verhandeln können.“ Was aber ist mit jenen, denen die Arbeitslosigkeit droht?
Ihnen sollte seitens der Agentur für Arbeit keine Sperre drohen, sagte Neira. Falls doch, sollten sie mit dem Schreiben auf die IG Bau zukommen. Diese lege für sie Widerspruch dagegen ein und – falls dieser abgewiesen werde – unterstütze sie bei einer gerichtlichen Klage. Nicht-Gewerkschaftsmitglieder müssten selbst einen Anwalt zurate ziehen.
Neira zufolge ist der frühestmögliche Austritt zum 31. März, spätestens zum 31. August möglich. Theoretisch könnten sogar alle 63 Betroffenen Ende März die Firma Schotter-Teufel verlassen – wobei diese aber unbedingt eine andere Arbeitsstelle parat haben sollten, rät er. Andernfalls könnte es Probleme mit dem Arbeitsamt geben.
Etwa 40 Beschäftigte verbleiben in der Firma; 63 müssen gehen
Zudem steht die Neuwahl des Betriebsrates bei Schotter-Teufel an und auch die IG Bau bleibe vor Ort präsent, versichert Neira. Sie unterstütze den neuen Betriebsrat bei der Arbeit und bemühe sich, tarifliche Regelungen umzusetzen.
Der Betrieb bei Schotter-Teufel konzentriert sich Neira zufolge auf die drei Bereiche Hackschnitzel, Beton und Recycling; am Standort in Straßberg verbleiben etwa 40 Beschäftigte.
Uwe Müller, Bezirksvorsitzender des Bezirksverbandes Südwürttemberg der IG Bau, heißt die Ergebnisse und das weitere Vorhaben gut. Dieser war schockiert, als er Anfang Dezember die Nachricht über Schotter-Teufel erfahren habe.
Und nicht nur er: Da Holcim quasi ein „Schwergewicht“ sei, habe die Nachricht entsprechend Wellen geschlagen. „Überall in den Werken wurde ich darauf angesprochen“, sagte er.
Zudem erinnert sich Müller an Zeiten zurück, als die Firma Schotter-Teufel noch ein familiengeführtes Unternehmen gewesen war. „Es wurden Feste gefeiert, Läufe veranstaltet – das war richtig toll.“
Ihre Jobchanchen sehen die betroffenen Schotter-Mitarbeiter optimistisch
Dem stimmten die Mitarbeiter einhellig zu: „Unter Gerhard Teufel haben wir zwar weniger verdient, aber das Arbeitsklima war hervorragend“, sagte einer; inzwischen sei eher das Gegenteil der Fall.
Ein weiterer ergänzt: „Herr Teufel hätte bei sowas die ganze Nacht nicht geschlafen.“ Denn diesem sei es beim Verkauf ein großes Anliegen gewesen, alle Arbeitsplätze in Straßberg zu erhalten – deswegen habe er sich auch für die Holcim-Gruppe entschieden. „Aber dreieinhalb Jahre später ist alles rum“, kommentierte ein Teilnehmer.
Letztenendes aber hätten sie sich ihre jetzige Situation schlimmer vorgestellt. „Es gibt Firmen, die sagen, dass sich die Lage in der Baubranche wieder bessern wird, und die dringend Leute suchen“, sagt einer. Um ihre Jobchancen machen sie sich kaum Sorgen, wie eine weitere Wortmeldung andeutet: „Unter Gerhard Teufel haben schließlich keine faulen Leute gearbeitet!“