Die Landtagsabgeordnete Petra Häffner. Foto: StN

Die Grünen in Schorndorf haben eine Vorzeigefrau – die Landtagsabgeordnete Petra Häffner. Doch bei der Aufstellung der Kommunalwahlliste wurde sie ausgebootet.

Die Grünen in Schorndorf haben eine Vorzeigefrau – die Landtagsabgeordnete Petra Häffner. Doch bei der Aufstellung der Kommunalwahlliste wurde sie ausgebootet.

Schorndorf - Wer eine landesweit bekannte Politikerin in seinen Reihen hat, versucht in der Regel, mit dieser auch bei Kommunalwahlen zu punkten. Nicht so jedoch in Schorndorf. Dort haben die Grünen die Landtagsparlamentarierin Petra Häffner ziemlich schnöde ausgebootet. Im nächsten Gemeinderat sitzt sie definitiv nicht mehr. Durch die Partei geht ein tiefer Riss.

Einmal mehr offenkundig wurde dieses Zerwürfnis bei der Nominierungsversammlung für die Gemeinderatswahl am 22. Mai. Selbstbewusst genug kündigte die gebürtige Schorndorferin ihre Ambitionen auf den Spitzenplatz an. Das aber war rein gar nicht nach dem Willen des amtierenden Fraktionschefs Werner Neher. Der hatte nämlich zuvor eine Liste mit von ihm favorisierten Namen für die ersten zehn Plätze vorgelegt – ohne Petra Häffner. Hintergrund: Neher und Häffner sind sich seit Jahren nicht mehr grün, stehen für zwei Lager im Ortsverband. Die „Schorndorfer Nachrichten“ bezeichnen Häffner gar als Nehers „Intimfeindin“.

In der Abstimmung nun kam die gelernte Heilpraktikerin Häffner, obgleich ohne Gegenkandidatin, auf lediglich 17 Ja- bei ebenso vielen Neinstimmen. Die Reaktion der Frau mit dem blonden Kurzhaarschnitt kam prompt: „Ich werde nicht mehr kandidieren“, erklärte sie kategorisch – auch nicht für hintere Plätze auf der Liste. Als Grund für dieses negative Votum vermutet sie im Übrigen, dass die Gegenseite zuletzt gezielt etliche Neumitglieder an Land gezogen habe, um eigene Vorschläge durchzubringen. Zwar sei damit eine für die Grünen in Schorndorf schlechte Entscheidung getroffen worden, doch sie nehme das Ergebnis „mit demokratischer Fassung“ auf.

Für die Gegenseite wiederum ist das Abstimmungsergebnis eine Folge auch der parteiinternen Auftritte Häffners in den vergangenen Jahren, das jetzige Ergebnis habe sie sich selbst zuzuschreiben. Auf Listenplatz eins landete übrigens Andrea Sieber: Die 36-Jährige hatte 2013 durch ihre Kandidatur für die Bundestagswahl gewisse Aufmerksamkeit errungen. Allerdings: Auch sie benötigte zwei Wahlgänge, um bei 16 Ja- und 15 Neinstimmen den Spitzenplatz zu erobern – und das ohne Gegenkandidatin.

Häffners Abstrafung entbehrt nicht einer gewissen Kuriosität. Denn gerade mal eineinhalb Jahre ist es her – da wollte sie unbedingt aus dem Gemeinderat raus. Angesichts der Mehrbelastung durch ihr Landtagsmandat – bei der Wahl war sie auf 22,5 Prozent gekommen – habe sie begrenzte Kapazitäten. Mit halbem Engagement wolle sie ihre Arbeit im Lokalparlament aber nicht ausführen. Deshalb „gebe ich meinen Rücktritt aus dem Gemeinderat bekannt“.

Doch diese Erklärung war etwas voreilig, denn der Gemeinderat bremste Häffner glatt aus. „Man kann nicht kommen und gehen, wie man will“, kritisierte Stadtrat Thomas Berger (SPD). Die Zusatzbelastung in der Kommunalpolitik könne so groß nicht sein, hieß es – Häffners Rücktrittsgesuch wurde im Oktober 2012 mehrheitlich abgelehnt.

Kapriolen um Häffner gab es noch mal im Mai 2013 bei der Wahl des neuen Ersten Bürgermeisters. OB Matthias Klopfer (SPD) favorisierte den Schorndorfer Stadtkämmerer Thorsten Englert. Gewählt wurde indes der bisherige Bezirksvorsteher in Stuttgart-Plieningen, Edgar Hemmerich (CDU). Die eine Stimme Mehrheit habe Hemmerich ausgerechnet die grüne Stadträtin Häffner beschert, hieß es. Beweise gab es angesichts der geheimen Abstimmung natürlich keine, aber Häffner gratulierte Hemmerichs Frau, die sie gut kennt, angeblich auffällig herzlich. In einer persönlichen Mail an Häffner rügte Klopfer wiederum deren Abstimmungsverhalten – und entzog ihr sogar das Du. Parteifreunde, Duzfreunde, Intimfeinde: In Schorndorf ist rund um Petra Häffner offenbar immer etwas los.

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