Für seine Arbeit gab's 2012 den Kleinkunstpreis Baden-Württemberg. In der Homag-Maschinenhalle erhielt Frank Sauer (Bild links) Sturm-Applaus. Als gefeierter Kabarettist, der Michael Krebs nun mal ist, sitzt man einfach am längeren Hebel. So blieb die weibliche Rolle in "Baby, It’s Cold Outside" an Bandleader Christoph Ruetz hängen. Spaß gemacht hat es offenbar beiden. Fotos: Eberhardt Foto: Schwarzwälder-Bote

Schwarzwald Musikfestival verknüpft swingenden Sound mit dem Witz zweier preisgekrönter Kleinkünstler

Von Tina Eberhardt Schopfloch. Preisgekrönte Kleinkünstler und Lokalmatadoren hinterm Notenpult – in der Maschinenhalle der Homag AG wurden beim Schwarzwald Musikfestival einen Abend lang ganz andere Eisen geschmiedet als sonst.Es war der perfekte Auftakt ins Wochenende. Mit Frank Sauer und Michael Krebs hatten Intendant Mark Mast und Festivalmanagerin Katja Körtge die baden-württembergischen Kleinkunst-Preisträger von 2011 und 2012 nach Schopfloch geholt. Homag-Gründer Gerhard Schuler konnte sich bei der Begrüßung eine Anspielung auf jüngste Schlagzeilen denn auch nicht verkneifen: "Im Gegensatz zur Aktionärsversammlung bieten wir Ihnen heute Abend erfreuliche Darbietungen." Damit das Publikum in der rappelvollen Halle in die richtige Stimmung kommt, schmiss die Freudenstädter Big Band Jazz x 18 einige Runden Swing, bevor die Bühne für Frank Sauer freigemacht wurde.

Sauer, Freiburger Charakterkopf mit hyperaktiver Zunge, ging in seiner Unterhaltung über "Lüge und Wahrheit" der mangelnden Schwindelfreiheit der Welt auf den Grund. Und der Zuhörer erfuhr, dass im Grunde schon Lidschatten, Rouge und Lippenstift Instrumente der Täuschung sind. "Wenn ein Gebrauchtwarenhändler alte Kisten aufmöbelt, werden Sie misstrauisch", polterte Sauter vor dem lachenden Publikum, "aber der Friseur macht doch eigentlich nichts anderes!" Neben Enthüllungen über die Illusionssucht der Welt gab Sauer intime Einblicke in die Suche nach der perfekten Pointe. "Die größte Inspirationsquelle ist das Kaufhaus", offenbarte er. Und wer seine lachmuskelreißende Nummer des Schwaben auf Dampfkochtopfkauf gehört hat, weiß warum. Begleitet von Jazz x 18 wechselte Frank Sauer unter lautem Applaus den Posten mit Michael Krebs, der sich bei der Homag-Belegschaft gleich Freunde auf Lebenszeit machte, als er Gerhard Schuler vorschlug, die Big Band zur Produktivitätssteigerung dauernd in der Maschinenhalle spielen zu lassen. Krebs, Schwäbisch Haller Reinprodukt im Exil, pflegte nicht den smarten Großstadtwitz seines Vorgängers. Er war das rohe Ventil für Zorn und Leid all derer über 30. Und das Publikum tobte. Als Barpianist für Luxushotels hatte es ihn nach Hamburg gezogen. Doch statt der erträumten sexhungrigen "Business-Schnitten" gab es nur Arpeggios zu Richard Clayderman. Schwäbisch, rotzig, wütend und wehmütig steigerte sich Krebs durch sein Programm, bevor er mit der Glanznummer "Wir hatten keine Chance" der Trauer um seine verlorene Generation Ausdruck verlieh. Wie sollte man anno 1980 und davor etwas werden? Es gab keine Supernanny und nicht mal RTL II. Man hatte die Geste des Zorns, das Symbol des Metal: die Pommesgabel des Teufels – und die wird heute in den Kindergärten perfide als Zeichen des "Flüsterfuchs" entmachtet.

Als sich das Gejohle in der Maschinenhalle gelegt hatte, traten die zwei brillanten Kabarettisten zum sportlichen Finale mit Jazz x18 zusammen. Und hier fand dann auch Bandleader Christoph Ruetz noch zum Platz im Rampenlicht. Gemeinsam mit Michael Krebs gab er eine Version von "Baby, It’s Cold Outside" – in der weiblichen Hauptrolle. Kittelschürze und Kopftuch kleiden eben jeden Schwaben.