Ralph Heuwing ist der neue Vorstandsvorsitzende der Homag Group AG. Foto: Hopp

Homag-Chef Ralph Heuwing bleibt zudem Finanzvorstand der Dürr AG. Beide Firmen sollen voneinander profitieren.

Schopfloch - Ralph Heuwing, Finanzvorstand der Dürr AG, ist nun auch Vorstandsvorsitzender der Homag Group AG. Mit dem Maschinenbauer in Schopfloch hat der Manager viel vor. Homag soll wachsen – mit einer Strategie, die Dürr Erfolge bescherte.

Die Straßen nach Bietigheim-Bissingen, dem Sitz der Dürr AG, sind gut ausgebaut. 25 Minuten benötigt Ralph Heuwing, um morgens von Stuttgart, wo er mit seiner Familie wohnt, zu seinem Arbeitsplatz zu kommen. Seit 2007 ist Heuwing Finanzvorstand von Dürr. Den Posten trat er an, als der Konzern, der hauptsächlich Lackieranlagen für die Autoindustrie herstellt, in der Krise steckte. Mit einem Veränderungsprozess, der an den vier Säulen Innovation, Globalisierung, Service und Effizienz ansetzte, brachten Vorstandsvorsitzender Ralf W. Dieter und Heuwing die Dürr-Gruppe wieder auf die Beine. Sie steigerte ihren Umsatz von 1,5 Mrd. Euro im Jahr 2008 auf 2,3 Mrd. Euro 2013 – dem bisherigen Rekordjahr. Die Rendite stieg im selben Zeitraum von einem Wert zwischen ein und zwei auf neun Prozent.

»Das Unternehmen Dürr hat große Chancen«, habe er sich gesagt, nachdem Firmengründer Heinz Dürr ihn angerufen hatte und ihm den Vorstandsposten angeboten habe, sagt Heuwing. Jahre später sah er sich bestätigt: »Vom Sanierungsfall zum Börsenstar«, attestierte die Fachpresse. Im vergangenen Jahr ließ das Wachstum zwar leicht nach, Dürr hatte aber genug flüssige Mittel, um sich ein Unternehmen kaufen zu können, das den Konzern breiter aufstellen, unabhängiger vom Auf und Ab in der Autobranche machen, selbst wachsen und damit auch das Wachstum von Dürr sichern soll: Im Juli kündigte der Autozulieferer die Übernahme des Holzmaschinenbauers Homag mit Sitz in Schopfloch (Kreis Freudenstadt) an, im Oktober war sie abgeschlossen.

Schwierige Suche nach qualifizierten Mitarbeitern

In der Folge verließ Vorstandsvorsitzender Markus Flik Homag – »auf eigenen Wunsch«, hieß es. Sein Nachfolger wurde im Dezember Dürr-Finanzvorstand Heuwing, der beide Posten nun in Personalunion ausübt. Die Straßen zwischen der A 81 und dem Nordschwarzwald sind zum Teil weniger gut ausgebaut als die nach Bietigheim-Bissingen. Ein Umstand, der so manchem Unternehmer im Kreis Freudenstadt Anlass zum Klagen bietet. Ralph Heuwing, der neue Homag-Chef, zählt nicht dazu. 50 Minuten braucht er von zu Hause bis zu seinem neuen, zweiten Arbeitsplatz in Schopfloch. Die Verkehrsinfrastruktur sei für ihn »kein A-Thema«, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Im ländlichen Raum qualifizierte Mitarbeiter zu finden – das sei die größere Herausforderung. Langfristig strebt der neue Homag-Chef seine persönliche Anwesenheit zu gleichen Teilen in Schopfloch und in Bietigheim-Bissingen an. Vorerst liege das Verhältnis eher bei 60 zu 40 Prozent zugunsten von Homag. Dort will Heuwing erst einmal Präsenz zeigen, das Unternehmen kennenlernen, »mit Menschen reden« – ob bei Versammlungen im Betrieb oder Frühstück-Meetings mit Mitarbeitern. Heuwing ist überzeugt: »Kommunikation ist wichtig in Veränderungssituationen.« Bei Homag erst recht.

Jahrelang hatten sich die beiden Großaktionäre – der Investor Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) und der Schuler/Klessmann-Stimmenpool um die Gründungsfamilie Schuler – bei Hauptversammlungen und im Aufsichtsrat über die künftige Ausrichtung des Unternehmens gestritten. Bis sie sich im Sommer auf den Verkauf einigten. Dürr hält nun 55,9 Prozent der Homag-Aktien. Unter anderem hatte das Unternehmen das gesamte Aktienpaket der DBAG (39,5 Prozent) und 3 Prozent der Aktien des Schuler/Klessmann-Pools gekauft.

Außerdem trat Dürr dem Aktionärspool bei. Dieser hat sich verpflichtet, am 5. März bei einer außerordentlichen Hauptversammlung einem Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag zustimmen. Durch die Vereinbarungen mit den Pool-Aktionären kann Dürr bei der Versammlung auf rund 80 Prozent der Stimmen zurückgreifen. Gereizte Stimmung und negative Außenwirkung hatten vor einem Jahr auch den Homag-Mitarbeitern zugesetzt. Dass es noch einmal zu Unfrieden kommt, glaubt Heuwing nicht: »Wir müssen unsere Kräfte auf den Markt konzentrieren – interner Streit, das geht gar nicht.« Der neue Chef beschreibt sich selbst als dialogfähig. Er will ansprechbar sein und zuhören. Und er verspricht Verbindlichkeit: »Ich sage, was ich denke – und tue, was ich sage.«

Mit Homag soll auch Dürr weiter wachsen

Was er nun mit Homag tun will, hat er der Richtung nach schon einmal mit Erfolg bei Dürr getan. In Anlehnung an die vier Strategie-Bausteine von Dürr lasse sich einiges auf Homag transferieren, ist Heuwing überzeugt. Bei der Innovation könne Homag von Dürr-Know-how beim Einsatz von Robotern profitieren, im Gegenzug Dürr vom Touchscreen-Bedienkonzept für Maschinen von Homag. Mit Blick auf die Globalisierung lasse sich die Präsenz in Wachstumsmärkten weiter ausbauen. China etwa wachse derzeit zweistellig im Bereich Möbelproduktion. »An diesem überdurchschnittlichen Wachstum muss Homag noch stärker partizipieren«, fordert Heuwing.

Beim Service gibt er die Rundum-Zufriedenstellung des Kunden als Ziel vor und in Sachen Effizienz denkt er an eine stärkere Prozessorientierung: Arbeitsabläufe vereinfachen und beschleunigen. Ziel ist ganz klar weiteres Wachstum. Größere personelle Veränderungen seien nicht geplant, realistisch sei aber, dass die Zahl der Mitarbeiter stärker im Ausland wachsen wird als im Inland. Heuwing: »Wenn wir im Ausland wachsen, wird das aber auch positive Auswirkungen haben im Inland.«

Im Vordergrund stehe zunächst das Zusammenwachsen der beiden schwäbischen Maschinenbauunternehmen. »Wir sehen uns nicht als Investor, sondern als Eigentümer«, betont der Dürr-Finanzvorstand und will Befürchtungen, Dürr könne Homag irgendwann wieder verkaufen, erst gar nicht aufkommen lassen. »Wir werden Homag zu einem erfolgreichen Unternehmen und einem langfristigen Bestandteil der Dürr-Gruppe machen.« Im Konzern wird Homag als eigenständige Marke weitergeführt und bildet den neuen – fünften – Unternehmensbereich »Wood Processing Systems.« Synergien, die etwa beim Einkauf, in Teilen der Informationstechnologie oder durch Finanzierungsvorteile zu erwarten seien, spielten beim Zusammenwachsen »nicht die primäre Rolle«, so Heuwing.

»Wir ermöglichen den Erfahrungsaustausch und das gegenseitige Lernen. Da wir keine Abteilungen zusammenlegen, geht es nicht darum, wer der Bessere ist. Entscheidend ist, dass die Gesamtgruppe noch erfolgreicher wird.« Dies wiederum dürfte unter anderem daran gemessen werden, ob sich die Homag-Rendite mittelfristig in Richtung der von Dürr bewegt.

Der Weg vom Wohnhaus Heuwings zum Stuttgarter Flughafen ist gut ausgebaut. Die Wege der Luftfahrt in Richtung USA und China, wo Heuwing sich derzeit häufig aufhält, um das Wachstum von Dürr und Homag voranzutreiben, sind es sowieso. Vor allem in diesen Ländern sieht er »viele Chancen.«

Zur Person: Ralph Heuwing

Ralpf Heuwing, Jahrgang 1966, ist in Moers bei Duisburg geboren und aufgewachsen. Er studierte Maschinenbau an der RWTH Aachen und Betriebswirtschaft an der Insead Business School in Cambridge (USA). Der 48-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Heuwing begann seine Karriere 1990 bei der Boston Consulting Group (BCG). Bis 1996 arbeitete er als Consultant und Projektleiter in München und Frankfurt. 1996 folgte ein Auslandsaufenthalt als Geschäftsführer und Partner für die BCG in Mumbai, Indien.

2001 kehrte er zurück und war bei der BCG in München als Geschäftsführer und Partner tätig. Seit 2007 ist Heuwing Finanzvorstand des Technologieunternehmens Dürr. Seit 1. Dezember 2014 ist er in Personalunion Vorstandsvorsitzender von Homag. In dieser Funktion leitet er den Unternehmensbereich Woodworking Machinery bei Dürr.

Maschinenbau-Riese Dürr AG

Der Dürr-Konzern zählt zu den weltweit führenden Maschinen- und Anlagenbauern. Produkte, Systeme und Services ermöglichen effiziente Fertigungsprozesse in verschiedenen Industrien.

Rund 65 Prozent des Umsatzes entfallen auf das Geschäft mit Automobilherstellern und -zulieferern. Weitere Abnehmer sind der Maschinenbau, die Chemie- und Pharmaindustrie und – seit der Homag-Übernahme – die holzbearbeitende Industrie.

Dürr hat 94 Standorte in 28 Ländern und erzielt mit über 13. 700 Mitarbeitern, davon 5500 bei Homag, einen Jahresumsatz von rund 3,2 Mrd Euro (davon rund 800 Mio. Euro durch die Homag Group).

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